Doris Kessel Geschichte vom Weihnachtskönig

Diese Geschichte habe ich für meine Yogis in der letzten Stunde geschrieben. Vielleicht macht sie dir auch Spaß :-)

Zuerst haben wir den groben Ablauf geübt. Danach habe ich die Geschichte vorgelesen und jede/r durfte phantasievoll seine Interpretations-Ananas einbauen. Als Yogalehrerin oder Yogalehrer hast du bestimmt gleich Bilder im Kopf.

Unser Ablauf ging so:

  • Berg
  • Zehen heben
  • Fersen heben
  • Berg
  • In Herz atmen
  • Herzöffnung im Stehen
  • Rotation, Vorbeuge, leichte Rückbeuge (Flieger)
  • Kind
  • Katze/Kuh
  • Seitdehnung im Vierfuß/Pinkelnder Hund
  • Herabschauender Hund
  • Breite Vorbeuge -> Spiderman
  • Berg
  • Boot
  • Heuschrecke/Schwimmer
  • Berg
  • Stuhl
  • Berg
  • Herzöffnung im Stehen
  • Berg
  • Stuhl
  • Berg
  • Herzöffnung -> umarmen

Und das ist die Geschichte dazu:

Es war einmal ein König, der stand irgendwie so da. Er hatte nicht wirklich einen Bezug zu seinem Körper. Alles baumelte so an ihm herum: seine Arme, sein Kopf, seine Hüfte. Als er zu seinen Füßen blickte, bemerkte er, dass seine Zehen so vor sich hinschnarchten.

Das gefiel im gar nicht. Also ließ er, mit der Kraft seiner magischen Vorstellung, unter jedem seinen Zehen kleine Hügel wachsen. Die Hügel wuchsen und wuchsen.

Doch plötzlich … waren sie wieder weg. Durch den etwas unsanften Aufprall seiner Zehen, wachten diese letztendlich mit einem lauten Gähnen auf und waren völlig von den Socken. Da erhob sich die Ferse fast über sie und gebot ihnen Einhalt. Da die Zehen ziemlichen Respekt vor der dominanten Ferse hatten waren sie auf Anhieb völlig still.

Der König hatte in der Zwischenzeit Mühe, seine Krone auf dem Kopf zu halten und er richtete sich, so gut es ging wieder auf. Als er sich so einigermaßen wieder unter Kontrolle hatte, klopfte sein Herz von innen an seinen Brustkorb und sagte: „He Meister, mir ist das zu eng hier.“ Denn so sehr sich sein Herz anstrengte, sich mit viel Luft Raum und Platz zu allen Seiten zu schaffen, nach hinten, nach vorne und zu den Seiten, war es ihm immer noch zu eng. So packte es seine Sachen und beschloss in die große Welt zu ziehen, damit es sich besser entfalten konnte. Das Königsding, war ihm zu langweilig.

Der König guckte nicht schlecht, als sein Herz sich durch sein Brustbein schob und die Fliege machte.

Plötzlich kam ihm ein Gedanke: Fliegen! Ja, ich will fliegen!

So breitete er seine Arme aus und flog nach links und nach rechts, nach oben und zu seinen Füßen, wieder hoch, nach links, nach rechts und nach unten. Das Ganze war für ihn jedoch ziemlich anstrengend, deshalb mummelte er sich ganz klein zu einem Päckchen zusammen und gönnte sich eine Pause.

Bis er einen Weihnachtskobold mit einem Zauberstab auf seiner rechten Schulter entdeckte. So schnell konnte der König gar nicht schauen, hatte der Kobold ihn in eine ärgerliche Katze verwandelt. Jedoch gefiel das dem Kobold nicht und er verwandelte den König in eine faule Kuh. Da der Kobold ziemlich entscheidungsunfreudig war, spielte er sein Spielchen noch eine Weile. Katze. Kuh. Katze Kuh. Bis der König darum bat, weil er eine Laktoseintoleranz und Katzenhaarallergie hatte, wenigstens ein Hund sein zu dürfen. Da der Kobold im Grunde ein gutes Herz hatte, verzauberte er den König in einen Hund. Jedoch hatte der Hund einen Tick. Er musste permanent in Zeitlupe nach seinem Schwanz schauen und seine Hinterfüße heben, da er eine Konfirmandenblase hatte.

Der Kobold hatte sichtlich seinen Spaß mit dem König, der das gar nicht lustig fand, aber durch den starken Zauber immer weitermachen musste.

Nach einiger Zeit hatte der Kobold ein wenig Mitgefühl mit dem König und erlaubte ihm, ein richtiger Hund zu sein: ein Yogahund – der sich richtig durchstrecht in alle Richtungen.

Hach, war das für den König eine Wohltat, auch wenn er etwas wehmütig, auf seine Krone schaute, die während der ganzen Aktion auf den Boden gefallen war, mit samt den ganzen Edelsteinen.

Der Kobold erlaubte dem König, seine Krone und die Steine aufzuheben, wenn er das mit breitbeinigen Beinen schaffte … und siehe da … der König bewegte sich wie Spiderman und sammelte die Steine auf, steckte sie wieder in die Löcher in der Krone, setzte sich die Krone auf, richtete sich auf und stand plötzlich da, wie ein echter König. Der Kobold staunte nicht schlecht und zog von dannen.

Nach einen tiefen Atemzug überlegte der König, wie er sein Herz zurückbekommen könnte. Er erinnerte sich, dass er als König eines der schönsten königlichen Boote im Hofstaat besaß. So machte er sich gleich auf dem Weg nach unten und stieg in sein Boot ein. Mit weiten Paddelbewegungen schwamm er über die königliche See, immer weiter und weiter auf das mehr hinaus …

Mit einem Ruck hielt das Boot auf einmal an, denn der König war mit einem Eisberg unter Wasser kollidiert. Also musst er weiter schwimmen und rollte sich auf den Bauch.

Mit seiner letzten Kraft kam er an einer schneebedeckten Insel an. Auf dem Eingangschild stand „Nordpol“.

Der König staunte nicht schlecht, als von hinten, wie ein Blitz, ein funkelnder Stuhl angesaust kam und ihn hoch hinauf in die Lüfte flog. Aufgeregt und neugierig saß er da auf dem Stuhl und hielt seine Krone fest, damit sie nicht wieder herunterfiel.

In weiter Ferne erblickte er ein riesiges Schloss mit Eissternen an den Turmspitzen. Ringsherum flogen unzählige bunte Kobolde, glitzernde Feen und strahlende Engel. Der König erkannte auf Anhieb den frechen Kobold mit dem Zauberstab und wollte ihm mit dem Stuhl hinterher – doch der Stuhl hatte etwas anderes vor: Er flog mit ihm in das Schloss und setzte den König in einer großen Halle ab. Der König konnte endlich aufstehen und durchschnaufen.

Und er staunte nicht schlecht, was er da sah: Es war eine riesige Halle, voll mit leuchtenden Herzen in den unterschiedlichsten Größen … und er fragte sich, ob er vielleicht Glück hatte und sein Herz hier auch irgendwo ist. Voller Mut öffnete er seine Arm ganz weit – und das fiel im echt schwer, er musste also den Vorgang ein paarmal wiederholen … bis er so weit geöffnet war, dass sein Suchsensor im Herzraum ansprang und Kontakt aufnehmen konnte.

Als er nach oben blickte, sah er, wie sein goldenes Herz vor seiner Nase herunterschwebte, kurz vor seinem Herzraum halt machte und sagte: „Also, dir ist schon klar, dass ich meinen Arsch hier nicht mehr wegbewege, oder?“

Der König ließ traurig die Arme und seinen Kopf sinken und sagte: „Aber warum denn, wir haben doch alle Reichtümer der Welt in unserem Königreich … „

Das Herz antwortete: „Pah, ich scheiß auf Reichtümer. Ich will bei meinen Freunden sein und sie begleiten, wie sie ihren Weg nach Hause finden.“

Der König musste wieder tief durchatmen und sich erstmal auf den funkelnden Stuhl hinter sich setzen.

Tief in seinem Inneren wusste er, dass sein Herz Recht hatte. Denn glücklich war er mit all seinen Reichtümern nicht wirklich. Er wollte schon lange etwas anderes machen. Er wollte anderen Menschen helfen, ihre Herzensträume zu verwirklichen. Er legte seine Hände auf die leere Stelle in seinem Herzraum, nahm noch einen tiefen Atemzug, richtete sich auf und sagte: „Ok, na gut, du hast gewonnen, wir bleiben hier.“ Sein Herz strahlte über sein ganzes Gesicht und der König mit. Voller Mut stand der König erneut auf, öffnete seine Arme und den leeren Herzraum ganz weit … und sein Herz kuschelte sich wieder in sein gewohntes zu Hause und sagte: „Bevor wir mit unserer neuen Aufgabe beginnen musst du mich ganz doll drücken. So umarmte sich der König quasi selbst. Ganz fest und schunkelte seinen Oberkörper ein bisschen hin und her.

Da tauchte der freche Kobold von der Seite mit einer ellenlangen Liste auf und begann im Befehlston vorzulesen: „Als erstes müssen wir alle Herzen aus den Regalen C, F und K zu ihren Menschen bringen. Die sind allesamt ausgebüchst. Hatten einfach keinen Bock mehr auf die Egotrips ihrer Besitzer. Ach, apropos Egotrip …“ – der Kobold zog seinen Zauberstab hervor und tippte auf den Kopf des Königs mit den Worten: „System in Standby Modus, jetzt.“ Dann übergab er dem dem König seinen Zauberstab.

So leicht war das also, dachte sich der König und strahlte über sein ganzes Gesicht – und sein Herz strahlte mit ihm mit.

Mit diesem Strahlen machte er sich an seine neue Aufgabe als Weihnachtskönig.

Viel Spaß damit ♥

Doris