Hilflos (Herbst 2018)

Am nächsten Morgen ging gefühlt gar nichts mehr. Ich konnte einfach nicht aufstehen. Ich war völlig geschwächt und mein Knie brachte mich fast um. Trotz den Schmerzmitteln, wie Oxycodon und Ibuprofen.

Ich wusste nicht, ob ich den ganzen Tag weinen, schreien oder in die Bettdecke beißen soll. Und ich merkte, dass mit meinem Kreislauf irgendetwas nicht stimmte. Ich hatte seltsame Hitzeschübe. Hatte ich Fieber?

Nachdem die Aussage der Krankenhauses von der Versicherung sehr deutlich war, brauchte ich da erst einmal nicht mehr antanzen und musste das irgendwie überstehen.

Eine der schrecklichsten Momente war, als ich auf die Toilette musste. Denise stand der Angstschweiß schon auf der Stirn, denn sie konnte mich nicht heben. Also holte sie kurzerhand den Rollstuhl, den sie von ihrem verstorbenen Mann aufbewahrt hatte, den sie bis letztes Jahr gepflegt hatte.

Aber ich kam auch nicht in den Rollstuhl, es ging einfach nicht. Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so hilflos gefühlt und mir schwante schon, was mein Learning war: Hilfe annehmen.

Denise holte ihren Handwerker und er hob mich in den Rollstuhl. Ich kann dir gar nicht sagen, wie doof ich mir vorkam. Gott, war das schwer, dieses Gefühl auszuhalten, völlig ausgeliefert zu sein. 

Und es wurde noch schlimmer. Denn der Rollstuhl ging nicht durch die Tür ins Badezimmer und aufstehen konnte ich auch nicht. Denise hatte mir zwei Möglichkeiten offeriert: Windel oder Schüssel. Ich entschied mich voller Widerstand gegen die Windel und für die Schüssel. Mein Ego rebellierte auf Hochtouren und wollte nicht, dass andere mit im Raum waren, aber Denise blieb hartnäckig und fürsorglich an meiner Seite.

Ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich wir beide waren, als ich am Abend tatsächlich mit Krücken alleine zur Toilette gehen konnte. In solchen Momenten sind das so unglaubliche Erfolgserlebnisse, dass ich gar nicht weiß, ob ich mich nach meinen früheren Triathlon-Zieleinläufen jemals so gefreut hatte und so dankbar war für diese unfassbare Leistung.

Ja, die vermeintlich kleinen Dinge des Leben noch viel mehr zu schätzen wissen. Eine weitere Lerneinheit meines expandierenden Bootcamps.

In dieser schmerzvollen Zeit musste ich sehr oft an die Worte meiner Lieblings-Astrologin Silke Schäfer denken. Sie nannte das Jahr 2018 „Das Reset des Egos“. Meine Ego wurde aber sowas von reseted.

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