Die Mutmachgeschichte von Daniela: UrLIEBE

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“Eine meiner vielen Wege, die ich gehen durfte war der Verlust meines dritten Kindes im fünften Monat. Ich hatte meine zwei ersten Schwangerschaften schon mit viel Geduld und „Problemen“ geschafft. Aber die dritte Schwangerschaft war überhaupt nicht geplant, wobei das keine meiner Schwangerschaften war ;)

Ich erfuhr erst im dritten Monat, dass ich ein Kind in mir trage.

Das Leben ist einfach voller Wunder – nur sehen „muss“ man sie auch. Als ich nun wusste, dass ich schwanger war, freute ich mich zwar, aber ich durfte mein ganzes Leben wieder umdenken – u.a. umziehen …

Zwei Monate vergingen und es war fast alles gerichtet. Plötzlich ging es mir körperlich immer schlechter. Der Blutdruck stieg extrem an, die Schritte wurden immer schwerer und meinem Bauch ging es auch nicht wirklich gut. Nach der Untersuchung beim Arzt sagte er mir, dass ich ab sofort liegen muss und nicht mehr arbeiten darf. Ich sagte sofort meiner Chefin Bescheid, fuhr nach Hause und legte mich hin. Um 19:30 Uhr am Abend nahm ich die verordnete Tablette des Arztes.

Ungefähr 15 Minuten später musste ich so dringend auf die Toilette. Ich wusste, dass etwas nicht stimmte. Das Kind wollte raus. Aber viel zu früh. Ich rief meinen Mann und die Nachbarin – und sie dann den Notdienst.

So kam mein Sohn mit fünf Monaten auf die Welt. Zu Hause bei uns. Aber er war nicht überlebensfähig.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich mein Kind in meinen Händen hielt. Eingewickelt in ein Handtuch. Ganze 20 Minuten habe ich versucht, ihm

das Leben so warm und liebevoll wie möglich zu machen. Bis er durch seinen Mund ausatmete und “ging”.

Fünf Minuten später kam der Notarzt. Der Mann war so erschrocken, denn seine Frau hatte selbst schon vier Abgänge erlebt. Er hat mich hingelegt, meinen Sohn abgenabelt und mich ins Krankenhaus gebracht. All das hatte ich genauso bereits zweimal vorher geträumt. Ich wurde auf das, was geschehen würde, vorbereitet.

Und trotzdem, war es wie ein Schlag ins Gesicht.

Uns half jedoch sehr, dass wir im Krankenhaus nochmals Abschied von seinem kleinen Körper nehmen durften.

Nach einem kleinen Eingriff schlief ich im Krankenhaus, genauso mein Mann.

Sein Beistand half mit sehr, ebenso der meiner Mutte und meiner Familie. Aber am meisten konnte ich mir selbst helfen, indem ich täglich mit mir in Zwiesprache ging und meiner Trauer Ausdruck verlieh. Ich weinte und nahm Abschied von all den Gedanken, die man sich aufbaut, wenn man ein Kind bekommt.

Ich habe schlichtweg meine Umwelt beobachtet und wahrgenommen, was mit ihr passiert und was mit mir passiert, wenn ich Trauer zulasse. Weinen hilft beim Loslassen, nur verlieren sollte man sich darin nicht.

Es war dann immer weniger ein Verlust, als ein Geschenk, das ich erleben durfte. Ich durfte erfahren, was wirkliche Urliebe bedeutet. Zwischen Leben und Tod zur gleichen Zeit. Ich durfte spüren, dass es noch eine andere Welt gibt, die wir nicht sehen können. Sie aber dennoch da ist und wir immer mit dieser Welt in Kontakt sind.

Es war so wunderschön, zu hören und zu sehen, dass es Menschen berührt, was mir passiert ist – die zu diesem Zeitpunkt gar nichts mit mir zu tun hatten. Und was es mit der Welt macht, wenn ein Fötus aus dieser Welt in eine andere Welt geht …

Alles hat mich mehr und mehr auf meinen Weg gebracht, den ich heute gehe.”

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