Meine persönliche Kummer-Geschichte

Kennst du den Wunsch einfach nichts mehr fühlen zu wollen? In meiner Jugend hatte ich manchmal das Gefühl, dass ich den ganzen Schmerz des Universums in mir trage und jeder Herzschmerz hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Alle Gefühle in mir, waren mir einfach zuviel.

Schon als Kind habe ich oft Traurigkeit am Morgen verspürt. Ich wusste nicht woher sie kam, wie ich sie ausdrücken, geschweige denn regulieren konnte.

Emotionsausbrüche andere Menschen haben mir tierisch Angst gemacht. Und es war ein langer Prozess, mit all dem klar zu kommen – und auch zu lernen, dass ich nicht für die Gefühle anderer Menschen verantwortlich bin.

Als Jugendliche habe ich meine Gefühle in Gedichten und mit Tagebuchschreiben verarbeitet. Schreiben half mir immer, das, was in mir war, auszudrücken. Viele meiner Gedichte haben erst nach 25 Jahren wirklichen Sinn für mich ergeben. Hier ein Auszug für dich daraus:

 

Der Mensch nicht seiner selbst,

seine Meinung geführt durch anderer Leute Reden,

die es auch nicht besser wissen.

Der Mensch baut eine Mauer des Schweigens um sich,

um zu verstecken.

Er baut sie höher, weiter, stärker.

Kein anderer mag da hineinsehen.

Eine Mauer aus Stahl.

Undurchsichtig wie undurchdringlich.

Die Fassade der Selbstsicherheit und Unverletzbarkeit.

Keine Seele mag durchdringen.

Diese Täuschung.

Anderer Leute Vorstellungen und wünschen zu entsprechen.

 

Spannend ist, dass ich als Vorschulkind zeilenweise irgendwelche Phantasiegebilde auf Papier gekringelt hatte und diese voller Stolz meinen Mitmenschen präsentiert habe und sagte, dass ich schon schreiben kann. Ich wollte wohl immer Schreiben lernen …

Kurze Zwischenfrage: Gab es bei dir auch so eine Sehnsucht als Kind? Was war deine Passion als du klein warst? Vielleicht möchtest du das ein oder andere wieder tun und vielleicht hilft es dir, dass es dir wieder besser geht.

Ich dachte, dass man mit dem Älter werden irgendwie “abstumpft”. Zumindest habe ich das mit Leistungssport versucht – mich irgendwie abzuhärten. Das hat leider nur vorübergehend funktioniert. Das Gute daran war, dass ich unglaublich viel über mich selbst gelernt habe, vor allem, dass meine körperlichen Grenzen nach oben hin verschiebbar sind. Ich war besser in der Lage, mich körperlich zu quälen, als psychischen Schmerz auszuhalten. Und jeder Liebeskummer schien für mich unüberwindbar.

Nach der Trennung von meinem Mann hatte ich keine Ahnung, wie ich das jemals schaffen soll. Ich dachte, dieser brachiale Schmerz und diese Schwere werden niemals vorbei gehen. Das Schlimmste war für mich war, dass ich nichts gegen dieses Gefühl tun konnte, das mich jede Minute begleitete. Diese tiefe Traurigkeit, die mich nicht hat schlafen und essen lassen. Die mich jeden Tag hat weinen lassen, egal wo und vor wem. Ich konnte es überhaupt nicht mehr kontrollieren. Dazu kam noch die Selbstverurteilung, weil ich den Stein ins Rollen brachte an diesem einem besagten Abend im Februar 2016, als ich einfach aus dem Herzen heraus sprach …

Ich kann mich noch gut an eine Therapiestunde mit meinem Coach und Ausbilder Peter Breidenbach erinnern, als ich während der Trennungszeit wieder einmal gefühlt total am Ende war: Er meinte, dass es vielleicht ein halbes Jahr dauert, bis ich die Trennung überwunden habe. Ich war völlig entsetzt und sagte, dass ich das nicht schaffe. Er hatte sofort erkannt, dass mein Kopf diese Zeitdauer gerade nicht verkraftet und korrigierte: “Vielleicht ist es auch schon Morgen besser oder nächste Woche.” Letztendlich hat es dann doch fast ein halbes Jahr gedauert, bis ich wieder richtig froh sein konnte. Dabei half mir wiederum ein sehr weiser Spruch einer meiner besten Freundinnen Katja: “Lebe einfach von Tag zu Tag. Wenn du einen Tag geschafft hast, dann schau einfach was der nächste bringt.” Und genauso habe ich dann gemacht. Danke, liebe Katja!

Ich war oft mit der ganzen Gefühlslawine überfordert, obwohl ich als Mental Coach so viele Tools kannte. Nur bei einem selbst ist es dann doch nicht immer so einfach und ich habe gelernt, Hilfe von außen anzunehmen und vor allem dem Leben zu vertrauen. Trotz des ganzen Kummers, spürte ich tief in mir drinnen dieses Gefühl, dass irgendwann für mich alles wieder gut ist. Ich hatte keinen Plan, wie das Ganze ausgeht und es war für mich unglaublich schwierig die Kontrolle loszulassen, vor allem die Kontrolle über meinen Mann. Zu akzeptieren, dass jeder nun seinen Weg geht und, ob sich unsere Wege wieder kreuzen werden, völlig ungewiss war. Das war auf der einen Seite eine ganz schöne Psycho-Nummer. Im Nachhinein hat es mich unglaubliches Vertrauen in das Leben gelehrt.

Ich werde auch nie diesen Abschnitt in Veit Lindaus Buch “Werde verrückt” vergessen, dass es einfach keine Wunderpille gibt: “Dir bleibt nur, dich dem Schmerz hinzugeben und in ihn hinein zu atmen.” Am liebsten hätte ich ihn gepackt und geschüttelt. Ich konnte mich zu Tode atmen, es hat überhaupt nichts geholfen. Erst viel später habe ich erfahren, was er meinte. Ich fühlte mich stark genug das Gefühl auszuhalten und einfach da sein zu lassen. Und auf einmal ist der Schmerz weniger geworden.

Was habe ich alles ausprobiert und wieder verworfen. Und weil ich fest daran glaube, dass alles im Leben einen Sinn hat, habe ich begonnen, aufzuschreiben, was half, mich selbst immer wieder ein Stück aus dem Drama in meinem Kopf wieder rauszuziehen. So sind viele Übungen für Steffie und mein Kummerbuch entstanden, dass wahrscheinlich nächstes Jahr eine neue Form annehmen wird.

Ich bin so unglaublich dankbar für all die Menschen, die mich jeden Tag im Wechsel unterstützt haben. Die immer genau zum richtigen Zeitpunkt für mich da waren, einfach so. Und immer genau die richtigen Worte parat hatten. Aufmunternd, mitfühlend, geduldig oder auch fordernd. Als wüssten sie genau, wann ich etwas brauche, z.B. welches Motivationsbild mir heute hilft. Besonders magisch war das Bild von Georg, darauf war ein kleines Mädchen mit einem Golden Retriever …

Kleine Bitte: Hol dir bitte Unterstützung wo es nur geht! Du bist nicht alleine!

Niemals werde ich den Tag vergessen, an dem ich nicht wusste, wie ich ihn überstehen soll. Ich kam nicht einmal aus dem Bett und hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr richtig atmen kann. Meine liebe Christine setzte alle Hebel in Bewegung, als ich sie anrief, um mich an diesem Tag, in ihrem vollen Terminkalender für eine Shiatsu-Therapie zu quetschen. Sie hat ein unglaublich Gespür für Menschen. Und an dem Tag wusste sie genau, dass ich wirklich Hilfe brauchte.

Als ich dann bei ihr war, habe ich mit jeder Berührung gemerkt, wie ich wieder atmen konnte und wie es mir ein wenig leichter ums Herz wurde. Ich war in der Lage wieder klar zu denken und hatte Energie an dem späten Nachmittag meine Gedanken, durch Aufschreiben, in geordnete Bahnen zu lenken. Das gab mir das Gefühl von Selbstbestimmtheit und Mut und Vertrauen, dass ich das schaffe.

Wie oft habe ich gedacht und gesagt: “Ich kann nicht mehr …”. Es hat sich in dem Moment einfach so angefühlt. Ich dachte, ich halte das einfach nicht mehr aus. Mir wäre es tausendmal lieber gewesen, ich hätte irgendeinen physischen Schmerz oder hätte weniger “Luxus” in meinem Leben. Natürlich ist es in dem Moment ein Jammern auf hohem Niveau, wenn man ein Dach über dem Kopf und genug zu Essen hat. Es ist von außen betrachtet auch viel schlimmer, wenn ein geliebter Mensch stirbt oder man einen schlimmen, lebensverändernden Unfall hat. Ich sage bewusst “von außen betrachtet”. Denn: Wie es in einem aussieht, weiß keiner. Und ich würde mir nicht mehr anmaßen, zu beurteilen, was mehr weh tut. Die einen verkraften vielleicht das eine besser und die anderen das andere.

Bei mir war es glaube ich das Schwerste, was ich je in meinem Leben gemacht habe. Weißt du, ich habe acht Ironmandistanz-Triathlons hinter mir und war nicht im Stande, mich zu irgendwas zu motivieren. Anscheinend wollte mein System meine mentale Stärke weiter ausbauen, denn körperlich konnte ich mich zu gar nichts aufraffen. Ich war an manchen Tagen nicht in der Lage aufzustehen und mich zu bewegen. Obwohl ich fast 20 Jahre lang Leistungssport gemacht hatte.

Am Schlimmsten war das Aufwachen am Morgen. Nach einigen Monaten hatte ich das Gefühl, dass ich fast schon eine kleine Morgendepression hatte. Meine Freundin Kathrin, die sich mit solchen Themen auskennt, riet mir, mir Antidepressiva verschreiben zu lassen. Aber das wollte ich nicht. Ich wollte es ohne Medikamente schaffen.

Sie riet mir neben meinem Bett “Notfalltropfen” von Bachblüten zu stellen und diese sofort nach dem Aufwachen zu nehmen. Das hat ein wenig geholfen. Zusätzlich hatte ich mir ein naturidentisches, ätherisches Zitronenöl zur Stimmungsaufheiterung gestellt.

Zur Aufmunterung hingen überall in meiner möblierten 1-Zimmer-Wohnung Postkarten mit schönen Sprüchen und eine Dankbarkeitskarte am Kühlschrank, mit den Namen all meiner wundervollen Freunde, die mir Energie gaben.

Irgendwann fing ich an, mich wieder eingehender mit Ernährung zu beschäftigen, vor allem, welche Nahrung gleich am Morgen richtig Kraft, Energie und gute Laune macht. Der Spruch “Sauer macht Lustig” hat schon seine Relevanz. Vielleicht macht es nicht gleich überdimensional lustig, aber zumindest kann es ein wenig “aufpebbeln”. So trank ich zum Frühstück warmen Zitronensaft. Falls du das auch ausprobieren möchtest, dann lass bitte das abgekochte Wasser ein wenig abkühlen, da das enthaltene Vitamin C in der Zitrone sehr hitzeempfindlich ist.
Nachdem ich das Buch “Mind over Medicine” gelesen hatte und die Autorin als Ernährungs-Tipp “Grüne Smoothies” hervorhob, musste ich das ebenfalls testen. Und tatsächlich war es wieder ein kleiner Schritt für mehr Frohsinn und weniger Traurigkeit.

Meine Freundin Kathrin hatte mir noch basische “Take Me – Glücksnahrung” empfohlen. Jeder Stress im System macht etwas mit deinem Säure-Basen-Haushalt. Emotionaler Stress zählt da genauso dazu. Da mir alles Recht war, was helfen konnte, habe ich mir davon zwei Geschmacksrichtungen bestellt und brav getrunken. Naja, lecker ist was anderes, aber ich hatte nach ein paar Tagen auch das Gefühl, dass es wieder ein kleines Puzzlestück ist, um wieder ein bisschen mehr ganz zu werden. Und das spannende war: Nach ein paar Wochen hatte ich das Gefühl, dass ich es nicht mehr brauche, weil es mir einfach besser ging.

Mir wurde wieder einmal bewusst, wie wichtig Ernährung war und wie sensibel ich mittlerweile darauf reagiere.

So sehr ich mich um meinen Körper bemühte, um so schlechter behandelte ich meine Psyche mit meinen destruktiven Gedanken. Jede negative Emotion die hochkam musste ich anscheinend bis ins Letzte auskosten. Meine Freundin Jacky sagte einmal: “Anscheinend willst du noch eine zeitlang leiden”. Und sie hatte Recht. Ich hatte die Wahl, was ich denken wollte. Und an dem Punkt wirst du vielleicht mit dem Lesen gleich aufhören. Denn diese Überzeugung ist fest in mir verankert: Du hast jede Sekunde deines Lebens die Wahl: Was du denkst, wie du mit dir umgehst und wie du handelst. Jeder trägt für sein Leben die eigene Verantwortung. Meine Vorbilder sind die Menschen, die es geschafft haben, sich aus den miesesten Verhältnissen etwas aufzubauen. Wie zum Beispiel Ali Mahlodji, der als ehemaliger Flüchtling und Schulabbrecher unglaubliches geschafft hat. Hier erfährst du mehr über ihn: www.ali.do

Ich danke Jacky sehr für Ihre Weisheit in ihren jungen Jahren, denn ihr Satz ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Wollte ich wirklich noch leiden? Wie lange wollte ich das noch? Mir war klar, dass ich das Ruder in der Hand hatte und dafür war ich jederzeit dankbar. Auch, dass ich daran glaube, dass es mehr gibt, als dieses eine Leben. Somit musste ich da irgendwie durch. Und ich sage gerade bewusst “musste”.

Zwar ist dieses Wort im Yoga nicht sehr beliebt und wird oft gerne ersetzt durch “darf”. Auch diese Regel habe ich über Bord geworfen, denn in dieser Zeit gab mir ein “darf” keine Energie. Ich brauchte ein “muss”, damit ich meinen Trübsalarsch wieder hochbekomme. Meine Haarfarbe begann langsam sich ins gräuliche zu verfärben und mein Körper wurde immer dünner. Ja, ich wollte immer dünn sein. Jetzt war ich es. Und es gefiel mir nicht. Da war überhaupt keine Muskelmasse und keine Substanz mehr. Ich fühlte mich total leer und kraftlos.

An einem dieser schrecklichen Morgende konnte ich richtig den Prozess in mir spüren: Negativer, destruktiver Gedanke. Schmerzen in der Brust. Noch schwerere Atmung. Das machte mich wütend. So wütend, dass ich einfach nicht mehr Denken wollte. Ich wusste selbst, dass ich damit aufhören musste. Ich musste zu anderen Mitteln greifen, als meine Gedanken nur zu beobachten, wie die Meditation das lehrt. Ich brauchte erst einmal Abstand von dem ganzen Drama im Hier und Jetzt. Ich wollte meine mentale Stärke zurück.

Also bin ich in meiner Vorstellung ganz weit nach oben ins Universum gereist. Unendlich weit weg. Und habe mich in einen Stern verkrochen. Ich habe mir vorgestellt, dass in dem Stern ein Bett steht und dass mich dieser Stern vor all dem Schmerz beschützt. Jeden Gedanken, der hochkam, habe ich lichtvoll explodieren lassen. Einen nach dem anderen. Es kostete mich natürlich Kraft, aber es gab mir meine Kontrolle über meinen Verstand zurück. Und so war ich ganze zwei Stunden abgelenkt.

Eingangs hatte ich schon erzählt, wie sehr mir Shiatsu half und der anschließende Nachmittag, an dem ich alle meine Gedanken aufschrieb. Auch das gab mir ein gutes Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Sehr half mir auch die Sonne. Ich hatte mit der Jahreszeit großes Glück, es war Sommer. Im Winter wäre ich als Sonnenkind wohl “drauf gegangen”. Ich tankte an Vitamin D was ging und versuchte, so oft es ging, draußen zu sein. Irgendwann kam auch wieder die Zeit, wo ich mich für ein bisschen Training aufraffen konnte. Richtig gut tat mir Schwimmen. Vielleicht lag es an der heilenden Wirkung von Wasser. Komisch war, dass mir meine frühere Lieblingsdisziplin, das Laufen, überhaupt nicht half. Zu dieser Zeit verschlimmerte es das Gedankenkarussell. Radfahren war ebenfalls ok. Aber Schwimmen war wirklich toll. Ich konnte in die Unterwasserwelt abtauchen, mich voll und ganz auf das Wassergefühl und die Atmung konzentrieren. Danke an dieser Stelle an Mirjam, die mich fast prügeln musste, dass ich mit zum Schwimmen an den Rothsee komme. Danke!

Ein weiterer Meilenstein war eine Supervision bei meiner lieben Beate Feiland, die auch Coach ist. Ich hatte sie ein paar Wochen vorher bei der New Spirit Yoga-Ausbildung bei Bahar Yilmaz kennengelernt. Was für ein Segen, dass ich genau zu diesem Zeitpunkt die Ausbildung gebucht hatte.

Nachdem ich mit meinen Klientinnen und Klienten sehr gerne systemisch arbeite, wollte ich in dieser Session lernen, wie ich körperliche Symptome oder ganze Familiensysteme aufstelle. Ich hatte gerade genug Themen zum Bearbeiten.

Ich werde nie diese leichte Gefühl vergessen, das ich hatte, als ich ihre Praxis verließ. Wir hatten stundenlang gearbeitet und ich war absolut aufgetankt. Da war keine Müdigkeit, keine Traurigkeit, keine Schwere. Hach, was war das für ein tolles Gefühl! Mir wurde noch einmal mehr bewusst, dass es um mich geht, nicht um meinen Mann und die neue Frau an seiner Seite. Es ging einzig und allein um mich.

Nachdem mir Beate danach noch eine Affirmation schickte, in der es um meine Wertschätzung ging, kam ein weiteres “Heilungspuzzlestück” dazu. Beate hatte mir geraten mit dem Satz Wasser zu energetisieren. Verrückt? Ja. Aber ich steh auf verrückt! Und wollte es ausprobieren, auch wenn ich nicht mehr so viel von Affirmationen halte, da sie noch mehr Blockaden auslösen können, wenn sie nicht passend sind. Aber diese passte. Und so folgte ich ihrem Tipp. Nach wenigen Tagen fühlte mich wieder ein Stück besser.

Die Erkenntnis, dass es nur um mich ging klopfte schon eine Woche vorher sanft an meine Gehirnwindungen, als ich bei meiner Freundin Kerstin im Schwarzwald war. Das war auch so ein nachhaltiges Wochenende für das ich so unglaublich dankbar bin. Kerstin hat mich mit ihrer wunderbaren Familie “aufgepebbelt” und ermutigt, dass mein Mann und ich uns Treffen sollten. Das war schon alles sehr skurril. Jedenfalls lag ich bei Kerstin in ihrem Behandlungszimmer auf der Schlafmatratze, schlug die Augen auf und wusste: “Es geht nur um mich. Einzig und alleine um mich!”

Zwei Wochen später war ich auf der Heartwalls-Fortbildung von Jeffrey Kastenmüller. Bahar hatte bei der New Spirit Yoga Ausbildung davon erzählt und irgendwas in mir wollte, dass ich dahin gehe.

Es ging u.a. darum Herzenswände zu entfernen, die einen in seinem Leben blockieren. Ich glaube, ich habe die zwei Tage nur durchgeheult.

Jeffrey erklärte drei Arten von Menschen auf dem Herzensweg. Die einen, die mitgehen, die anderen, die weggehen – und die, die erstmal gehen, weil sie deinen neuen Weg verarbeiten müssen und dann wieder kommen, wenn sie soweit sind. In dem Moment nickte Beate mir zu, die auch dabei war, und ich wusste, wen sie meinte. Ja, ich habe in den letzten beiden Jahren einen anderen Weg eingeschlagen und ein paar Menschen sind damit nicht klar gekommen, u.a. mein Mann.

Jede Übung ging bei mir sehr tief. Ich werde nie vergessen, als wir mental unserem Schatten begegneten. Ich bin noch nie so sehr vor mir selbst erschrocken, als da dieses hässliche Monster vor mir stand, das mir wuterfüllt ins Gesicht sagte: “Ich hasse dich”. Wow. Ok, mir war klar, dass ich gerade nicht sehr gut mit mir umging, aber, dass ich mich unterbewusst so sehr hasste, das hat mich total getroffen. Und plötzlich, als mir das bewusst wurde, verwandelte sich das Monster in einen leuchtenden, wunderschönen Engel. Mir kommen heute, eineinhalb Jahr später, noch die Tränen, wenn ich darüber schreibe.

Am Abend war ich mit Heidi und ihrer Freundin Silke, die auch die Fortbildung machten, am Rothsee. Ich hatte so große Lust alleine durch den See zu schwimmen und habe es einfach gemacht. Es hat sich so gut angefühlt. Wo ich ein paar Wochen vorher noch Angst hatte, dass ich das nicht schaffe, weil ich überhaupt nicht mehr trainiert war, fühlte ich einfach nur pures Vertrauen in mich selbst und in meine Kraft.

Als ich am See entlang lief war plötzlich so ein Gefühl von “es ist mir alles egal, es ist alles gut – egal was ist, egal was kommt”. Ich fühlte mich leicht und frei. Danke Jeffrey und Bahar!

Silke erzählt heute noch von dem Golden Retriever, den ich an dem Abend sah und sagte, dass ich irgendwann auch so einen Hund haben werde. Wenn ich da schon geahnt hätte, dass es schneller geht, als ich dachte …

Am zweiten Tag des Seminars ging eine Session um Vergebung. Wir sollten uns eine Person überlegen, der wir vergeben wollen, um letztendlich uns selbst zu vergeben. Denn seit Monaten schlug ich mir ständig selbst in die Fresse.

Ich hatte mir meinen Mann für diese Session ausgesucht. Und irgendwann stand er dann in meinem geistigen Auge vor mir. Plötzlich war da keine Enttäuschung mehr. Da war nur noch Liebe und ich sagte in Gedanken zu ihm: “Ich liebe dich.” Diese Liebe war einfach so da. So als würde sie über dem Schmerz stehen. Dieses Gefühl hatte ich schon vor einem guten Monat, als ich erfahren hatte, dass da nun eine andere Frau an seiner Seite war und alle meine Ängste wahr wurden. Trotz des Schmerzes war da für einen Moment diese Liebe, die einfach da war. Der es egal war, was war. Die mir half, ihm zu wünschen, dass er glücklich ist, egal mit wem. Und diese Liebe hatte vom Gefühl her überhaupt nichts mit dem “rosaroten-Verliebtheits-Hormon-Cocktail” gemeinsam, wo man regelrecht abhängig von dem anderen ist. Worüber Hollywoodfilme handeln und Songs erzählen. Nein, so war das nicht. Da war überhaupt keine Abhängigkeit mehr. Von nichts und niemanden. Eher das Gegenteil. Als könnte jeder mit jedem zusammen sein und es wäre völlig ok.

Ja, das war ziemlich verrückt. Genauso verrückt wie der Morgen, nach unserem Gespräch im Februar, das zur Trennung führte. Ich war alleine in der Wohnung. Mein Herz fühlte sich ganz warm und weit zu allen Seiten an, auch zwischen meinen Schulterblättern. Es war, als würde es Danke sagen. Weil ich ausgesprochen hatte, was aus mir raus wollte. Weil ich sagte, dass ich das so nicht mehr will, weil es uns nicht glücklich machte und wir uns nur noch gegenseitig verletzt hatten. Ich kann mich noch sehr gut an diesen einen Morgen erinnern. Ich fühlte mich wie im Film. Alles lief einfach nur ab. Als müsste ich nichts tun. Mich nur zurücklehnen und zuschauen. Als würde mich etwas viel Größeres führen. So wie ein paar Monate vorher, als ich alleine und schluchzend auf unserem Sofa saß, weil ich wusste, dass wir etwas ändern müssen. Etwas in mir sagte damals, dass ich mir eine Whats-App schreiben soll. Also tippte ich: “Du bist behütet und beschützt. Du wirst geliebt. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie sehr.” Nein, ich konnte mir das zu diesem Zeitpunkt in der Tat nicht vorstellen.

Leider hielt dieser “Führungsfilm” am Morgen im Februar nicht lange an. Mein Verstand schaltete sich ein und das Drama in meinem Kopf nahm seinen Lauf.

Nach dem Herzenswände-Seminar wollte ich mich noch wertvoller behandeln und mir etwas Gutes tun: Ich wollte am Wochenende des Challenge Roth zum Wandern wegfahren und auf keinen Fall im Landkreis sein, denn das wäre viel zu schmerzhaft für mich gewesen. Ich hatte vor genau drei Jahren an der Veranstaltung meinem Mann den Heiratsantrag beim Feuerwerk gemacht. Diese Veranstaltung verband uns somit sehr. Und die Tatsache, dass ich der Meinung war, dass er zu dem Zeitpunkt noch eine andere hatte und die Wahrscheinlichkeit bestand, beide dort anzutreffen … nein, dass wollte ich mir nicht antun.

Deshalb buchte ich mit meiner Freundin Sabine ein Wellness-Wochenende in Österreich. Sabine war meine neue Nachbarin, des möblierten 1-Zimmer-Appartments in dem ich vorübergehend wohnte.
Bevor ich in die Wohnung zog hatte ich alle meine Möbel verschenkt, meinen Kleiderschrank um die Hälfte reduziert und ziemlich “Tabularasa” gemacht. Ich wusste bis vor ein paar Wochen vor dem Auszug aus unserer gemeinsamen Wohnung nicht mal wo ich wohnen werde. Aber das Schicksal meinte es in jeder Hinsicht wirklich gut mit mir und schickte mir eine schicke neue Bleibe mit allen, was das Herz begehrt und so viele Engel in mein Leben. Sabine war einer davon.
Genau an diesem Wochenende des Challenge Roth wollte sie einen Kurztrip machen. Danke, Universum! Und plötzlich war es so einfach: Sabine hatte genau am gleichen Tag, als ich sie fragte, ob sie mitkäme, ein Angebot für ein super Ayurveda-Hotel bekommen Auf unsere Anfrage hin bekamen wir sogar noch eine Suite mit allem drum und dran für einen Hammerpreis. Es sollte so sein.

Es war die beste Entscheidung an diesem Wochenende im Ausland zu sein. Und dort Bergzuwandern. Ganz alleine. Das war rückblickend der entscheidende Wendepunkt. Meine Kraft und Energie kamen vollkommen zurück. Vielleicht war es die Bergluft oder die Tatsache, dass ich durch das “Aufsteigen” selbst “Aufstieg” und es mit mir tatsächlich “bergauf” ging. Ich weiß noch sehr genau, als plötzlich meine Kreativität wieder da war und ich wilde Pläne mit neuen Healing-Workshops schmiedete, die ich dann drei Monate später tatsächlich hielt. Genau in diesem Moment ist auch die Idee zu diesem Buch entstanden.

So ging ich Schritt für Schritt höher und höher. Es war ein wunderbares Gefühl. Meter um Meter kam die Kraft in meinem Körper zurück. Am allerschönsten war dieses Gefühl von Selbstbewusstsein, dass ich alleine alles schaffen konnte, was ich wollte. Es gab mir ein unglaubliches Gefühl von Freiheit. Der wundervolle Ausblick über die Berge und ins Tal, untermalte das Ganze fast wie im Film.

War ich vor ein paar Monaten noch auf meiner Lieblingsinsel Lanzarote am Boden zerstört und konnte die Palmen, die Sonne und das Meer nur sehr wenig genießen, genoss ich die Landschaft in diesem Moment umso mehr.

Genau am gleichen Abend meiner Bergwanderung sagte meine innere Stimme, als wir wieder im Hotel waren, ich solle den Whats-App-Status meines Mannes ansehen, also habe ich das gemacht. Mir ist fast der Kinnladen herunter gefallen bei dem, was ich da las:

“Über alles ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit”

Das war unser Trauspruch! Und nach dem Satz war ein Symbol für Gebetshände, wie beim Yoga. Yoga war gar nicht sein Ding. Deshalb wusste ich, dass sein Status mir galt.

Ja, die Geschichte nahm ab dem Zeitpunkt eine unglaubliche Wendung.

Als ich am Morgen im Hotelzimmer aufwachte hatte ich das Gefühl, dass ich von lauter drängelnden Menschen umgeben war. Ich schaute auf die Uhr. Es war 7 Uhr. Es war Schwimmstart am Challenge und mein Mann mittendrin. Mir kam es vor, als hätte er mich in Gedanken mitgenommen. Plötzlich war wieder die volle Verbindung zwischen uns. So wie damals, als wir uns kennenlernten und wir zur gleichen Zeit die gleichen Dinge sagten. Nur irgendwann hatte das aufgehört.

Am Abend waren wir wieder zu Hause und ich zeigte Sabine im Garten am Laptop unseren Hochzeitsfilm. Irgendwann sagte Sabine “Du hustest gar nicht mehr, wenn du über ihn sprichst.” Seit Monaten habe ich gehustet, wenn ich über ihn sprach. Nun war es weg. Ich konnte frei über ihn sprechen. Krass.

Als ich kurz in die Wohnung ging und auf mein Handy blickte, staunte ich nicht schlecht. Fünf Nachrichten von meinem Mann mit Bildern.

Er war im Ziel und hatte die ganze Zeit während des Challenge unseren Ehering getragen und schrieb, dass er es ohne diesen Ring nicht geschafft hätte. Er schickte auch ein Hundebild – von einem Golden Retriever, den er vor zwei Wochen in Ingolstadt geholt hatte. Das Herzenswände-Seminar war auch dort. Er schrieb: “Das ist Emma und sie würde dich gerne kennenlernen.” Und er fragte, ob sie mich in zwei Wochen zur meiner Triathlon-Sprintdistanz in Regensburg begleiten dürfen, zu der ich mich kurzfristig angemeldet hatte. Ich war total überfordert und konnte erst am nächsten Tag antworte und ein Treffen vereinbaren.

Wir wollten immer einen Hund haben. Jetzt war sie da: Emma. Abgefahren. Und nach anfänglicher (Schutz-)Distanz meinerseits, hat sie ziemlich schnell mein Herz erobert. Auch mein Mann. Nach kurzer Zeit waren wir wieder zusammen.

Warum konnte das Ganze eine so überraschende Wendung nehmen? Ich glaube, weil ich wieder angefangen hatte, mich völlig um mich und meine Herzenswünsche zu kümmern. Weil ich meine Gedanken auf mein Leben, meine Träume und Visionen gerichtet hatte. Ich hatte wieder den Weg zu mir gefunden. Unabhängig von dem, was andere sagen oder tun. Weil mir klar wurde, dass in einer Ehe oder Partnerschaft jeder seine Spielwiese hat und es an uns ist, den anderen so sein zu lassen, wie er ist, so lange der andere Freude daran hat.

Behalte bitte immer im Herzen, dass es dein Leben ist. Dass es ausschließlich und nur um dich geht. Um deine Entwicklung, um deinen Wachstum, um dein volles Sein auch wirklich zu leben! Mit all der Freude und dem Genuss. Ohne Strenge. Ohne Verurteilung. Ohne Zwang. Und das sagt dir die Meisterin des “mit-sich-streng-seins” ;-)

Zwei Jahre später …

Heute bin ich sehr dankbar, dass wir es bis hierhin geschafft haben, auch wenn die ersten Monate ein ganz schönes Auf und Ab waren und wir erst einmal wieder Vertrauen aufbauen mussten. Emma hat uns dabei sehr geholfen. Sie bringt uns so viel zum Lachen und ich kann soviel von ihr lernen. Jeden Morgen danke ich ihr, dass sie da ist.

Mit der Zeit habe ich bemerkt, wie ich meinen Brustkorb mehr und mehr aufrichten konnte. Ich hatte plötzlich wieder Lust, bunte Sachen anzuziehen und mir etwas Gutes zu tun. Vorher musste ich mich fast dazu zwingen, regelmäßig zu essen und mich zu pflegen.

Richtig spannend wurde es, als ich das Gefühl hatte, ich müsse meine Haare abschneiden. Ich hatte immer sehr lange Haare. Ein Teil in mir wollte diese alten abgestorbenen Zellen loshaben. Das Gefühl nach dem Friseur war so etwas von großartig, als wäre ich um ein paar Kilo leichter. Mein ganzer Körper hat sich fluffiger angefühlt, so als könnte ich fliegen.

Und gleichzeitig habe ich meine Erdung wieder gefunden. Ich hatte irgendwie den Kontakt zur Erdenergie und Muttererde verloren. Plötzlich konnte ich den Boden wieder mehr und mehr spüren, den Abdruck beim Laufen und die Kraft in meinen Beinen. Die Lust nach Sport und Bewegung kam auch wieder.

Unser Hund ist sowas von energiegeladen und sie erinnert mich daran, dass ich das auch bin. Ich habe es nur immer wieder übertrieben und meine Energie in Dinge gesteckt, die mich langfristig nicht erfüllt haben.

Besonders schön ist diese starke Verbundenheit zur Natur und dieses Glücksgefühl, das oft einfach so da ist. Ohne einen bestimmten Grund. Wo ich das Gefühl habe, dass ich die ganze Welt umarmen könnte.

Genau, das wünsche ich dir auch. Ich wünsche dir das Gefühl von Leichtigkeit und sicherer Verwurzelung zugleich. Von Freude, die aus dir heraus entsteht. Wenn es dir gerade schlecht geht, wirst du dir vielleicht denken: Hä? Was? Weißt du wie ich mich gerade fühle?

Ja, ich kenne den Schmerz und die tiefen Abgründe. Aber ich kenne auch das Gegenteil. Wir leben in einer Polarität – und nach jeder Talfahrt muss wieder ein Berganstieg kommen. Lass dir Zeit. Geh den Anstieg in deiner Geschwindigkeit, in deinem Rhythmus, ggf. mit einem Coach. Mit allem, was zu dir passt. Damit du die alten Schichten ablösen kannst. Stück für Stück. Damit deine Wunden heilen können. Damit du wieder frei durchatmen und unbeschwert sein kannst.

Ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass es das Ziel des Lebens ist, permanent überglücklich zu sein. Außerdem glaube ich, dass Kummer, so schmerzhaft er ist, im Nachhinein ebenso Geschenke bereit hält, auch wenn wir sie erst nicht sehen können. Ich habe zu meinen Lerngeschenken auch einen Blogartikel auf meiner Website geschrieben. Wenn du ihn lesen magst, findest du ihn hier: http://coaching-mit-phantasie.de/2016/12/23/ich-2016-gelernt-habe/

Kennst du den Film „Klick“ mit Adam Sandler? Er hat eine magische Fernbedienung. Mit dieser kann er unangenehme Episoden in seinem Leben einfach überspringen. Irgendwann wird er zum Dauerklicker und schwupp ist er alt und grau und kurz vor dem Sterben. Erst zu diesem Zeitpunkt realisiert er, dass er nicht wirklich gelebt hat.

Trotz des ganzen Kummers, würde ich nie wollen, dass ich diese Lebensphase einfach übersprungen hätte. Nein. Und weißt du warum? Weil es eine der intensivsten Zeiten für mich war. Ich habe in dieser Phase so viel Magisches erlebt und war mir so nah wie nie zuvor. Vor allem habe ich gelernt, dass ich meinem Herzen blind vertrauen kann. Dass Fühlen und Spüren zu mir gehört und mir diese Fähigkeit bei der Arbeit mit Menschen sehr hilft. So lange ich mich nicht darin verliere. Ich sage nicht, dass es immer einfach ist, aber es hat mir so einen Schub gegeben, meinen Weg zu gehen. Danke, lieber Kummer, dass du mich hast wachsen lassen. Danke.

Ja, alles hat seinen Grund. Du kennst ihn nur noch nicht. Oder vielleicht doch …

Ich drück dich ganz fest und schicke dir ganz viel Kraft und Energie!

Alles Liebe,

deine Doris