Der Tag der OP (Herbst 2018)

Weißt du, ich wollte nie nie nie an mir herumschnibbeln lassen. NIE. Mir war klar, dass es Auswirkungen auf mein ganzes System hatte, nicht nur physisch, sondern auch energetisch. Direkt über die Kniescheibe verläuft senkrecht der Magenmeridian, eine der vielen Energieleitbahnen, die sich durch unseren ganzen Körper ziehen.  Auch die frontale Faszienleitbahn zieht übers Knie. Man kommt gar nicht drum herum, dass davon etwas nicht in Mitleidenschaft gezogen wird und davor hatte ich natürlich großen Respekt. Mein Oberschenkelmuskel war bereits ausgeknockt, ich konnte ihn überhaupt nicht mehr ansteuern.

Aber ein Teil in mir wusste, dass es jetzt sein musste und ich vertraute dem Operateur vollkommen, dass er einen guten Job machen würde. Irgendwie war ich auch gar nicht so sehr aufgeregt. Gleich nach dem Unfall hatte ich damit begonnen, mir bestimmte Musik für Gehirnfrequenzen zur Entspannung und Heilung anzuhören und war einigermaßen entspannt. Noch entspannter wurde ich, als mir die Schwester bei der OP-Vorbereitung sagte, dass ich heute nicht nur den besten Arzt, sondern auch die beste Anästhesistin hätte. Und sie würde ihre ganze Familie bei ihm „unter’s Messer“ legen. Na, dann, auf zum fröhlichen Aufschneiden.

Und wenn die Anästhesistin noch so wunderschön wie Charlize Theron aussieht, kann doch fast nichts mehr schief gehen. Fast.

Vorsorglich hatte ich für die nächsten Tage gepackt, denn sie würden mich mit Sicherheit zur Kontrolle dabehalten. Dachte ich zumindest. Und es wäre perfekt gewesen, da mein Mann zwei Tage später angeflogen kam und er sich dann um mich kümmern konnte.

Ja, er kam tatsächlich. Nach langem hin und her hatte es wirklich geklappt, mit Urlaub, Visum, unseren Hund unterbringen und einen geeigneten Flug finden, auch wenn wir das Rückreisedatum nur vage vermuten konnte, hatte er vorsorglich ein Flexi-Ticket gebucht. Ich blöderweise nicht.

Er kam tatsächlich zu mir, auf meine geliebte Seelenheimatsinsel. Was schon ziemlich krass war, denn er wollte nie nach Hawaii. Der Flug war ihm viel zu lange und das Klima ist auch nicht sein Ding. Und plötzlich war alles anders. Hatte meine Seele sich das so sehr gewünscht und mir deshalb diesen Unfall beschert? Alter, das alles hätte es wirklich nicht gebraucht, dass du dir so einen Scheiß dafür einfallen lässt!

Während ich mich fragte, wie eine Frau, wie diese Anästhesistin, nur so schön sein kann, war ich auch schon weg und lag gefühlt eine Sekunde später wieder im Aufwachraum. Krass. Ich hatte wirklich gar nichts mitbekommen. Nada. Niente. Nichts. Mein rechts Bein war auch schön taub von der Spritze, wie vorher angekündigt, somit hatte ich keinerlei Schmerzen.

Und die Schwester war auch schon zu Stelle und sagte: „You can go, your friend is here.“ 

WHAT? Ich dachte, sie würde mich veräppeln, aber Denise stand tatsächlich im Gang, um mich wieder mitzunehmen. Okay, das brachte mich doch ziemlich aus meiner entspannt-gechillten Fassung. Ich konnte es im wahrsten Sinne des Wortes nicht fassen, dass sie mich nach so einer schweren OP, mit fünf neuen Schrauben im Knie, gehen lassen wollten. Sie sagten, dass die Versicherung keine Nacht gewährt hatte, sondern nur die OP. Puh, das war hart. Und genau ab diesem Zeitpunkt begann die härteste Schmerzphase meines ganzen Lebens. Und nicht nur das.

Am Abend konnte ich noch mit Krücken laufen und sogar am Tisch Essen zu mir nehmen, das Denise mir gezaubert hatte. Vegan und megalecker, denn ich durfte ja vorher 1,5 Tage fast nichts Essen und nichts trinken, wo ich so ein Wasser-Junkie bin.

Zum Glück ahnte ich noch nicht, was mich am Morgen darauf erwartete …