Magical Kalalau Trail – Teil 2

Als wir zum Boot liefen erschien wie aus dem nichts ein Mann auf der linken Seite. Er streckte mir seine Hand entgegen und sagte: „Hi, ich bin Ben.“

Woooow! Du bist also Nummer Sechs. Mir fiel fast der Kinnladen herunter. Was für ein wahnsinnig gut aussehender Typ, wenn auch sehr jung. Was für ein schönes Gesicht. Erinnerte mich ein wenig an meinen ersten Freund. Bis auf die Augenfarbe, die erinnerte mich eher an meinen Ex-Mann. Nein, diesen Schmerz brauche ich gerade nicht.

Während ich so in meinen Gedanken war liefen wir Richtung Boot und Marcus stellte mir Henry vor, der das ganze organisiert hatte. Er sah ein bisschen aus wie ein uriger Waldzauberer, so wie früher in den Märchen. Es fehlte nur noch der Umhang und der Zauberhut. Und so ein Stock wie Gandalf hat. Vielleicht war er ja Gandalf nur in Kleiner?

Ich bin mir nicht mehr sicher wann es genau war, aber irgendwann kam ein noch jünger aussehender Typ mit einem Dauergrinsen im Gesicht auf mich zu. Mit Brille und Cap. Groß, sehr schlank und verdammt jung.

Na gut, dann mache ich eben heute mein eigenes Ding. Da reiße ich den Altersdurchschnitt ja gewaltig nach oben.

Seltsamerweise ist mir in dem Moment total entgangen, dass das Tristan war. Der Name der sich so gut anfühlte. In meinen Gedanken hing ich noch in der Ben-Schleife fest.

Als wir alles gut verstaut hatten, stiegen wir nacheinander auf das Boot und nahmen unsere Plätze ein. Unser Tourguide ließ das Motorboot an, drehte die Musik auf und drückte so abprupt auf das Gaspedal, dass ich mich festhalten musste.

Wohooo! Ich konnte einfach nicht anders und musste bis über beide Ohren grinsen. What a feeling! Ich nahm ein paar tiefe genussvolle Atemzüge während die einzigartige kauaianische Bergkulisse  an uns vorbeizog.

War das intensiv. So kraftvoll. Und vor allem so ein unglaubliches Gefühl von Freiheit! Ich kann dir gar nicht sagen, wann ich mich das letzte Mal so frei gefühlt hatte. Die Musik, die Wellen, die Geschwindigkeit, der Wind und die Szenerie war einfach atemberaubend schön. Der absolute Hammer!

Ich finde gar keine richtigen Worte dafür. Diese Erinnerung hat sich so tief in mir eingepflanzt und ich könnte noch weiter nach Worten ringen, die im Ganzen nicht das beschreiben können, was ich in dem Moment fühlte.

Während ich mich einigermaßen von dem emotionalen High erholt hatte, betrachtete ich Ben von der Seite, der genau links neben mir saß. Er trug einen safariähnlichen Hut und machte Bilder mit seiner Kamera. Sehr gut, vielleicht kann er mir ein paar davon schicken. Er sah sehr ruhig und zurückhaltend aus.

Tristan mit dem 180 Grad Dauergrinsen dagegen gar nicht. Er schien sehr offen zu sein. Wenngleich ich sein permanentes Dauergrinsen nicht zuordnen konnte. War es echt? Es schien nahezu echt und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es irgendwie übertrieben war.

Er erinnerte mich an jemanden, den ich aus dem Triathlon Verein kannte. Er war damals auch sehr jung und eher dunkelhaarig, aber ein echt lieber Mensch. Es ist schon seltsam wie sehr unser Gehirn Dinge sucht, an die es andocken kann, um Menschen oder Situationen einordnen zu können, damit wir uns vermeintlich sicher fühlen.

Und glauben zu meinen, wie jemand ist. Ich hatte definitiv keine Ahnung von Tristan. Und trotzdem war da dieses Gefühl von „dieser Mensch ist ein ganz ein Lieber“. So ähnlich wie ich, dachte ich. Ich fand mich lieb? Naaa jaaa. Nicht immer. Ich gebe immer wieder mein Bestes, jeden Tag aufs Neue. Ich bin alles andere als perfekt. Und er war es wahrscheinlich auch nicht. Wir alle haben unsere Schattenseiten und Themen. Und das ist gut so, sonst wäre es ja total langweilig.

Aber an das dachte ich in dem Moment überhaupt nicht. Es ist alles auch nur meine Wahrnehmung, also glaub mir am besten kein Wort ;-)

Es war so ein Gefühl von verbunden sein und doch nicht. Jemand der da drüben ist und einfach total lieb ist. Ich konnte weder seine Energie fühlen noch sein Herzchakra. Es war wie ein tiefes Wissen, dass einfach so da war. So als könnte ich mich völlig in ihn hineingeben und mir würde nichts passieren. Und wieder finde ich nicht die richtigen Worte für dieses Gefühl. War es tiefes Vertrauen?

So langsam kamen wir dem geheimen Strand näher und meine Aufregung stieg, da wir vom Boot aus ans Ufer schwimmen mussten und der Wellengang ganz schön hoch war.

Bademütze und Brille auf, Ohrstöpsel rein und Flossen an. Zum Glück konnten wir ganz nah mit dem Boot ranfahren und es wäre im Grunde gar nicht notwendig gewesen, die ganze Schwimmausrüstung auszupacken. Egal. Ab ins Wasser.

Ratzfatz hatte ich Boden unten den Füßen. Aber nur für kurze Zeit, denn dann kam die nächste Welle und zog mich wieder ins Meer hinaus. Verdammt, die Strömung war ganz schön stark. Zum Glück kümmerte sich Marcus um meinen Rucksack. Mann oh Mann. Dann surfe ich eben die nächste Welle.

Mehr schlecht als recht war ich dann endlich am Ufer und hatte den halben Sandstrand unter meinem Schwimmbikini. Aber nochmal ins Wellengetümmel wollte ich dann doch nicht.

Ich sah mich um. Schön war es hier, sehr dschungelhaft. Mir war ein bisschen kalt, es war noch sehr früh und die Sonne versteckte sich hinter den Wolken. Erst einmal umziehen und schauen, was die anderen so machen.

Irgendwie wollte ich plötzlich nicht mehr alleine bleiben und Marcus meinte, ich könnte doch mit den anderen mitgehen. Hm, sollte ich das machen?

Als mein inneres Meeting abgeschlossen ging ich kurzerhand zu Tristan und fragte ihn, was sie machen. Sie wollten wandern, zu Wasserfällen. Autsch. Da war es wieder mein Trauma. Und doch war es unwiderstehlich verlockend.

Und mein Knie? Ob ich das schaffe? Irgendwas in mir wollte mit und so habe gefragt, ob ich mit kann. Auch wenn ich echt bedenken hatte. Er sagte: „Klar“.  Und so liefen wir auch schon los.

Ups. Plötzlich realisierte ich, dass Henry sich seiner ganzen Kleidung entledigt hatte. Äh, ok. Marcus sagte etwas von Hippiestyle und eigentlich bin ich auf FKK-Stränden aufgewachsen. Trotzdem war ich erst einmal ziemlich überrascht. 

Während Henry durch den dichten bewachsenen Trail vorausging, tauschte ich mich mit Tristan und Ben aus, wo wir herkamen, was wir so machten. Der übliche Smalltalk.

Ich kann dir nicht sagen, was in dem Moment in mir passiert ist, als die beiden Jungs sagten, dass sie aus BC, British Columbia, kamen.  

Biiisiiii hallte sofort durch mein ganzes System. Wie schön das klang. Mir war als hätte ich mich in dem Moment in zwei Buchstaben verliebt, ohne zu wissen, was ich dahinter verbarg, denn ich war noch nie in Kanada …

– to be continued –

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