2016 war für mich nicht nur ein ziemlich heftiges Jahr. Es war auch das Jahr der Regenbögen. Sie haben mich das ganze Jahr über begleitet. Meistens dann, wenn ich das Gefühl hatte, dass ich jetzt gerade einfach nicht mehr kann.

Angefangen hatte alles im Februar, an meinem Geburtstag, und gleichzeitig dem letzten Tag meiner Abreise von Lanzarote. Als ich in der Früh aus meinem Hotelzimmer Richtung Frühstücksbüffet lief, warf ich, wie jeden Morgen, einen Blick auf die wunderschöne Bergkette. Es hatte den Tag zuvor geregnet und der Himmel war noch etwas dunkel.

Über den Vulkanhügeln war ein wunderschöner Regenbogen zu sehen. Irgendwie zauberte es mir ein Lächeln auf die Lippen. Irgendjemand meinte, dass Regenbögen auf Lanzarote eher selten sind. Hätte ich in dem Moment schon geahnt, was in den nächsten Tagen alles auf mich zukommt, dann hätte ich das Gefühl noch intensiver abgespeichert.

Zeitsprung …

Im Mai durfte ich für meinen Kooperationspartner ein Firmenseminar halten. Auf der einen Seite hatte ich mich sehr darauf gefreut. Auf der anderen Seite war ich zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht in meiner Energie, weil ich seit Februar sehr unter der Trennung zwischen mir und meinem Mann litt.

Ursprünglich wollte ich bei einer Freundin übernachten, aber sie war kurzfristig erkrankt. Das Problem war, dass alle Hotels ausgebucht waren oder völlig überteuert, weil irgendeine Messe in München war. Aber in Früh anreisen, acht Stunden Seminar geben und abends wieder zurück war mir dann doch zu viel. Also versuchte ich mein Glück über AirBnb. Und ich hatte tatsächlich Glück. Ich bekam ein Zimmer, dass genau den anberaumten Übernachtungskosten entsprach und es war nur zwei Kilometer vom Seminarort entfernt. Thank God.

Regentränen

Neben der Dankbarkeit, die ich während der nach Hause Fahrt im empfand, kam wieder der Schmerz hoch und ich ließ es einfach frei fließen. Die Woche zuvor war ich auch in München auf einer Yogafortbildung und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben im Auto so richtig geschrien. Zu meiner Überraschung war es tatsächlich befreiend. Nach Schreien war mir jedoch bei der erneuten Fahrt nicht zu mute. Ich habe, passend zum Regen im Außen, nur vor mich hingeschluchzt und irgendjemand im Himmel gebeten, mir zu sagen, dass das Ganze bitte gut ausgeht. Oder, mir zumindest ein Zeichen zu geben.

Plötzlich wurde der Regen weniger und vor mir entfaltete sich ein wunderschöner Regenbogen. Ich war so perplex, dass ich gar nicht weiß, wie ich überhaupt weiterfahren konnte.

Regentränen, die Zweite

Ungefähr eine Woche später war der Trennungsschmerz auf dem Höhepunkt angelangt. Ich war Laufen im Wiesengrund, nicht weit entfernt von dem möblierten Einzimmer-Apartment , dass ich vorübergehend gemietet hatte und es regnete leicht. Auch, wenn ein Teil von mir irgendwie dieses Gefühl hatte, dass für mich alles wieder gut wird, war da auf der anderen Seite sehr viel Angst. Kennst du das Gefühl, wenn du gerade vor einem Scherbenhaufen stehst und trotzdem tief in dir drin weißt, dass du immer behütet und beschützt bist? Und trotzdem ist da der Scherbenhaufen in geballter Realität, der unnachgiebig an deinem Vertrauen ins Leben nagt.

So war ich mal wieder an dem Punkt, wo ich um Hilfe bat. Um irgendein Zeichen. Und hoch und heilig versprach, dass ich immer mein Bestes geben werde. Ich hörte auf zu laufen und ging ein Stück weiter Richtung einer Brücke. Zum Glück war ich alleine, denn so konnte ich wieder ein bisschen vor mit hinweinen. Als ich auf den schmalen asphaltierten Weg, zwischen den Wiesen, blickte, entdeckte ich eine, mit Kreide gezeichnete Ente. In der Ente waren zwei Buchstaben: DH. Mein Mann heißt Holger. Und da war er wieder der Regenbogen am Horizont. Der Regen hörte abrupt auf. (Das Foto habe ich ca. drei Monate danach gemacht, aber man kann die Buchstaben mit viel Vorstellungskraft noch erkennen). Eineinhalb Monate später waren wir wieder zusammen.

Mit dem Regenbogen gehen

Im September war ich auf dem Jakobsweg. Ich hatte das Ganze schon im April gebucht. Und auch, wenn ein Teil gar nicht mehr weg wollte, weil ich lieber zu Hause bei Holger und unserem neuen Hund Emma geblieben wäre, war da ein Teil, der dieses Abenteuer erleben wollte. Also zog ich los. Nach Spanien. Ohne wirkliche Spanischkenntnisse, meiner grottenschlechten Orientierungsfähigkeit (die mich trotzdem immer wieder nach Hause bringt) und falschem Schuhwerk.

Nach ein paar Tagen wollte ich schon alles hinschmeißen. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich von der Mauer, auf der ich am Wegesrand lag, um Pause zu machen, gar nicht mehr aufstehen wollte. Ich beobachtete, total fertig, die Wolken am Himmel. Und völlig unscheinbar schob sich hier und da ein kleiner Regenbogen im Ansatz durch die Wolken.

Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwie ein Regenbogen her …

Mein letzter Regenbogen im Jahr 2016 zauberte mir wieder ein Lächeln ins Gesicht: Als ich die letzte Horrornacht in Spanien, bei Gewitter im knastähnlichen Stockbett in Barcelona-Zwischenflugstation verbrachte, war ich einfach nur froh, als ich am Morgen in das Flughafentaxi Richtung Nürnberg stieg. Zwar verstand ich nicht, was der Fahrer auf Spanisch sagte, aber ich folgte mit meinem Blick dahin, wo sein Zeigefinger hindeutete: Zu einem riesengroßen Regenbogen am Horizont, denn „Hinterm Horizont geht’s weiter, einer neuer Tag …“ ♥

Alles begann in diesem Jahr mit einem Regenbogen. Der erste gab mir Freude auf meinem Weg nach Hause in eine unbestimmte Zukunft. Der zweite schenkte mir Trost. Der dritte Mut und Zuversicht. Der vierte erinnerte mich daran, dass es immer wieder weitergeht. Und der fünfte gab mir, wiederum auf dem Weg nach Hause, Gewissheit, dass immer alles gut ausgeht. Denn: Das Leben hat immer Recht.

→ Hier findest du meine Geschichten, die ich auf dem Jakobsweg erlebt habe.