Wer mich kennt, weiß, dass ich viel Abwechslung brauche, um meinen kreativen Geist zu fördern. Nach über 20 Jahren Triathlon kann ich so ziemlich alle technischen Übungen auswendig. Deshalb lasse ich mir immer wieder was Neues einfallen, damit mir nicht langweilig wird :-)

Sicher, unser Gehirn lernt durch Wiederholung. Und ja, die Lernpsychologie lehrt „vom Einfachen zum Komplexen“. Und manche Menschen mögen ihre Gewohnheiten und das ist auch gut so, denn jeder Mensch ist anders.

Aber, wenn du auch schon viele Jahre schwimmst, alle technischen Übungen schon in- und auswendig kennst und Spaß daran hast, Neues auszuprobieren, dann wünsche ich dir viel Freude mit den folgenden Übungen.

Kreative Fingerspiele

Wenn du schon länger schwimmst, dann kennst du bestimmt die ganze Palette der Hand- bzw. Fingerübungen: Gespreizte Finger, gepresst, locker, Faust usw.

Lass es mal noch feiner und kreativer werden z.B. indem du nur mit dem erhobenen Zeigefinger schwimmst, dem bösen Stinkefinger, dem hawaiianischen „Hang-Loose“ (nur kleiner Finger und Daumen gestreckt, Rest eingeklappt) oder „Rock out“ (kleiner Finger und Zeigefinger nach oben gestreckt, Rest eingeklappt).

Und weißt du was? Es muss nicht perfekt sein. Denn in dem Moment wo du deinem Körper neue Reize gibst, hat dein Gehirn schon genug zu tun. Und wenn du dabei Spaß hast, dann ist das besonders förderlich für den Lernprozess. Das verfolgt auch das Prinzip der Life-Kinetik. Wenn du der Meinung bist, dass das zu sehr vom „optimalen Schwimmzug“ abweichst, ist das auch ok.

Mir macht es einfach Spaß meine Körperansteuerung weiter zu verfeinern und dadurch, meinen Körper noch besser spüren zu lernen. Denn genau das hilft mir dann wieder, u.a. im Alltag viel schneller wahrzunehmen was mein Körper gerade braucht: Welche Dehnübungen gerade wichtig sind, welches Essen mein Körper verlangt – und man erkennt immer frühzeitiger den Pausenruf ;-)

 

Wahrnehmung volle Kanne trainieren

Es gibt verschiedene Wahrnehmungsebenen, um die Tiefensensibilität zu schulen. Du hast die Begriffe bestimmt schon einmal gehört: Propriozeption, Interozeption und Exterozeption. Und wenn nicht, ist das auch nicht so wichtig. Mir geht es immer darum, was ich mit den ganzen schlauen Begriffen in der Praxis mache. Wie ich es einfach und pragmatisch anwenden kann. Und dann habe ich beim Schwimmen Folgendes ausprobiert:

Interodings: Du tauchst beim Schwimmen völlig in deinen Körper ein. Entweder konzentrierst du dich pro Bahn auf bestimmte Körperteile oder du nimmst deinen Körper als Ganzes wahr – wie eine Einheit. Oder du wanderst durch deinen Körper z.B. in dein rechtes Knie, in deine linke Schulter, in deine Nase usw. Du nimmst jeden Teil ganz bewusst wahr. Und es geht dabei nicht darum, dich auf den perfekten Schwimmzug zu konzentrieren. Lass das mal nebenbei laufen. Wenn du schon lange schwimmst, ist das wie Autofahren. Es geht auch nicht darum, die Empfindung zu bewerten und großartig zu denken. Nein. Es geht nur um das Wahrnehmen. Klingt irgendwie voll meditativ? Ja, Schwimmen kann auch wie entspannende Meditation sein.

Ach ja, ein wenig besuchtes Schwimmbad wäre von Vorteil, weil es sein kann, dass du die Außenwelt dann völlig ausblendest und es dadurch zu unfreiwilligen Kollisionen kommen kann ;-)

Exterodings: Jetzt gehst du mit Hilfe deiner Vorstellungskraft aus deinem Körper heraus und nimmst alles um dich herum wahr: die Geräusche, das Wasser, die anderen Menschen um dich herum. Nicht kucken, nur fühlen. Stell dir vor, du könntest die Beckenränder spüren, so, als würdest du deine Wahrnehmung über deine Körpergrenze hinaus ausdehnen. Natürlich hast du im Hintergrund noch deine Körperwahrnehmung laufen, nur richtest du deine Aufmerksamkeit nach draußen. Das hat den Vorteil, dass du z.B. im Wettkampf Schlägen von außen frühzeitig aus dem Weg schwimmen kannst. Du navigierst sozusagen anders.

 

Propriodings: Jetzt verbinden wir Innen und Außen miteinander. Erst hast du alles im „Innen“ wahrgenommen. Dann bist du ins „Außen“ gegangen. Jetzt stell dir vor, dein Körper ist wie eine Einheit und die Welt da draußen ist eine Einheit – und das Ziel ist es jetzt, den Übergang zu spüren. Sozusagen: Du im großen Ganzen. Klingt schräg? Mag sein. Fühlt sich aber ziemlich gut an, weil du lernst, bei dir zu bleiben. Das hilft dir wiederum im Wettkampfgetümmel deine Energie bei dir zu behalten.

Rumswitchen: So, jetzt kommt die mega Fortgeschrittenenvariante. Du springst mit deiner Aufmerksamkeit nach Belieben zwischen den Ebenen hin uns her. Rein in den ganzen Körper, wieder raus zu den Geräuschen, rein in den linken Fuß, raus zum vorderen Beckenrand, hin zum Übergang von der rechten Hand zum Wasser. Klingt für dich entweder voll kompliziert oder nach Experimentationsspaß? Was auch immer. Pick dir raus, was für dich passt ;-)

 

Lagen mal andersanders

Ja, da gibt es die Begriffe „Große Lagen“ (längere Strecke pro Lage, z.B. 50m und mehr) und „Kleine Lagen“ (Lagen auf eine Bahn verteilt). Und wenn du auch schon mal mit den reinen Schwimmern mitgehechelt bist, dann hast du vielleicht – wie ich – erfahren, dass die für den Geschmack eines Triathleten eindeutig zu viel von dem anstrengenden Lagendingsbums schwimmen.

Normalerweise ist die gängige Reihenfolge: Delphin, Rücken, Brust, Kraul – oder das ganze rückwärts. Wie wäre es, nach jedem Zyklus zu wechseln? Ein Zug Delphin, drehen, einer Rücken, drehen, einer Brust, Kraul usw. Und wenn dir das auch noch zu langweilig ist, dann mach die Reihenfolge anders oder bau zusätzlich noch was mit ein, was dir gerade in deinen verrückten Sinn kommt :-)

Und wenn jetzt der Perfektionismusantreiber in dir protestiert, weil er beim Ausprobieren feststellt, dass ein exakt-abgeschlossener-Zug gar nicht geht und es manchmal eher 1,5 Züge sind, weil man sich ja auch drehen muss – na, und? Macht es Spaß oder macht es keinen Spaß? Je nachdem, was dein innerer Kritiker oder dein emotionales limbisches System dir für eine Antwort gibt – du wirst das tun, was das Richtige für DICH ist.

Viel Spaß beim Experimentieren,

Doris

→ Gewusst? Ich biete auch Schwimmtechniktraining an.