Manchmal habe ich das Gefühl, dass unser Hund Emma es viel besser raus hat, bewusst zu leben. Sie tut es einfach. Und wenn ich aufmerksam genug bin, dann beobachte ich sie und bin immer wieder verblüfft, was ich noch alles von ihr lernen kann.

Die Sache mit der Achtsamkeit

Vielleicht kennst du diese Karikatur: Mensch und Hund laufen nebeneinander. Man sieht die Gedankenblasen. In der Gedankenblase des Menschen sind die ganzen Pläne, die er gerade hat. In der Gedankenblase des Hundes ist 1:1 das jetzige Bild der Landschaft, in der sie gerade laufen.

Emma erinnert mich immer wieder daran, wo wir gerade sind. Sie ist völlig im Moment, wenn sie sich durch die Wiesen und Wälder schnüffelt. Sie nimmt jedes Detail mit ihren Sinnen war: die Gerüche, den Wind und die Vögel ein paar hundert Meter weg. Sie hat einfach Freude an dem, was sie gerade tut. Freude im HIER und JETZT. Und auch, wenn wir vielleicht schon hundertmal den gleichen Weg gelaufen sind, dann geht sie ihn mit voller Achtsamkeit.

Wie sagt man im Zen-Buddhismus so schön: „Vor der Erleuchtung Holzhacken, nach der Erleuchtung Holzhacken.“ Oder so ähnlich :-)

Ganz für sich selbst da sein

Wenn du auch einen Hund hast, dann kennst du das vielleicht ebenfalls: Dieses lautstarke Geschmatze am Morgen, wenn dein Hund genüsslich seine Körperpflege vollzieht.

So nervig die Geräusche sein können – beobachte einmal, mit welcher Hingabe dein Hund das macht. Emma hat dabei ihre Augen halb geschlossen und kümmert sich mit ihrer völligen Aufmerksamkeit um sich selbst und um ihren Körper. Sie reinigt sich und streckt sich weit und breit in alle Richtungen. Und das so ganz ohne Faszientrainingsausbildung ;-)

Vergebung

Wie oft habe ich mich schon bei Emma entschuldigt, weil meine Ungeduld wieder mit mir durchgegangen ist (und sie testet diese immer wieder aufs Neue ;-) …), weil die Dinge nicht so nach Plan gelaufen sind, wie sich das mein Verstand fein ausgedacht hat. Und dann das Rumpelstilzchen in mir ausbricht.

Wo wir Menschen vielleicht ein wenig nachtragender sind und dann zum passenden Moment in der Vorhaltungskiste kramen „Damals hast du mich blablabla …“, sind Hunde wesentlich nachsichtiger. Natürlich speichern sie extreme Situationen ebenfalls ab und das ist auch gut so. Das meine ich nicht. Ich meine diese Nichtigkeit mit Dingen, über die wir uns noch viel zu oft aufregen. Diese banalen Dinge, die es schaffen, uns immer wieder aus der Bahn zu werfen. Die es gar nicht wert sind, dass man sich überhaupt damit beschäftigt. Ich wünschte, ich könnte auf Anhieb so gut vergessen und verzeihen wie sie – oder erst gar nicht griesgrämig werden.

Klare Bedürfnisäußerung

Kennst du das? Du willst eigentlich etwas von deinem Partner bzw. Partnerin oder deinem Umfeld – und irgendwie kommen die Worte manchmal ganz anders aus dir heraus, als es sich anfühlt. Verschachtelt, verpackt, reduziert, beschönigt, übertrieben.

Auch da bewundere ich unseren Hund. Sie äußert ganz klar, was sie will: Fressen, Kuscheln, Spielen oder wenn ihr etwas nicht gefällt. Ganz klar und direkt. Sie denkt nicht stunden- oder tagelang darüber nach, wie sie es am besten formulieren könnte. Nein, sie tut es ganz einfach. Einfach so. Ja, das Leben kann ganz einfach sein. Wir machen es nur machmal komplizierter als es ist, stimmts? ;-)