Einfach wieder lachen (Herbst 2018)

Ja, zu lachen hatte ich die letzte Zeit nicht viel. Aber sind wir oft nicht selbst diejenigen, die uns das Lachen nicht erlauben, wenn wir eine scheiß Zeit erleben? Klar, ich bin kein Fan von Oberflächlichkeiten. Gute Miene machen und so, nur damit andere sich besser fühlen oder wir etwas vorgeben zu sein, damit wir stärker wirken. Das ist überhaupt nicht mehr mein Ding.

Ich glaube auch nicht, dass das bei anderen Menschen gut ankommt, denn auf einer anderen Ebene spüren sie, dass es nur an der Oberfläche ist, nicht bis in die Tiefe geht und somit auch nicht echt ist.

Doch an diesem Tag war das Lachen echt. Es war so unglaublich herzhaft und befreiend. So kraftvoll und heilend. Nicht nur für mich, sondern, ich glaube auch für meinen Mann. Aber nun ganz von vorne. 

Wir mussten noch einmal ins Krankenhaus, weil wir beim letzten Kontrollbesuch die „Medical Records“ vergessen hatten, meine Ultraschallaufnahmen. Beim Aussteigen aus dem Auto merkte ich schon, dass bei uns mehr Leichtigkeit in der Luft lag. Mein Mann alberte auf dem Weg zum Eingang mit einem Hahn auf der Straße herum und führte mit ihm eine kleine Konversation.

Du musst wissen, dass auf Kauai’i sehr viele Hähne herumlaufen und die klingen tatsächlich hawaiianisch, wenn wie krähen. Wo es bei uns eher ein „Kikeriki“ ist, klingt es dort mehr wie ein „Ouuuuo’u’uuuu“. Voll echt jetzt. Ich habe den Laut sogar fleißig geübt, immer wenn ich im Garten saß. Hatte ja sonst nichts zu tun.

Als wir dann vor der netten Empfangsdame standen, also ich sitzend im Rollstuhl, mein Mann stehend, stellte sich heraus, dass wir im völlig falschen Gebäude waren. Also wieder raus und rein zum wirklichen Haupteingang, wo wir dann zielsicher den Beschreibungen folgten.

„Human Resources“, das klang gut, davon sagte die Dame am Empfang was. Als wir in dem HR-Büro standen, waren wir wieder falsch und mussten von dort aus erneut weiterziehen und den Schildern „Medical Records“ folgen. Macht ja irgendwie auch Sinn.

Letztendlich standen wir dann vor dem richtigen Ausgabeschalter und ich fragte ganz stolz die junge Frau nach meinen digitalen Aufzeichnungen. Sie wiederum wollte meine „ID“ wissen. Nachdem ich im Krankenhaus die ganze Zeit ein Armbändchen trug, dass mit einer Nummer und einen Barcode versehen war, dachte ich, sie meinte das.  Und nachdem ich zusätzlich darauf programmiert war jeden Tag mehrmals meinen Namen und meinen Geburtstag zu sagen, antwortete ich zielsicher und voller Stolz grinsend: „I don’t have the number, but I have a name and a birthday.“ :-)

Sie blieb sehr höflich und widmete sich mit meinen Angaben ihrem Computer, während mein Mann fast in schallendes Gelächter ausbrach.  Denn sie meinte einfach meinen Personalausweis. Meine ID-Card.

Plötzlich musste ich auch sowas von lachen und konnte gar nicht mehr damit aufhören. Natürlich entschuldigte ich mit bei der jungen Frau für das Missverständnis und ich glaube, sie schmunzelte auch in sich hinein.

Seit diesem Zeitpunkt war das der „Running Gag“ die nächsten Tage: „I don’t have an ID, but I have a name and a birthday.“ Warum Zeit in Ausweise investieren, das andere reicht doch völlig :-)

Auf dem Rückweg hatten wir dann allen Ernstes überlegt, ob wir noch einmal zu den „Human Resources“ reinrollern und so tun, als wären wir vorher nie da gewesen und dann ganz unschuldig noch einmal nach den „Medical Records“ fragen. So wie bei „Täglich grüßt das Murmeltier“.

Okay, wir haben es dann doch nicht gemacht, aber alleine die Vorstellung ließ uns den ganzen Rückweg vor uns hinkichern.

Ja, da waren wir wieder in unserer albernsten Hochform. Das tat so gut und ich wünschte wir alle könnten noch viel alberner im Alltag sein. Ich kann mich gut an ein Video im Fernsehen von dem Dalai Lama erinnern. Er saß neben zwei Menschen, die ernsthafte Fragen an ihn hatten und alles was er tat, war auf eine liebevolle Art und Weise rumzualbern und sie zum Lachen zu bringen.

Ja, das liebe ich auch, einfach sinnlos rumalbern, sich selbst dabei kringelich lachen und andere damit anstecken. Was mich an meine Triathlon-Vereinszeit erinnert. Für einige Jahre war ich für das Entertainprogramm bei der alljährlichen Weihnachtsfeier verantwortlich, was mir riesigen Spaß machte. Mein persönliches Highlight war der Moment, wenn meine Abschlusspräsentation auf der Leinwand lief, gespickt mit lustigen Bildern und Sprechblasen dazu. Der Moment, wenn alle das Lachen anfingen. Dann saß ich selig neben dem Technikteam hinter dem Mischpult. Das war fast schöner, als jeder erfolgreiche Zieleinlauf. 

Andere Menschen und sich selbst zum Lachen bringen. Wo können wir das ab heute noch mehr tun? Und dann Herumblödeln bis der Arzt kommt :-)

Hier findest du alle Hawaii Blog Artikel im Überblick:

http://coaching-mit-phantasie.de/category/hawaii/