Kein Geld für den Rückflug / Herbst 2018

Die nächsten Tage wurden noch so richtig nervenaufreibend auf Kaua’i. Vor allem was den Rücktransport anging. Es war gefühlt ein ewiges hin und her und ich konnte einfach nicht mehr.

So nahm mein Mann die Sache in die Hand und ich wusste, ich musste einfach vertrauen.

Am nächsten Tag rief mich die nette Dame vom Rücktransport-Team an und sagte: „Guten Morgen Frau Kessel, ich habe Ihnen gerade Ihre Tickets zugemailt.“

Tränen liefen mir über die Wangen. Ich wollte gar nicht wissen, wie das nun alles kam. Ich war einfach so unendlich dankbar. So dankbar.

Business-Class-Ticket

Es war soweit, es ging wieder nach Hause mit Business Class. Was immer ein Traum von mir war Business Class zu fliegen, aber natürlich unter anderen Umständen.

Ja, ich hatte großen Respekt vor dem Rückflug, auch wenn ich sehr dankbar und glücklich über das Upgrade war. Natürlich war ich genauso traurig, weil ich gehen „musste“. Dieses Paradies verlassen musste und doch noch soviel dort sehen, erleben und fühlen wollte. Schmerzfrei versteht sich. I’ll be back, das versprach ich in diesem Moment Kauai’i. I’ll be back.

Es war schon dunkel, als wir unsere Unterkunft verließen. Wir verabschiedeten uns von allen, die da waren und ich versuchte der Tochter der Haushälterin meine liebevollsten Worte mitzugeben. Ich hatte sie in der Zeit wirklich sehr ins Herz geschlossen. Aber „Auntie“ musste jetzt gehen und mein Abgang war leider nicht so tapfer wie ich dachte, denn beim Reinrobben auf die Rücksitzbank lies mich ein fieser Schmerz aufschreien. Falscher Winkel, verdammt. Her mit den Schmerzmitteln. Das ging ja gut los.

Am Flughafen in Lihue angekommen ging es genauso weiter, denn wir hatten zwar einen Rollstuhl mit „Hochlegfunktion“ für mein Bein geordert, aber sie hatten keinen, auch wenn sie sich unglaublich bemühten, mir zu helfen.

So musste ich durch die ganze Sicherheitskontrolle mit den Krücken laufen. Da in Kauai’i viele Flieger am späten Abend gehen, kannst du dir vorstellen, was da los war. Zum Glück wurde ich vorgelassen, wurde aber gerade wegen der Gehschiene extra lange durchsucht. Puh, das war richtig anstrengend. Und doch ging es irgendwie.

Drinnen wartete schon eine bequeme Sitzgelegenheit auf mich, wo ich mein Bein hochlegen konnte. Thank God.

In solchen Momenten bist du einfach für alles dankbar, was dir die schwierigen Umstände leichter macht. Seitdem weiß ich zum Beispiel sehr die Haltegriffe in Toiletten und Gängen zu schätzen.

So auch am Flughafen Richtung Gate. Denn der Boden wurde plötzlich zu einem kleinen Anstieg und was für einen  gesunden Menschen sich wie nichts anfühlt, war für mich mit den Krücken und mangelnden Kraft eine riesengroße Hürde. Danke an alle Geländer dieser Welt, ihr seit sensationell und habt mir immer wieder den Popo gerettet.

Die liebenswerte Flugassistenz schob die ganze Zeit den Rollstuhl nebenher, zur Sicherheit. Sitzen hätte ich darin nicht können, aber sie meinte es einfach gut mit mir. Mahalo.

Geschafft! Wir saßen am Gate und warteten auf unseren Abflug. Hier meinte es das Universum ebenfalls gut mit mir, denn die Sitze hatten nicht überall Armlehnen, so konnte ich auch hier mein Bein hochlagern. Puh.

Du willst nicht wissen, wie oft ich an dem Tag noch auf die Toilette bin, damit ich im Flieger nicht so oft muss. Meine Blasenentzündung war immer noch nicht ganz weg.

Ich hatte keine Ahnung wo mein Mann sitzen würde und wie ich überhaupt alleine auf die Toilette komme und ob ich mit meinem gestreckten Bein die Tür schließen kann. Da taten sich plötzlich Ängste auf, die ich so nicht kannte. 

Irgendwie hatte ich auch so ein komisches Gefühl, ob der Sitzplatz wirklich Business Class mit „Bein-Hochlegefunktion“ war. Meine Aufregung stieg mehr und mehr an und doch war ein Teil in mir ganz ruhig und zuversichtlich …

Ab in den Flieger

In wenigen Minuten begann das Boarding und ich durfte tatsächlich als Erste in den Flieger. Im gesunden Zustand hätte ich das womöglich ganz cool gefunden, jedoch in meinem Schneckentempo lastete ein unglaublicher Druck auf mir, weil ich das Gefühl hatte, dass alle auf mich warten müssen und ich alles aufhalte.

Wäre mein Mann nicht gewesen, hätte ich nicht so ruhig bleiben können. Er ist mit sowas tiefenentspannt. Er lässt sich von nichts und niemanden stressen oder nur sehr geringfügig. Ja, das konnte ich immer mehr von ihm lernen.

So hangelte ich mich ganz langsam am Geländer entlang und war immer wieder dankbar, wenn es zwar an einer Stelle aufhörte und gleich wieder weiterging. 

Die nächste Hürde kam direkt vor dem Flieger. Wie komme ich über diese Lücke am Boden vor der Tür drüber? Gott sei Dank hatte ich auch hier wieder jede Menge Engel, in Form des Flugzeugpersonals, um mich herum, die mir alle beistanden. Ja ja, dieses Hilfe annehmen wollte noch nicht so recht in mein System hinein. Es war mir immer noch peinlich und ich wollte so gut es ging alles selbst machen.

Nur in diesem Fall ging es eben nicht. Doris, jetzt sei doch einfach mal froh, wenn du Hilfe bekommst!

Und die nächste Hilfe brauchte ich dringend, denn es waren tatsächlich Sitze ohne „Bein-Hochlegefunktion“. Ich saß zwar ganz vorne, aber ich konnte mein Bein nirgends drauf legen. Mein Mann sah mich an und sagte toternst: „Wollen wir wieder gehen?“. Dafür könnte ich ihn heute noch umarmen. Er dachte in dem Moment wirklich nur an meine Bedürfnisse, wo er doch so gerne wieder nach Hause wollte. 

Ich sagte: „Nein, das geht schon irgendwie.“ Und das ging es auch, denn er gab mir seinen Aktenkoffer, den er als Handgepäck dabei hatte. Du musst wissen, dass wir sonst immer Rucksäcke als Handgepäck hatten, als hätte ein Teil von ihm schon geahnt, dass er diesmal etwas anderes brauchte. Nicht für ihn, sondern für mich. Zwar war es nicht erlaubt, bei Start und Landung etwas vor den Füßen stehen zu haben, aber auch hier bekam ich vom Universum alle Hilfe, denn sie machten eine Ausnahme. Ich hätte sonst nicht sitzen können.

Und weißt du was das beste ist? Der Flug dauerte sechs Stunden bis zu unserem ersten Stopp in Seattle und ich musste KEIN einziges Mal auf die Toilette. Verrückt, oder? Mein Körper war wie reingeschweißt in diesen Sitz, ich hatte keinerlei Schmerzen und neben mir saß auch noch Christine, eine Physiotherapeutin, die selbst schon eine Knie-Op hatte. Na, wenn das mal nicht kein „Zufall“ ist, dass der Christ höchstpersönlich neben mir wacht. Ich war in jedem Falle gut aufgehoben, behütet und beschützt.

Mit Vollspeed durch den Flughafen in Seattle

Als der Flieger in Seattle landete, musste ich warten, bis alle ausgestiegen waren. Das machte ich doch gerne und freute mich sehr, als mein Mann mich sogar abholen kam. Er war sehr besorgt und durfte sogar während des Fluges zu mir kommen, um nach mir zu sehen. Alles gut. Zumindest bis dahin.

Als wir am Gate standen kam ein liebenswerter großgewachsener Herr mit einem Rollstuhl, der wieder keine Hochlegefunktion für mein Bein hatte.

Kurzerhand organisierten sie etwas viel besseres, nämlich so einen wilden Flitzer, die meist mit älteren Frauen, samt Gepäck, durch den Flughafen heizen. Voll cool! So ein Ding wollte ich schon immer einmal fahren. Vor lauter grinsender Vorfreude entwickelte ich soviel Dopamin, dass ich sogar alleine auf das schnelle Gefährt klettern konnte. Schön weich diese Sitze, so mag das mein geschundener Körper.

Los ging die wilde Fahrt durch den Flughafen und ich musste mich wirklich gut festhalten, denn die Bremse war ein sehr abruptes fieses Ding. Dennoch machte es irgendwie Spaß und ich glaube mein Mann fand es auch ganz cool. Was man so alles mit einer Patella-Fraktur erlebt, hätte ich vorher auch nicht für möglich gehalten.

Das nächste Hindernis war die Schwebebahn, die nur durch einen Aufzug erreichbar war. Da passte mein neu liebgewonnenes Gefährt leider nicht rein und laufen wäre zu weit gewesen.

Natürlich gab es auch hier wieder eine Lösung. Der liebenswerte großgewachsene Herr bastelte mit den Krücken eine Hochlagerungsmöglichkeit, in dem er sie Mac-Gyver-mäßig seitlich durch den Schlitz am Rückenteil durchschob. Es hielt tatsächlich, jippie! Schwebebahn wir kommen!

Und es wurde noch besser, denn ich durfte mit meinem Ticket in den VIP-Bereich der Fluggesellschaft, mit chilligen Sitzen und Snackbuffet. Meinen Mann lud ich ein, denn ich wollte das mit ihm zusammen genießen. Zumindest was Genuss in diesem Moment für mich bedeutete: Sechs Stunden lang möglichst wenig auf die Toilette müssen und eine gute Sitz-Beinhochlege-Möglichkeit mit wenig Schmerzen.

Als ich endlich saß merkte ich, dass ich schon ziemlich angeschlagen war und mein Hals kratzte von der Klimaanlage. 

Plötzlich sagte eine junge Frau zu mir: „Hi, I am Lara, I am an Energy-Healer, do you need energy?“ Ich war sprachlos. Ich musste im Himmel sein. Natürlich wollte ich heilende Energie. Mega. Ich hatte sie vorher schon gesehen und mich bei ihr entschuldigt, weil ich ihr auf der langen knallrot gepolsterten Bank den Rücken zudrehen musste, damit ich mein Bein hochlegen konnte.

Lara legte ihre Hände auf meinen Rücken und ich spürte wie angenehme Wärme durch meinen Körper floss. 

Gegenüber saß ein Pärchen und er sagte: „I wanna be next“ und wir lachten alle. Ich fragte mich in dem Moment wie so eine Situation wohl in Deutschland wäre. 

Zum Glück war mein Mann zu dem Zeitpunkt auf der Toilette und kam erst wieder, als wir schon fast fertig waren. Ich wäre schon gerne mal in seinem Kopf, was er da wohl so denkt. Zumindest war er sehr ruhig und in sich gekehrt, als Lara und ich uns unterhielten. Über ihr neues Buch an dem sie schrieb, über heilende Zeichen, die sie gechannelt hatte und, dass sie auch in Kauai’i war, auf einer Heiler-Fortbildung.

Wir verstanden uns auf anhieb und erneut war ich unendlich dankbar für diese Begegnung. Natürlich tauschten wir Nummern aus, denn Lara liebt Germany und ich war noch nie in Canada, wo sie lebt. Wer weiß, was noch daraus entsteht. 

Und ihre Energie konnte ich wirklich richtig gut gebrauchen, denn es stand nun der größte Reiseabschnitt bevor. Der Flug von Seattle nach Amsterdam. 

Bitte lieber Gott mach, dass ich mich im Flieger hinlegen kann. Bitte!

Mit frischer Energie traute ich mich sogar alleine mit Krücken auf die Toilette. Ja, ich hatte große Angst hinzufallen und trotzdem wollte ich es alleine schaffen. Ich wollte mich auch ein wenig waschen und Zähne putzen, wir waren schon sehr lange unterwegs. Was für ein Kraftakt. Jedes Mal. Plus der Angst dass ich eine falsche Bewegung machen könnte, die höllische Schmerzen verursachte. Nein, dieser Teil machte keinen Spaß und der Nächste auch nicht.

Ich will nie wieder Fliegen!

Da stand ich nun, vor einem dieser Luxussitze, die man in eine Liegeposition per Knopfdruck fahren konnte. Was auf dem Hinflug noch ein weit entfernter Wunsch war, einmal in meinem Leben so etwas erleben zu können, war plötzlich wahr geworden. Doch konnte ich es wirklich genießen? Nein.

Ich hätte einiges darum gegeben, die Flugzeit in der Economy Class neben meinem Mann, ganz normal sitzend, zu verbringen. Denn er durfte nicht einmal zu mir kommen, um zu sehen wie es mir ging. So waren die Regeln in diesem Flieger. Nun musste ich zehn Stunden alleine klar kommen.

Natürlich war ich in dem Sinne nicht alleine, denn auch diesmal saß eine sehr nette Amerikanerin neben mir, die mir gleich ihre Hilfe anbot. Nur waren mein Mann und ich mittlerweile ein eingespieltes Team, er wusste genau, was ich wann brauchte, in welcher Geschwindigkeit und in welchem Bewegungsablauf. Vielleicht schaffe ich es ja irgendwie alleine.

Falsch gedacht. Ich hatte schon Probleme, mir den Sitz so zu justieren, dass ich mit den Krücken, meiner Schiene, meinem Rucksack, den Medikamenten und dem ganzen Bettzeug, denn da gab es sogar ein richtiges Kopfkissen mit Bettdecke, freie Fahrt hatte. Es war immer etwas im Weg und ich kam mir vor wie der letzte Depp. 

Irgendwie hatte ich es dann doch geschafft, den Sitz für den Start so einzustellen, dass meine Beine hochlagen und die Sitzlehne aufrecht blieb, wie es Vorschrift war.

Dann kam auch schon das Begrüßungskomitee. Echt jetzt. Jeder einzelne Passagier wurde mit dem Namen begrüßt und bekam die Menükarte. Krass. Natürlich wussten sie nicht, dass ich mich pflanzlich-vollwertig ernähre und ich wusste, dass ich Substanz brauchte, also stieg ich in diesem Ambiente auf vegetarisch um. 

Es gab sogar Porzellangeschirr und richtiges Besteck. Zu meinem Wellcome-Package gehörten außerdem High-End Kopfhörer. Du weißt schon, diese Dinge, die aussehen wie früher die Ohrenschützer. Zudem bekam ich eine Augenmaske, Zahnputzzeug, Creme, Ohrstöpsel, Socken, Taschentücher und Mundspülung. Doch am liebsten waren mir direkt neben mir die weißen Pillen, in Form von Ibuprofen und Hydrocodon. Oxycodon hatte ich abgesetzt. Doch das Hydrocodon brauchte ich dringend.

Ebenso dringend brauchte ich bald eine Toilette. Verdammt. Was mache ich denn jetzt? Jemanden fragen? Die Toilette war verdammt weit weg. Bestimmt zehn Meter. 

Also gut, Sitz wieder in die Ausstiegsposition fahren, alle Gerätschaften auf die Seite räumen und mir von meiner Nachbarin die Krücken geben lassen. Los geht’s!

Genau in diesem Moment war ich noch mehr dankbar um die amerikanische Variante der Krücken, denn so konnte ich sie mir in dem schmalen Gang unter die Achseln schnallen und mich gleichzeitig an der oberen Kante der Minikabinenwände festhalten, wo jeder seinen Hightechsitz hatte. Stück für Stück hangelte ich mich dann durch dieses gefühlte Nadelöhr und hatte bei jedem Schritt Schmerzen. Bitte lass mich bald ankommen! 

Mist. Da war nichts mehr zum Festhalten. Und der Flieger begann auch noch zu wackeln. Hilfe!

Ich entdeckte um die Ecke einen Getränkewagen und konnte mich dort irgendwie hinhangeln. Dort war auch schon die Toilette. Mit so einer fiesen Falttür. Oh, Mann. Ich fragte mich, wie ich das mit den Krücken nur hinbekommen sollte.

Und wieder kam im letzten Moment ein rettender Engel in Form einer Stewardess, die mir die Tür aufhielt. Die Toilette war so eng, dass ich die Türe offen lassen musste und mein Engel stand draußen schmiere, damit ich einigermaßen Privatsphäre hatte. 

Und das ganze wieder zurück. Schön langsam. 

Angekommen an meinem Platz startete die Aktion Sitzjustierung vs. zuviel Krempel erneut. War das anstrengend. Ich war fix und alle. Ich werde einfach nichts mehr trinken. Punkt.

Natürlich hatte ich mich nicht daran gehalten, zu den Tablette brauchte ich Flüssigkeit und musste irgendwann wieder. Da ich wusste, was auf mich zukam, versuchte ich es anzunehmen, wie es war.

Und siehe da, es tat weder weh, noch stellte ich mich dämlich an. Diesmal schaffte ich es sogar, die Toiletten-Tür zu schließen. Halleluja!

Der Flug verging leider nicht wie im Flug und langsam wurde es sehr unangenehm. Mir tat alles weh und ich war hundemüde. Ich hatte wirklich die Schnauze voll vom Fliegen und fragte mich, wie ich zu einem früheren Zeitpunkt hätte fliegen sollen, wo es mir noch schlechter ging. Was für eine Strapaze. Und wie sehr freute ich mich schon auf den Krankenwegen. Ich sah mich schon auf so einem gemütlichen Bettchen liegen und schlafen. Überhaupt einmal wieder so richtig für ein paar Stunden am Stück schlafen. Das wär’s. 

Irgendwann ging dieses Flug-Drama dann doch zu Ende und wir landeten in Amsterdam. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie glücklich ich war, als mich mein Mann abholen durfte. Er hatte sogar während des Fluges eine Stewardess gebeten, nach mir zu sehen und mich zu fragen, wie es mir ging. Ich flunkerte ein wenig, weil ich nicht wollte, dass er sich Sorgen machte. 

Doch er sah schon an meinem Gesicht, dass das kein Spaß hier war. Und seine Gesellschaft währte nur von kurzer Dauer, denn er musste seinen Anschlussflug nach Nürnberg bekommen. Ich wurde mit dem Krankenwagen weiter gefahren, weil der kleine Flieger nach Nürnberg kein Business-Class hatte.

Mir war zwar klar, dass wir uns bald wieder sehen werden, spätestens Morgen, aber es fiel mir unheimlich schwer ihn gehen zu lassen. 

Tatütata

Atmen Doris, atmen. Denn im Grunde wurde ich wieder gut betreut. Der Flughafen-Azubi brachte mich im perfekten Rolli mit Beinlift direkt zu meinem Koffer und anschließend zu den netten Herren, die den Krankenwagen abwechselnd fuhren. Und da stand sie auch schon am Ausgang des Flughafens: Meine neue Liegemöglichkeit. Juchuuh!

Die konnte man sogar hoch und runterfahren und ich wurde liegend bis zum Krankenwagen transportiert. Brrr, war das außen kalt.

Ja, einem Teil war es wieder peinlich, vor allem die Blicke der anderen Menschen. Der andere Teil war einfach zu erschöpft und wollte nur noch schlafen. 

Doch Schlafen war weit gefehlt und das Bettchen war halt kein weiches Bettchen, sondern eine eher harte Schalenliege. Heul.

Da half nur eines. Sieben Stunden Dauer-OM als Musikklänge direkt in mein Ohr und in alle meine Zellen, um meinem Körper was Gutes zu tun. Positiv Denken war ausverkauft. Und die Schmerzmittel schlugen auch nicht mehr wirklich an. 

Die beiden bemühten sich wirklich sehr, es mir so angenehm wie möglich zu machen, doch jedes Bremsen und Gasgeben war wie ein Schmerzschub und dann standen wir auch noch im Stau.

Da fragt man sich dann schon, für was das nun gut sein soll? 

Als wir spät am Abend im Krankenhaus ankamen wollte ich nur noch ins Bett. Aber zuerst kam das Aufnahmegespräch mit der Ärztin und ein neuer Verband um mein Knie. Was hätte ich in diesem Moment für eine Dusche gegeben. So musste der Einweg-Krankenhauswaschlappen und Katzenwäsche im Bett reichen. Und nein, es war mir gar nicht peinlich, dass die Krankenschwester meinen Koffer nach frischer Unterwäsche durchwühlen musste, weil ich selbst nicht mehr dazu in der Lage war.

Da lag ich nun. Im Krankenhaus in Deutschland. Und eigentlich hätte ich froh und glücklich sein müssen. Aber ich war es nicht. Ich war unendlich traurig und sehnte mich zurück nach Kauai’i.

Hier findest du alle Blog-Beiträge zu meiner Hawaii-Geschichte im Überblick

http://coaching-mit-phantasie.de/category/hawaii/