Wieder auf Kaua’i

– Anfang August 2019 – 

Neun Monate ist mein Unfall auf Kaua’i nun her und ich kann gar nicht fassen, was in dieser Zeit alles passiert ist. 

Hinter mir liegt ein trister Winter auf dem Sofa und eine sehr herausfordernde Erfahrung mit Rollstuhl und Krücken auf einem Kreuzfahrtschiff. Gefolgt von einer finanziell sehr angstvollen Zeit, weil ich nicht in dem Maße arbeiten konnte – wo ich mich doch erst ein halbes Jahr vor dem Unfall komplett selbständig gemacht hatte.

Der Januar gab mir sehr viel Mut, da fast alle meine Workshop liefen und mein Knie alles mitmachte bis Anfang Februar, als mein erstes Yoga-Wochenende stattfand. Die wochenlange Infektion begann zu nässen und ich musste wieder ins Krankenhaus – die Schrauben mussten raus. Zum Glück war die Kniescheibe komplett verheilt, viel früher als erwartet.

Der März brachte mich erneut an meine Grenzen mit zwei OPs in drei Tagen und der Öffentlichmachung unserer Trennung. Im Grunde hatten mein Ex-Mann und ich das gemeinsam schon früher entschieden, aber wir hatten es noch nicht unseren Eltern gesagt.

Mein Knie heilte ab dem Moment schneller, als ich entschieden hatte wieder nach Kaua’i zu fliegen.  Die Ärzte meinten ich müsse auf jeden Fall drei Wochen im Krankenhaus bleiben. Nach einer Woche war ich draußen.

Den Flug hatte ich zu einem Zeitpunkt gebucht, wo ich weder lange sitzen konnte noch genügend Geld hatte. Doch Kaua’i hat mir geholfen. Im Mai konnte ich wieder arbeiten und Seminare geben. Der Verkauf meiner Sachen lief so easy, ebenfalls meine letzten Events in meinem Yoga-Coaching-Raum, den ich so liebevoll eingerichtet hatte.

Meine kleine Abschiedstour durch Deutschland war ein Traum, ich konnte wieder Auto fahren und alle meine Freunde besuchen. Alles lief rund und ich hatte Energie für alles was anstand.

Als dann der endgültige Abflug bevorstand hat es mir im wahrsten Sinne des Wortes die Füße weggezogen. So unfassbar stark war die Angst vor dem Loslassen meiner alten Beziehung und dem vertrauten zu Hause. Mein ganzes System war völlig außer Kontrolle, meine Hände haben gezittert und ich war einfach am Limit.

Ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass sich der Weg des Herzens NICHT immer gut anfühlt und trotzdem war es im Nachhinein so wichtig, dass ich diese Schritte gegangen bin. Ich musste da einfach durch, auch wenn ich diese Phrase nicht mag.

Ich MUSSTE durchhalten, auch wenn das Wort „muss“ in der Yogaszene gerne durch „darf“ ersetzt wird. Ich MUSSTE, sonst wäre ich in den ersten Tagen in Kaua’i wieder Heim geflogen. Nur welches „Heim“? In meinem Auto?

Zum Glück haben mich meine Freunde davon abgehalten und mich gebeten, es wenigstens für zwei bis drei Wochen zu versuchen. Und tatsächlich wurde es nach zwei Wochen besser und besser.

Plötzlich konnte ich diese wundervolle Insel wieder spüren, die unfassbare Schönheit mehr sehen und bin Stück für Stück bei mir selbst angekommen.

Nun sitze ich hier am Esstisch auf Kaua’i, in dem Haus, wo ich letztes Jahr schon war und blicke nach draußen in dieses endlose Grün. Der sanfte Wind bläst um meinen Körper und ich beobachte wie die Bäume, Äste und Blätter sich mit dem Wind bewegen.

Sechs Wochen bin ich nun schon hier. Sechs lange und doch so kurze Wochen. Ich kann mich gar nicht wirklich erinnern, was ich alles gemacht habe. Es fühlt sich manchmal wie nichts an. Doch wenn ich die Momente hochkommen lasse, dann ist sehr viel passiert. Vor allem in mir. Und nun kommt Wind auf und untermalt meine Gedanken.

Weißt du, die Insel reagiert auf alles, was du denkst und sagst. Zumindest erscheint es mir so. Jeder Hahn, der kräht, jeder Hund, der bellt, jede Welle, die sanfter oder stärker an den Strand kommt. 

Wusstest du, dass die hawaiianischen Inseln am weitesten vom Festland weg liegen? Ich wusste das bis zum meinem vierten Aufenthalt nicht. Aber in dem Moment wurde mir klar, warum hier soviel Heilung passiert. Weil du die Chance hast, wirklich weit weg von allem zu sein, was dich sonst nicht bei dir sein lässt. Was dich immer wieder reinzieht in diese Box. 

Ich liebe das Meer, vor allem den Pazifik und liebe es, ihn überall zu sehen. Auch wenn hier der Ozean nicht gerade zimperlich mit dir ist. Ich bin zwar eine gute Schwimmerin, aber ich würde nicht an jeder Stelle ins Wasser gehen, um zu schwimmen. 

So sanft und liebevoll die Insel manchmal erscheint, so kraftvoll und ebenso gnadenlos kann sie sein. Sie zeigt dir alles in direktester und reinster Klarheit. Sie geht für mich tiefer als jeder andere Ort in mein System hinein.

Du kannst nichts zurückhalten, nichts beschönigen, nichts aufhalten. Wenn es dich trifft, dann mit voller Wucht. Und trotzdem ist sie für mich wie eine Mutter, die nur das beste für ihr Kind möchte. Ich fühle mich von ihr gehalten und getragen. Geführt und geleitet.

Sie zeigt mir jeden Tag, auf was es wirklich ankommt. Go with the „FLOW“ und „TRUST“ sind hier keine leeren Worte mehr. Sie sind das, was die Insel mich absolut und ohne Umschweife lehren möchte.

Und jedesmal wenn ich mir selbst wieder zu viel Druck mache oder meine, ich möchte das jetzt noch beenden, obwohl ich nicht mehr in der Freude und im Flow bin, schiebt sie mir gnadenlos einen Riegel vor: Das Internet streikt, mein Laptop stürzt ganz ab oder es beginnt zu regnen, damit ich NICHT mein Tagesprogramm „durchziehen“ kann.

Je mehr sich mein Ego aufbäumt, desto mehr zeigt sie mir, dass es so NICHT geht. 

Dann kommt ein tiefer Atemzug in mir, der meine Gedanken bestätigt. Denn im Grunde wissen wir das schon tief in uns drin – oder?

Und doch kämpfen wir weiter und weiter. Weil wir es nicht anders gelernt haben. Weil wir doch nur unser Bestes geben wollen. Weil wir immer irgendwo hinwollen, obwohl wir doch schon längst da sind. Hier auf dieser wunderschönen Erde.

Du willst nicht wissen, wie lange es für mich gedauert hat, hier wirklich auf der Erde anzukommen. Manchmal bin ich wieder nicht da und verpasse den nächsten lebendigen Moment, den nächsten kraftvollen Atemzug, das nächste Zurücklehnen in den Stuhl, um die Augen zu schließen und noch klarer zu werden.

Klarer zu werden, was ICH wirklich will, unabhängig von anderen Menschen. Was MEIN Weg ist, den nur ich gehen kann und niemand anders für mich. Wofür mein HERZ wirklich schlägt. Unter anderem für diese traumhafte Insel, die wie alles auf dieser Erde auch ihre Schattenseiten hat.

Und das alles tippe ich nichtsahnend, was der August noch so alles für Veränderungen mit sich bringen wird, die bereits irgendwo in den Sternen geschrieben wurden, wahrscheinlich durch meine eigene Handschrift …

– To be continued – 

Meine aktuellen Workshop- und Coachingtermine findest du hier:

https://coaching-mit-phantasie.de/termine/

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