Aber bitte mit Sahne – meine holprige Ernährungsgeschichte

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Aber bitte mit Sahne!

(Achtung! Dieser Artikel ist mit einem Augenzwinkern geschrieben. Bitte lies ihn auch so :-))

Man muss schon selten dämlich sein, bei der Ausbildung zur veganen Ernährungsberaterin „Peace Food“ sich am Buffet Sahne zu nehmen. Genau in dem Moment, wenn Dr. Rüdiger Dahlke, der Ausbilder und Autor des Buches „Peace Food“ direkt neben einem steht. Also quasi neben mir.

Anders herum könnte es auch sein, dass es ein genialer Schachzug des Universums war …

Aber bevor ich dir erzähle, wie ich aus der Nummer wieder rauskam (oder auch nicht), möchte ich dich mit auf eine Reise nehmen. Eine Reise in die Vergangenheit. Und ich lade dich herzlich dazu ein, während du liest, immer wieder für dich selbst zu prüfen, welche meiner Worte mit dir harmonieren oder genau das Gegenteil erzeugen: Inneren Widerstand. Dann solltest du ganz wach für dich selbst bleiben. Und in deine Innenwelt hineinhorchen, warum das gerade in DIR passiert.

Eine Schublade voller Süßigkeiten …

… die gab es bei uns zu Hause, als ich noch ein Kind war. Ich hätte mich den ganzen nur aus dieser leckeren Schublade ernähren können. Zum Glück haben dem meine Eltern nicht zugestimmt. Süßigkeiten waren trotzdem meine Hauptnahrungsquelle. Und meine Oma war die beste Nachspeisenköchin dafür. Zum Glück haben das meine Zähne mitgemacht ;-)

Die Frage ist nur, warum ich das gebraucht habe und wo mir gegebenenfalls die Süße des Lebens gefehlt hat …

Zum Glück wurde ich essentechnisch ebenso anderweitig geprägt: Es gab bei uns viel Gemüse und Salat – und Fleisch. Fast jeden Tag, außer Freitag. Da gab es Fisch.

Als Kind macht man sich da keine Gedanken. Man isst, was auf den Tisch kommt. So war auch die Essensregel: „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.“ Und eine weitere Regel war: „So wie man isst, so arbeitet man.“ Na dann mal schnell rein mit dem Zeug. Sonst denken die Leute vielleicht, dass ich faul und langsam bin.

Ich muss abnehmen!

Willkommen in der Pubertät und beim Kalorienzählen. Diäten kannte ich schon von meiner Mutter. Sie machte einer nach der anderen. Und irgendwann machte ich mit. Aber noch krasser. Einen Tag nichts essen? Schaff ich! Zwei Tage nix essen? Schaffe ich auch!

Abends lag ich im Bett und habe zusammen gerechnet, was ich tagsüber an Kalorien gegessen hatte. Ich kannte die Tabellen gut. Im Grunde drehte sich in meinem Kopf alles um’s Essen und um’s Kalorienzählen. Die Nährstoffe waren mir in dieser Phase noch so ziemlich egal. Auch, dass ich mich nicht wirklich kraftvoll und energiegeladen fühlte.

Beendigung des Diätenwahnsinns

Wie? Durch Sport. Genauer gesagt: Triathlon. Noch genauer gesagt: Ironman.

Ich konnte gar nicht soviel essen, wie ich verbrannt habe. Für mich eine sehr heilsame Zeit, was meinen Abnehmwahnsinn anging. Ich konnte schließlich essen, was ich wollte und nahm nicht zu. So transformierten sich meine Gehirnwindungen vom Kalorienzählen zum Trainingsumfänge zählen.

Dumm war nur die Sache mit der „Off-Season“. Die Kilos kamen zurück und mein Unwohlsein auch.

So ging das dann Jahr um Jahr. Runter – rauf. Rauf – runter. Und der damals neue Trend „Metabolic Balance“ oder die Eiweiß-Philosophie von Dr. Strunz haben da auch nix geholfen.

Ascorbinsäure & Co. 

Zu Beginn meiner „Triathlonkarriere“ habe ich dann doch irgendwann angefangen, mich mit den Nährstoffen auseinander zu setzen. Und es kommt einfach cooler, wenn man die Vitamine auf Latein kann, z.B. Ascorbinsäure für Vitamin C. Also habe ich sie als angehende Triathlon-Trainerin auswendig gelernt.

Ich habe damals das Wissen genommen und es 1:1 auf mich übertragen – ohne darüber nachzudenken, ob das für mich überhaupt stimmig ist. Ohne in mich hinein zu spüren, was es eigentlich mit mir macht. Soviel Zeit hatte ich nun wirklich nicht.

Ich war auch der Meinung, dass besonders gesundes Zeug nicht besonders gut schmecken muss. Aminosäuren zum Beispiel. Also: Nase zuhalten und rein damit ins System. Soll ja schließlich gut sein. Und  die anderen sind ja die Experten für MEINEN Körper.

Eiweiß für die Muskeln

Als Sportlerin braucht man Eiweiß. Und am besten aus tierischen Produkten, denn das kann der Körper besser aufnehmen. Steht so auch geschrieben.

Ein Leben ohne Milchprodukte war für mich nicht vorstellbar. Vor allem nicht ohne Käse, Quark und Sahne.

Auf Fleisch konnte ich gut verzichten, wenn ich wollte. So wie in einem meiner ersten Triathlonjahre: Ich wollte einfach mal ausprobieren, ob ich ein Jahr auf Fleisch verzichten kann. Und es war leichter, als ich dachte. Es kam sogar soweit, dass es mir gar nicht mehr schmeckte …

Außerdem habe ich in diesem Jahr das erste Mal die Erfahrung gemacht, wie es ist, wenn du Dinge anders machst, als die anderen. Und die Reaktionen bzw. anschließenden Diskussionen waren nicht immer getragen und getränkt von purer Harmonie.

Es war für mich deshalb auch nicht immer leicht, in meiner Familie die einzige zu sein, die kein großer Fan von Alkohol ist. Außer in der Jugendzeit, wo man so einiges ausprobiert, bis du merkst, dass dir das nicht wirklich gut tut.

Ich kann dir gar nicht sagen, warum ich wieder angefangen habe Fleisch zu essen. Ich weiß nur, dass irgendwas in mir es nicht mehr als so wirklich moralisch richtig empfand, als vor meiner „Fleischdiät“. Aber ich habe es trotzdem getan. Und es ist für mich immer noch Prozess des sich selbst vergebens, denn ich wünschte ich wäre nach meinem ersten Vegetarierjahr schon dabei geblieben. Nur brauchte ich wohl diese Zeit.

Es sind viele Jahre vergangen bis ich mich entschied, Vegetarierin zu werden. Zum Leidwesen meines jetzigen Mannes. Wie heißt es so schön: Beim Essen scheiden sich die Geister …

Frühstück? Igitt!

Das schlimmste in den Trainingslagern und Wettkämpfen war das Frühe-Essen-müssen, um später keinen Hungerast zu bekommen. Während mein Mann mit einem freudigen Lächeln nach dem Aufwachen das Frühstück herbeisehnt, erzeugt eine Essenvorstellung nach dem Aufwachen bei mir ein „WÄÄÄHHH“-Gefühl. Und das hat sich (zum Glück) während all der Jahre nicht geändert. Da konnte ich mir noch so oft am Morgen mit den Honigtoast reinquetschen. Mein Magen braucht am Morgen Zeit. Deshalb bin ich lieber früher aufgestanden oder sogar nüchtern Laufen gegangen, damit ich Hunger hatte.

Spannenderweise habe ich Nüchternläufe nie gut vertragen. Mir wurde nach 20 Minuten schlecht. Heute macht mir das nichts mehr aus.

Ich erinnere mich, dass ich schon als Kind nicht gerne Frühstücken mochte und meine Mutter darauf bestand, dass ich wenigstens vor dem Kindergarten ein heißen Kakao trinke.

Erinner dich, wie warst du als Kind? Was war DEIN natürlicher Zustand?

Gels, Riegel & Cola

Mein Doping. Vor allem Cola. Ohne das alles bin ich nicht in lange und vor allem harte Trainingseinheiten gestartet. Ich kann mich noch gut an eine Radausfahrt in Lanzarote erinnern. Wir waren kurz vor einem längeren Anstieg und ich hatte einen Riegel gegessen. Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass mir dieser Riegel den Stecker zog. Ich hatte überhaupt keine Kraft mehr. Und das, obwohl ich doch gerade Kraftfutter gegessen hatte …

Mir fiel ebenso auf, dass ich von zu viel Zucker Kopfschmerzen bekam und später, dass Kohlensäure mir gar nicht gut tat. Sendete mir mein Körper nun verstärkt Signale?

Abgesehen von den ganzen Blähungen und Sodbrennen, dass ich in der Vergangenheit immer wieder hatte, war das für mich neu.

Und dafür bin ich meinem Körper sowas von dankbar und auch demütig. Nach all dem, was er in dieser Zeit leisten musste, haben wir nie ganz die Verbindung verloren. Und manchmal musste er auch ganz schön hartnäckig sein, damit ich hinhörte. Bei all den Sportverletzungen, die ich hatte.

Mit jeder Verletzung habe ich mehr über dieses unglaublich komplexe System gelernt. Auch, dass chronische Verletzungen über die rein physische Ebene hinausgehen …

Aber das wäre dann ein neuer und seeeeehhhr langer Blogbeitrag ;-)

Yoga & das schlechte Gewissen

Das Eintauchen in die Yogawelt war für mich nicht nur ein Quantensprung von einer leistungsorientierten Welt des Äußeren, in eine innere Welt der Hingabe. So wie mein Körper sich veränderte, veränderte sich mein Essverhalten.

Und das ist für mich immer noch ein Prozess. Schließlich habe ich mein halbes Leben mit Triathlon verbracht. Bis mich meine chronischen Verletzungen vor fünf Jahren zum Yoga brachten.

So sehr ich wieder bewusster und fühlender wurde, wie ich es als Kind schon war, hatte ich beim Essen immer noch meine unbewussten Blockaden und Saboteure in mir. Vor allem bei Milchprodukten.

Mir konnte bei meiner Yogalehrerausbildung die Ausbilderin noch soviel über das Leid der Tiere erzählen. Es tat mir auch leid. Aber ich konnte einfach nicht darauf verzichten. Vegan war für mich zu diesem Zeitpunkt immer noch unvorstellbar. „Was soll ich denn dann essen?“, dachte ich. Da bleibt ja nix!

Und schließlich war ich mein Leben lang diszipliniert und teilweise sehr streng mit mir und meinem Körper. Das wollte ich auch nicht mehr sein und mir irgendetwas verbieten …

Die Trennung von meinem Mann

Ich glaube die fünf Monate Trennung von meinem Mann war für mich die schmerzhafteste Zeit meines Lebens. Auch wenn es im Nachhinein betrachtet genauso die intensivste Zeit mit mir selbst war. Eine Zeit, in der ich soviel über mich gelernt habe. Eine Zeit, in der ich mir so nah gekommen bin, wie nie zuvor. Eine Zeit, in der ich so viele Aha-Erlebnisse und magische Momente hatte, dass ich sie auf keinen Fall missen möchte. Alles hat seinen Grund.

So hatte diese Zeit ebenfalls einen sehr starken Effekt auf mein Essverhalten und meine Ernährung. Wenn es mir psychisch schlecht geht, kann ich nichts essen. Es schlägt mit im wahrsten Sinne des Wortes auf den Magen. So nahm ich damals immer mehr ab. Ist im Grunde auch wie eine kleine Selbstbestrafung. Sich nichts mehr Gutes zuführen.

Mir war klar, dass ich damit aufhören musste und wieder Kraft brauchte. Denn die hatte ich gar nicht mehr. Für gar nichts. An machen Tagen nicht einmal mehr zum Aufstehen.

Wie konnte ich meinem Körper wieder LEBEN einhauchen? Neben Sonne, sanftes Training, gutes Wasser usw. brauchte ich wirklich gute LEBENsmittel. Ich las viel darüber und kaufte mir u.a. einen Smoothiemaker. Experimentierte mit grünen Smoothies und Chlorophyll, ayurvedischen Morgenritualen und spirituellen Techniken.

Und ich gab mir wirklich Mühe vegan zu leben. Ich entsorgte alle Milchprodukte rigoros aus meinem Kühlschrank, aber merkte schnell, dass es zu diesem Zeitpunkt nicht zu 100% ging. Es kam sogar für mich noch schlimmer: Ich aß Fleisch.

Als wäre in meinem System alles durcheinander und es würde sich gerade neujustieren.

Vegan ist geil

Und die Neujustierung war erfolgreich. Stück um Stück sortierte ich die Stoffe aus, die mir nicht gut taten. Am krassesten war die Veränderung meiner Geschmacksnerven. So als würde alles noch viel intensiver schmecken. Wo es mir früher schwer fiel Gewürze heraus zu riechen oder zu schmecken, fiel es mir immer leichter.

Abgesehen davon, dass ich gar nicht mehr so viele Gewürze wie z.B. Salz brauchte – und vor allem kaum noch Zucker. Was war ich süchtig nach Nougat und verabscheute dunkle Schokolade. Und plötzlich schmeckten mir Kakaonibs aus Rohkakao.

Plötzlich nahm ich viel mehr Fett zu mir (in Form von Koksöl und Nüssen) und nahm nicht zu. Nein, mein Bauch wurde immer flacher, ohne, dass ich dafür viel trainieren musste. Und falls ich wieder mehr Zucker zu mir nahm, veränderte sich auch mein Bauchumfang. Ebenso bei vermehrter Aufnahme von Brot & Co.

Es war, als würde ich wieder in eine ganz neue Welt eintauchen. Die Abenteuereise zu mir selbst ging weiter.

Zu sich selbst stehen …

… fiel mir am Anfang sehr schwer, als mein Mann und ich wieder zusammen waren. Wir hatten genug Baustellen zu klären. Da wollte ich mit meiner neuen Ernährung nicht noch zusätzlich Disharmonie reinbringen. Also aß ich zu Feierlichkeiten der Harmonie willen sogar ein wenig Fleisch. Es war mir in diesem Moment einfach wichtig. Auch wenn sich etwas in mir betrogen fühlte.

Aus heutiger Sicht würde ich es nicht mehr tun. Aber damals war es für mich wichtig. Deshalb bin ich mittlerweile sehr vorsichtig mit schwarz-weiß-niemals-nie Aussagen. Du weißt nie, was kommt und dich genau das Gegenteil lehrt von dem, was du bisher glaubtest.

Wenn du dich dazu entscheidest in einem alles-essenden Familienfeld immer mehr vegan zu leben, kommt du irgendwann nicht drumherum zu dir selbst zu stehen. Ohne Dogma. Ohne erhobenen Zeigefinger. Und ganz ehrlich: Ich bin nicht Jesus. Ich bin nicht zu 100% frei von all meinen Themen. Und gerade Fleischesser spiegeln mir im Grunde immer noch meine, in kleinen Anteilen vorhandene, Selbstverurteilung mir gegenüber wieder …

Der letzte Kick

Du fragst dich vielleicht, was mich dazu bewog, sogar auf Käse und Quark zu verzichten (die Sahne heben wir uns für den nächsten Abschnitt auf ;-)).

Es war eine energetisch-spirituelle Ausbildung bei Bahar Yilmaz und Jeffrey Kastenmueller zu Trance Healing/Higher Self Healing – und ein dortiges Zusammentreffen mit einer wunderbaren Frau, die sich vollkommen vegan ernährte.

Diese drei Tage in der Schweiz haben anscheinend so intensiv auf mein Energiesystem gewirkt, dass es mir danach noch leichter fiel die nächsten Schritte zu gehen, um noch mehr in meine Energie und Kraft zu kommen. Auch die wundervolle Frau, namens Cornelia, hat einiges in mir angestoßen und dafür bin ich ihr so unglaublich dankbar. Sie hat mich u. a. gelehrt, dass Essen nicht zwangsläufig müde macht und, dass ich meinen Körpersignalen (noch mehr) vertrauen kann.

Sie war auch diejenige, die mich auf die 4-modulige vegane Ernährungsberater-Ausbildung bei Dr. Rüdiger Dahlke aufmerksam machte. Das Buch hatte ich davor gelesen und seine Fähigkeit die Dinge so einfach und pragmatisch zu beschreiben, dass sie jeder versteht, war mir vorher schon sehr symphatisch. So meldete ich mich für die Ausbildung an.

Zurück zu den Milchprodukten: Quark und Jogurt ließ sich für mich gut ersetzen, aber für Käse hatte ich damals noch keine leckere Alternative gefunden. (Falls du wirklich leckeren veganen Käse selbst machen willst, schau mal hier: www.vegaggio.at). So ging das Experimentieren weiter. Entweder fand ich nach und nach Ersatz oder mein System verlangte gar nicht mehr danach. So auch beim Käse. Die Sucht nach dem Protein Casein war weg.

Schwierig wird es für mich in Hotels, die kein veganes Buffet haben, keine veganen Süßspeisen oder nicht einmal vegane Milch. So habe ich nach zwei Wochen lassez-faire Ernährung bemerkt, wie sehr mich Milchprodukte verschleimen und was es mit meiner Haut macht. Und nicht nur das. Ich hatte sogar emotional das Gefühl von diffuser Angst in mir und hatte keine Ahnung wo das plötzlich herkam. Denn alles war gleich, bis auf die Ernährung.

Nun aber endlich weiter mit der Sahne-Geschichte ;-)

Aber bitte mit Sahne!

Es war es soweit, ich war beim dritten Modul meiner Ernährungsberater-Ausbildung: Die vegane Kochpraxis im wunderschönen  TamanGa in der Südsteiermark. Was für ein Segen waren schon alleine die Essenszeiten für mich. Brunch um 11h. Dann, wenn ich wirklich Hunger hatte :-)

So kochten wir die ersten Tage auch viele Ersatzprodukte, die „Mischköstlern“ erst einmal vermissen könnten. Und ich merkte, dass ich das gar nicht mehr brauchte. Ich brauchte keinen Ersatz für irgendetwas, weil ich alles hatte. Und so viel mehr, als ich vor ein paar Jahren jemals gedacht hätte.

Du kommst aus der vermeintlichen Fülle und hast Angst vor dem eingebildeten Mangel, der gar nicht existiert. Gerade die Woche im TamanGa war für mich noch einmal so ein Aha-Effekt, was wir tagtäglich an Fülle dieses so reichhaltigen Erdangebots übersehen. Denn im Grunde kommen wir durch das „Übersehen“ in den Mangel. Weil wir gar nicht mehr richtig hinsehen. Und vielleicht aus Zeitmangel das schnell nehmen, was uns immer wieder direkt vor die Nase gehalten wird.

Zurück zur Sahne. Während der Kochwoche lernte ich eine außergewöhnliche Frau kennen, die ich für ihren Mut und ihre Offenheit bewundert habe, weil ich da wohl noch zu verklemmt bin. Ihr Name ist Tsvetana und ihre Spezialität sind vegane Süßspeisen. Ich erzählte ihr von meiner Suche nach einer ethisch-moralisch und gesundheitlich vertretbaren Sahne-Alternative. Sie kannte die Alternativen, die ich schon ausprobiert hatte und die auch unsere Ausbilderin der ersten Tage empfahl. Das eine schmeckt für mich wie aufgeschlagene Luft-Pappe und das andere hat mir zu viel Zucker. Kopfschmerzen vorprogrammiert.

Reichlich beschenkt durch die Woche, ging es gleich weiter zum Beratungstraining ins Allgäu. Und ich muss zugeben, dass ich die ersten Tage echt Mühe hatte, dort anzukommen. Am liebsten wäre ich im TamanGa geblieben. Aber irgendwann kam ich auch dort an.

So stand ich dann Mitte der Woche vor dem Nachtisch. Es gab veganen Kuchen und daneben Stand eine Schüssel mit Sahne. Normalerweise frage ich immer mein System was es braucht, bevor ich es esse. Auch bei Gelüsten nach alten Essgewohnheiten. Wo im ersten Augenblick noch der Impuls des „Haben-Wollens“ ist, verfliegt dieser meist bei näherem und intensiveren Hineinhorchen.

So stand ich dann vor dem Nachtisch, den ich beim Spazieren essen wollte und ich merkte inneren Widerstand bei der Sahne „Das darfst du nicht, das ist schlecht für dich“. Ich fragte mein Herz: Soll ich es nehmen? Es sagte ja. Also kam auf den Kuchen in meiner serviettenumhüllten Hand, noch Sahne oben edrauf.

Ja, es mag für dich verrückt klingen, aber mein Herz ist mittlerweile mit größter Kompass, mein weisester Ratgeber und die Instanz in mir, die das meiste Mitspracherecht bei Entscheidungen hat. Es führt und leitet mich jeden Tag – auch manchmal in schmerzvolle Erlebnisse hinein. Aber ich vertraue ihm trotzdem, weil ich weiß, dass es sich am Ende immer bewährt.

Genau in diesem Augenblick, als ich die Sahne nehme, spüre ich Rüdiger Dahlke neben mir. „Na prima. Das hast du ja wieder exzellent hinbekommen, Doris“ war mein erster Gedanke. Und so ging die Debatte in meinem Kopf los, während ich mit der Kuchensahne-Komposition das Hotel Richtung Feldweg verließ.

Es war wirklich erstaunlich was in meinem Kopf alles abging und den Prozess der Selbstvorwürfe, der Rechtfertigungen und der Trotzgedanken zu beobachten. Die Sahne-Therapie war im vollen Gange.

So lief ich da mit dem Nachtisch in der Hand weiter spazieren und suchte eine Sitzmöglichkeit. Vorher fragte ich meinen Darm, ob er die Sahne essen will. Plötzlich sagte er nein. Ich fragte mein Körpersystem warum es dann nach Sahne verlangt hat und es kamen Bilder von Nachmittagen bei meinen Uropa. Wo wir noch eine richtige Familie waren. Mit Kaffee, Kuchen und Sahne. Und es erinnerte mich an unsere Kuchenbäckerin Emmi, die mir zu meinem Geburtstag meine Lieblingskuchen zauberte. Plötzlich war da tiefe Traurigkeit in mir und mir wurde wieder einmal bewusst wie emotional aufgeladen „nur vermeintliches Essen“ ist …

Also setzte ich mich auf die nächste Bank und nahm einen Finger voll Sahne. Und dann passierte etwas Ungewöhnliches: Sie schmeckte nicht wie damals. Und der neue Finger voll Sahne machte es nicht besser. Beim dritten Versuch hatte ich einen Würgereiz. Auf meine geliebte Sahne?

Vielleicht war es auch mein schlechtes Gewissen. Was auch immer es war. Es kam eine neue Information in meinen Kopf: Sahne schmeckt nicht. Vielleicht hilft es mir beim nächsten Mal, mich genau an dieses Geschmacksempfinden zu erinnern.

Die Stunde der Wahrheit

Zurück im Seminarraum beschäftigte mich das Thema noch weiter und das Gesetz der Resonanz blieb ebenso beharrlich an meiner Seite. So begann Rüdiger den Nachmittag mit dem Thema Sahne und den krebserregenden Stoffen in Milchprodukten und die Wirkung des Hormons IGF1. Da musste ich jetzt wohl durch. Denn mir war vollkommen bewusst, was ich da tat, einschließlich des mit einhergehenden Tierleides und der unfassbaren Umweltbelastung.

Aber wer weiß, was diese Erfahrung mit meinem System gemacht hat. Hoffentlich einen weiteren Schritt in meinem Heilungspuzzle.

Zur Krönung des Ganzen spielte er noch den Song „Aber bitte mit Sahne“ von Udo Jürgens. Und irgendwas in mir musste dann schon fast wieder über seinen Humor schmunzeln.

Fazit

Vielleicht hast du während des Lesens gemerkt, dass Ernährung für mich nicht einfach nur Ernährung ist. Es ist für mich ein hochkomplexes Ding mit weitreichenden Folgen und vielerlei Aspekten: Gesundheitlich,  emotional, ethisch, moralisch und natürlich für die Umwelt, in der WIR Leben.

Alles was wir essen, hat für mich eine energetische und emotionale Ladung. Vor allem dann, wenn wir eigentlich wissen, dass es uns nicht gut tut, wir es aber trotzdem essen. Wer weiß, mit welchen Erinnerungen wir das Essen verbinden, die wir uns dadurch immer wieder unbewusst herholen. Siehe bei mir das Thema „Sahne“. Auch die energetische Ladung ist für mich nicht zu unterschätzen (s. Thema „Tierleid“). Man muss sich einfach im klaren sein, was man da alles mitisst und sich einverleibt.

Ernährung ist für mich auch nicht schwarz oder weiß. Hopp oder Top. Und trotzdem kann es für manche Menschen sehr wichtig sein, rigoroser zu sein, als ich es war. Vor allem, wenn schon Krankheiten da sind.

Mir ist während der veganen Kochpraxis und beim Beratungstraining wieder so sehr bewusst geworden, das (Zahlen-)Fakten mich nicht dazu bewogen haben mein Essverhalten zu ändern. Sondern die Aha-Effekte und die positiven Erfahrungen, die ich gemacht habe und immer noch mache. Ebenso mein steigendes Mitgefühl mit Tieren und immer stärker werdende Verbindung zu MutterErde. Die wir alle haben. Wir haben es nur vergessen.

Und natürlich die unglaubliche Weisheit unseres Körpers, der uns immer genau sagt, was er braucht und was nicht. Danke, best Buddy, dass du mich nie ganz aufgegeben hast <3

Ja, die Reise geht weiter. Es gibt noch viel mehr zu entdecken, zu erfahren und zu integrieren.

Und deshalb wünsche ich dir ganz viel Magie, Erkenntnisse und vor allem Spaß auf deiner (Ernährungs-)Entdeckungs-Reise!

Aloha, deine Doris

Und wenn ich dich auf deiner Reise begleiten darf, klick bitte hier und schau dir mein Angebot  zu ENERGY FOOD an.