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Gedankenflimmern im Biergarten – von Stefanie Eckrich

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WerbeFabrik / Pixabay

Ein lauer Sommerabend irgendwo in einem Biergarten.

Es ist schon dunkel geworden. Musik und Gesang verzaubert die Umgebung. Noch immer sitzt der Mann ganz alleine an einem der Tische. Vor ihm steht ein Krug mit Bier. Sein Kopf gesenkt, seine Haltung gebückt. Er sieht traurig aus.

Doris und ich sitzen einige Meter vom Tisch des Mannes entfernt. Er war uns beiden schon, als wir den Biergarten betreten haben, aufgefallen. Wir sehen uns an und plötzlich spricht Doris das aus, was auch gerade mich innerlich bewegt.

Dem Mann etwas Gutes tun … sich einfach zu ihm an den Tisch setzen. Vielleicht ein paar Worte mit ihm auszutauschen. Ihm für einen Moment unsere Gesellschaft schenken.

Doch was ist, wenn es dem Mann gar nicht recht wäre, wenn wir das tun würden? Wenn es sich hierbei nur um unsere Gedankenkonstrukte, unsere Art von Wahrnehmung, unsere Sicht, unseren Blickwinkel handeln würde? Und wir dabei seine Grenze überschreiten würden? Einen Platz einnehmen, der gar nicht für uns bestimmt ist?

Plötzlich hebt sich der Kopf des Mannes. Er nimmt Haltung an, als ein anderer junger Mann an den Tisch kommt und ihm ganz selbstverständlich seine Gesellschaft schenkt – in dem er sich ihm gegenübersetzt, seinen Bierkrug anhebt und sich die beiden zuprosten.

Etwas magisches geschieht in diesem Moment: Für einen Moment weicht die Traurigkeit aus dem Gesichtsfeld des Mannes. Ein Lächeln huscht über seine Lippen, während die beiden ein paar Worte austauschen.

So selbstverständlich der junge Mann gekommen war, so selbstverständlich verlässt er ein paar Augenblicke später wieder den Tisch.

Doris und ich sehen uns an und lächeln.

Es sind diese kleinen-feinen-zauberhaften Momente des Lebens, die unsere Augen funkeln lassen, unser Herz berühren und uns bewusst werden lassen, das es da, um uns herum, so etwas wie Verbindung und Magie gibt.

In DANKBARKEIT an das Leben und an die unendliche Weite des Universums …

Von Gesundheitsschlappen-Trägern, Dickensack-Prolos & Räucherwerk-Junkies

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Meine ehemalige Chefin sagte mal zu mir, als ich noch in der Jugendberufsvorbereitung gearbeitet habe: „Du bist keine typische Sozialpädagogin.“ Ich fand das damals ein wenig cool. Warum? Weil ich anscheinend nicht in eine Schublade passte.

Triathleten schiebt man vielleicht gerne in die Einzelgänger-Ego-Ecke. Das, was ich als aktive Athletin an dem Sport am meisten mochte, waren die gemeinsamen Radausfahren und die Teamwettkämpfe. Die Momente, wenn man sich gegenseitig über die Strecke geschoben hat, auch verbal. Mir hat es überhaupt keinen Spaß gemacht, lange Einheiten alleine zu trainieren. Somit habe ich auch in das Bild nicht gepasst – außer, dass mein Mann der Meinung ist, dass ich gerne die „Checkerhosen“ anhabe. Tzs, weiß auch nicht was damit meint ;-)

Als ich dann in die Yogawelt eingetaucht bin, hatte ich immer Schiss, einen Esoterik-Stempel zu bekommen. Und das Gesetz der Resonanz hat funktioniert. Postwendend kam der Stempel. Ich wurde gewarnt, nicht zuviel zu meditieren und ich solle doch wieder in „unsere Welt“ zurückkehren. Mal abgesehen davon, dass jeder wahrnehmungstechnisch sowieso in seiner eigenen Dimension lebt, musste ich darüber ziemlich schmunzeln.

Als leidenschaftliche Grenzentesterin habe ich in jedem Bereich Segen und Fluch zu spüren bekommen. Den riesen Spaß mit den Kids im Job, aber auch die totale Erschöpfung. Das Runnershigh und die chronischen Schmerzen. Den Bewusstseinsrausch und das eigens auferlegte Dogma.

Als ich noch eine Jugendliche war und Menschen in meinem Umfeld über andere Menschen geschimpft haben, dachte ich mir immer „Hm, aber ein Teil von mir ist auch so – und das, das kenne ich auch in mir.“ Ich hatte das Gefühl, dass ich das auch alles bin, nur vielleicht in anderen Ausprägungen …

Vielleicht gibt es die typischen Klischees. Die Gesundheitsschlappen-Träger, die Dickensack-Prolos und die Räucherwerk-Junkies. Doch haben alle etwas gemeinsam. Sie wollen irgendwo dazu gehören und als etwas ERKANNT werden. Sie wollen sich ausprobieren, vielleicht ihre Grenzen testen, auf ihre Art und Weise, um sich selbst besser kennenzulernen – oder um von sich selbst wegzulaufen.

Ich habe durch mein Identity-Hopping eine Menge gelernt. Was zur mir passt und was nicht. Auch wenn ich eine zeitlang versucht habe, bestimmte Anteile in mir zu verleugnen, weil sie nicht in die neue Identität gepasst haben. Am Ende bin ich doch alles und nichts. Ich will einfach nur ich sein, mit allem was dazu gehört. Auch wenn es manchmal nicht leicht ist, sich selbst treu zu bleiben, weil man Angst hat von der einen Riege nicht mehr gemocht zu werden.

Frei sein von emotionalen Blockaden auf Coaching mit Phantasie

Vielleicht sollten wir weniger separieren und in Schubladen schieben. Sondern uns so frei und bunt sein sein lassen wie wir sind. Uns vernetzen und verbinden – was wir morphogenetisch-quantenwissenschaftlich gesehen sowieso schon sind. Denn du und ich, wir haben in jedem Fall eine Sache gemeinsam: Du und ich, wir sind ein Mensch.

„Du kannst nicht gewinnen, wenn du nicht spielst“

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Vor ein paar Jahren, während meiner MentalCoach Ausbildung, sagte mein Ausbilder und Coach Peter: „Du hast die Wahl, ob du am Spielfeldrand stehen oder, ob du mitspielen möchtest.“ Irgendwie hat mir das Angst gemacht. Es hat mich an Völkerball in der Schule erinnert. Ich war immer froh, wenn ich außen stand. Ballspiele waren gar nicht meins. So konnte ich nicht Gefahr laufen, „abgeschossen“ zu werden …

Ungefähr 1,5 Jahre später hatte ich ein sehr intensives Gespräch mit meiner liebsten Trainerkollegin Marion, die der Auslöser dafür war, dass ich die MentalCoach Ausbildung machte. (Danke Marion!) Jedenfalls sagte sie ein paar Dinge, die mich sehr lange beschäftigt hatten. Sie meinte, dass Leben sei nur ein Spiel und es ginge nicht darum, irgendwo hinzukommen, weil du schon da bist. Es ist egal, ob man scheitert oder nicht. Es ginge nur darum, zu spielen und Freude daran zu haben – natürlich auch am gewinnen.

Wie? Ein Spiel?

Diese Aussage hat heftigen Widerstand in mir ausgelöst. Schließlich wollte ich ja immer wohin. Ziele erreichen. Bloß nicht scheitern. Aufgaben abhaken. Um wieder 1.000 neue Pläne zu schmieden. Deshalb hat mir meine Freundin Kathrin zu meinem 29. Geburtstag eine Karte mit einem Zitat von John Lennon geschenkt: „Leben ist das was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu schmieden.

Nach dem Gespräch mit Marion vergingen ein paar Monate. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich auf dem Sofa saß und durchs Fernsehprogramm zappte. Ich war ziemlich am Ende, weil ich sehr unter der Trennung zwischen meinem Mann und mir litt – und mir Vorwürfe machte, weil ich den Stein ins rollen brachte. Auch wenn ich jetzt weiß, dass wir einfach eine Auszeit brauchten. Damals konnte ich den Gewinn noch nicht erkennen.

In einem Sender ging gerade ein Film los, der mich total fesselte. Irgendwas sagte: „Schau dir diesen Film an.“ Trotz meiner Trauer und meiner Zweifel, ob es richtig war, auf mein Herz zu hören, gab mir dieser Film soviel Kraft. Er war für mich irgendwie magisch. Vor allem das Hauptzitat des Films: „Wie Bagger einmal sagte, dieses Spiel kann man nicht gewinnen, nur spielen. Und so spiele ich. Immer weiter. Ich spiel‘ für die Momente die noch kommen. Auf der Suche nach meinem Feld.“ Der Film hieß „Die Legende des Bagger Vance“ mit Will Smith.

Wow.

Hatte nicht ein paar Wochen vorher jemand zu mir gesagt, dass er den Eindruck hat, dass ich noch auf der Suche bin? Auf der Suche nach meinem Feld … doch, was ist mein Feld?

Ein paar Monate später, mein Mann und ich waren wieder zusammen, war ich alleine auf dem Jakobsweg unterwegs. Und wie ich das so aus dem Leistungssport kannte, hatte ich natürlich einen Etappenplan mit genauen Kilometerangaben. Mit einem klaren Ziel vor Augen: Santiago. Und wenn es gut läuft, bis ans Meer. Doch der Jakobsweg machte mir einen Strich durch meine fixen Pläne. Nach ein paar Tagen konnte ich einfach nicht mehr in den Wanderschuhen laufen und das Leben zwang mich dazu, nicht mehr linear abzuhaken, sondern zu pausieren und mir dann das rauszupicken, worauf ich mich am meisten gefreut hatte: Bergwandern zum Cruz de Hierro.

Witzigerweise hatte ich ein paar Tage vorher Nicole kennengelernt, die eine Doktorarbeit über das Scheitern schrieb. Das Puzzle setzte sich mehr und mehr zusammen …

Als ich wieder zu Hause war, kam irgendwann in mir so eine Spielelust hoch. Im SPIEL des Lebens mitzumischen, mitzuspielen. Mitten rein in Völkerball. Ohne Angst davor, „abgeschossen“ zu werden. Es war ein Gefühl von völliger Freude am Ausprobieren, egal wo es hinführt, egal, ob ich gewinne oder nicht – nur um zu erfahren, wie es sich anfühlt. Sich selbst zu erfahren, zu erLEBEN. Um neue Erkenntnisse zu GEWINNEN und daran wachsen zu können. War es das was Marion meinte?

Wieder ein paar Monate später, schenkte mir mein Mann zu meinem 41. Geburtstag ein Postkartenset von Hermann Scherer mit 200 Zitat-Inspirationen. Eine Karte mit folgendem Zitat sprang mich sofort an: „Wenn du gewinnen willst, musst du spielen.“

So schließt sich der Kreis.

1,5 Jahre später nach dem Gespräch mit Marion hatte ich begriffen, was sie meinte. Ich hätte noch so lange darüber Hirnen können. Ich brauchte die Erfahrungen, um fühlen zu können, was die Essenz hinter ihrer Aussage war. Denn vieles kann sich der Kopf gar nicht verSTEHEN. Es braucht für Wachstum einfach BEWEGUNG. Auch wenn es schmerzvoll ist.

Natürlich habe ich immer noch Momente, wo ich lieber am Spielfeldrand stehen würde, weil es dort einfach sicherer und bequemer ist. Doch wie heißt es so schön in einem anderen Zitat: „Ein Schiff, das im Hafen liegt, ist sicher vor dem Sturm. Aber dafür ist es nicht gebaut.“

Mein Feld

Ich schulde dir noch eine Antwort auf die Frage, was mein Feld ist. Weißt du, ich liebe es, wenn ich „Hinweisschilder“ für mein Leben bekomme. Diese kleinen magischen Zeichen, die wir im Alltag manchmal übersehen. Die uns führen und leiten. Die wollen, dass es uns gut geht. Dass wir uns das Leben leichter machen. Dass wir spielerisch rangehen und Freude daran haben.

Vor einer Woche ca. saß ich im Auto. Mich beschäftige wieder die Frage, was meine AufGABE auf dieser Erde ist und bat das Universum um eine Antwort. Die kam prompt. Ich überholte ein schwarzes Auto. Es hatte folgende Buchstaben nach dem Ort: DK. Meine Initialen. Nebendran stand „Caddy“.

Ein Caddy ist jemand, der den Golfspieler auf seinen Spielfeldern begleitet. Ein Helfer an der Seite auf diesem riesengroßen Spielfeld voller Möglichkeiten. Voller Auf und Abs in der Hügellandschaft. Der Ball fliegt und fällt. Voller Gefahren, in die der Ball reinfallen könnte. Wie Wasser oder hohe Büsche. Doch das Spiel geht weiter. Bis zum letzten Abschlag. Bis er ins Ziel rollt. Und wenn er nicht das Spiel gewonnen hat, dann trotzdem so viele Erkenntnisse auf dem Weg dorthin. Der Gewinn ist relativ. Vielleicht gewinnt er beim nächsten Mal. Denn: Nur, wenn du spielst, kannst du auch gewinnen.

Und nun zu dir: Ich möchte dir eine Frage stellen, die nur du selbst beantworten kannst. Vielleicht nicht jetzt. Vielleicht kennst du die Antwort schon: Was ist dein Feld im magischen Spiel des Lebens?

Gib deiner Antwort PHANTASIEvollen FREIraum. Und falls keine Antwort kommt. Dann frage doch einmal die magischen Zeichen am Wegesrand ♥

Freestyle-Cooking

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Gehörst du auch zu den Menschen, die keine Bedienungsanleitungen mögen? Ich definitiv. Nervt voll.

Ich will die Dinge ausprobieren. Deshalb sollte ich aufhören Kochbücher zu kaufen, weil ich mich sowieso nicht haargenau an die Rezepte halte. Außer vielleicht beim Backen, wenn es wirklich wichtig ist ;-)

So und jetzt kommt’s: Da ist ein Teil in mir, der hätte gerne für alles einen Plan. Der liebt es zu planen.

Workshops zum Beispiel. Und dann freue mich mich wie ein kleines Kind, wenn er Tag da ist, wo ich all meine verrückten Ideen umsetzen darf. Doch plötzlich kommt es anders.

Irgendwas in mir sagt: „Lass das weg“ oder „Zieh was anderes vor“. Und das mache ich dann. Ich schaue nicht mehr ständig auf die Uhr und bin trotzdem pünktlich fertig.

Früher hätte ich am liebsten mein ganzes Leben durchgetaktet. Warum? Weil einem das Sicherheit gibt. Es macht das Leben einfach. Nur, wo bleibt da das Abenteuer? Du weißt ja sowieso schon, wie das ganz ausgeht. Ein No-Go für mich, wenn ich einen Film gucke. Ich will es nicht wissen. Ich will mitfiebern und darin eintauchen. Mich überraschen lassen.

Es gibt Menschen, die sind so neugierig, dass sie Ihre Weihnachtsgeschenke vorher schütteln und von Außen untersuchen, was da drin sein könnte. Das wollte ich nie. Ich wollte es einfach nicht wissen, weil es mir die Freude genommen hätte.

 

SPIELraum lassen

 

Wie wäre es, wenn wir jeden Tag ein bisschen Spielraum lassen? Ja, RAUM zum SPIELEN. So wie das Kinder machen. Von ihnen können wir wieder lernen, wie man die Welt entdeckt. Was gerade in diesem Moment wichtig ist. Uns einfach führen lassen, hinein in das Ungewisse, das soviel unglaubliches bereit hält, wenn wir es ihm erlauben.

Jeder von uns hat diesen Abenteurer in sich. Besonders bewusst wird mir das, wenn in Seminaren sogenannte „Aktivierungsspiele“ auf dem Programm stehen. Zu Beginn spürt man regelrecht im Raum die Abwehrhaltung. Und auf einmal sind alle mittendrin und haben einen riesigen Spaß dabei.

 

Lass doch mal das Kochbuch weg …

 

… und überlege dir nur grob, was dein Kochkunstwerk heute werden soll. Lass dich von deinen Sinnen führen. Wie riechen die Gewürze und Zutaten? Was könnte gut harmonieren? Was möchte ich heute neues wagen?

Ja, manchmal braucht es einen Griff ins Klo. Denn nur so lernen wir, dass das scheiße schmeckt. Aber vielleicht kannst du mit deiner Kreativität und deinen Erfindergeist doch noch etwas Schmackhaftes daraus machen. Jeden Moment neu. Beim Kochen, wie im Leben.

Alles ist möglich ♥

Vollgas oder Luschi – Leben zwischen den Polaritäten

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Wo würdest du dich einordnen? Wenn du mich vor ein paar Jahren gefragt hättest, hätte ich Vollgas gesagt. Letztes Jahr wäre die Antwort das Gegenteil gewesen. Ich hatte an manchen Tagen Mühe und Not aus dem Bett zu kommen. Voll Luschi. Seitdem komme ich mehr und mehr in meine Balance. Aber ich bin noch lange nicht am Ziel. Die Frage ist …

 

… gibt es überhaupt einen Mittelweg?

 

Bestimmt. Nur glaube ich, dass dieser nicht beständig ist. Es ist eher wie ein bewegtes Hin und Her, mit dem Ziel, sich irgendwo zwischen den Extremen einzupendeln. Denn, weder das eine, noch das andere, ist auf Dauer gesund. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass weder ein Burn- noch ein Boreout erstrebenswert ist.

So ist jeder Tag wie ein Pendelspiel zwischen den Polaritäten. Und das nicht nur für uns Menschen, sondern auch für die Dinge um uns herum. Wir leben mit Tag und Nacht, mit Sonne und Mond, mit Wärme und Kälte, mit Weiblichkeit und Männlichkeit, mit Anspannung und Entspannung, mit Aufstehen und wieder Hinlegen, mit Gesundheit und Krankheit, mit Glück und mit Trauer, mit Leben und Tod – eben Yin & Yang. Das eine geht nicht ohne das andere. Und ganz im Ernst: Würden wir das eine wirklich von Herzen zu schätzen wissen, wenn wir das andere nicht gekannt hätten?

 

Warm-up and Cool-down

 

Mir kommt es manchmal vor, als wäre es eine Lebensaufgabe mit den eigenen Kräften „hauszuhalten“. Sich runterzufahren, wenn der Stresspegel steigt – oder die Energie wieder anzuheben, wenn man zu sehr im Entspannungsmodus ist. Dafür entwickle ich immer wieder neue Übungen für meine Workshops und Seminare.

Die Kunst ist für mich dabei, frühzeitig zu merken, wenn es an der Zeit ist, den Modus sanft zu wechseln. Denn wenn der Pendelausschlag schon zu extrem geworden ist, wird es anstrengender sich wieder „einzupendeln“ und in Balance zu kommen. Zumindest kommt es mir, als leidenschaftliche Grenzentesterin so vor.

 

Für Langsamkeit gibt es keine Anerkennung

 

Ich habe mein System fast 40 Jahre auf Vollgas trainiert. Denn wenn ich besonders schnell war, habe ich Anerkennung bekommen: von meinen Eltern, von meinem Chef, von den Wettkampfkollegen im Triathlon. Schnelligkeit wird belohnt, Langsamkeit nicht. Zumindest war das in meiner Wahrnehmung so. Und jetzt dir stell einmal vor, man würde anstelle von „Ich muss noch schnell …“ sagen „Ich darf jetzt ganz langsam und in Ruhe …“ – wäre ja mal ein Experiment wert ;-)

Die Sache ist nur die: Sobald du zu lange im Vollgasmodus bist, beschleunigst du nicht nur dich, sondern auch deine Umwelt. Je schneller du mit irgendwas fertig bist, gibt es Nachschub. Je flinker du Nachrichten beantwortest, desto postwendender kommen sie wie ein Bumerang zurück.

 

Deshalb mag ich Wellenreiten

 

Und weißt du warum? Weil ich so am wenigsten Energie verliere. Wenn ich das Gefühl habe, dass die Welle kommt, dann nutze ich sie und tobe mich aus. Plötzlich kann ich sogar Dinge erledigen, die eigentlich für später geplant waren – aber warum sich an den strikten Plan halten, wenn es gerade so gut läuft?

Und sobald ich merke, dass der Strom abebbt, versuche ich, so gut es geht, die nichterledigten Dinge auf später zu verschieben. Ja, manchmal muss ich mich da echt selbst disziplinieren, es liegen zu lassen. Und spannenderweise erledigen sich manche Dinge sogar in der Zwischenzeit von selbst :-)

Ist der Weg wirklich das Ziel?

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Den Spruch kennt so ziemlich jeder. Aber ist es wirklich so? Hecheln wir nicht tagtäglich irgendwelchen Dingen hinterher und arbeiten To-Do-Listen ab, um das Erledigte endlich abhaken zu können?

Bei mir ist das zumindest noch viel zu oft so. Deshalb habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, mich immer wieder daran zu erinnern, den Prozess mehr zu genießen.

 

 

Ich kann mich noch gut an meine Triathlon-Wettkampfzeiten erinnern: Wenn ich beim abschließenden Marathon gemerkt habe, dass das mit der Bestzeit heute nichts wird, habe ich schon wieder Pläne geschmiedet, was ich als nächstes machen könnte. Und wenn ich dann ein super Ziel erreicht hatte, dann war die Freude darüber nicht besonders lange und das nächste Ziel musste her.

Oft bestand mein Alltag darin, mit mir selbst Wettkämpfe zu veranstalten und ich war immer besonders stolz darauf, was ich alles an so einem Tag schaffen konnte. Bis ich irgendwann gemerkt habe, dass mich das total stresst – und das Gefühl des „Geschaffthabens“ bei weitem nicht das Energiedefizit ausglich, dass auf dem Weg dahin verloren ging.

 

Genießen im Prozess

 

Jetzt möchte ich, dass mir der Weg dahin schon soviel Energie gibt, dass das Ziel in den Hintergrund rückt. Ein „Genießen-im-Prozess“ sozusagen.

Wie? Was? Ziele sind doch soooo wichtig … ? Ja, wir brauchen schon Ziele. Sonst würden wir gar nicht mehr aus dem Bett kommen. Menschen die ausgebrannt sind, kennen das bestimmt gut. Aber warum ist die „Freude am Tun“ verloren gegangen? Weil das Ziele-Hecheln so wichtig geworden ist.

Das Ziel-in-den-Hintergrund-rücken hat den Vorteil, dass einem der Weg viel leichter vorkommt. Man sagt nicht umsonst: „Step by Step“. Immer nur an das Ziel zu denken, kann auch stressen – vor allem, wenn es ein großes Ziel ist. Deshalb sind Zwischenziele sinnvoll – oder „Meilensteine“, wie man im Projektmanagement so schön sagt.

Wie wäre das: Setze einen Fuß vor den anderen. Nimm jeden Schritt ganz bewusst wahr. Tauche völlig ein in den Moment, in das Geschehen und in die Freude des Tuns. Spüre den Flow in den du kommst, wenn dein ganzes System völlig in Harmonie und mit voller Kraft läuft. Dann wenn du alles um dich herum vergisst. Wenn du dich sogar selbst dabei vergisst – und plötzlich, bist du da :-)