Magical Kalalau Trail – Teil 3

Tristan fragte mich, was das für Schuhe sind und meinte, dass sie bequem aussehen. Ich sagte, dass das Barfusschuhe sind. Ich liebe Barfusslaufen und liebe dafür Kaua’i noch mehr, weil es immer schön warm ist, damit ich barfusslaufen kann. Auch wenn ich dann ziemlich inseluntypisch bin, denn die meisten haben Flipflops an. Damit kann ich gar nicht lange laufen.

Ich erzählte, was ich noch alles so für Trails machen wollte.  Ich wollte unbedingt noch den Trail machen, den mir Lilly aus Norwegen empfohlen hatte. Er beginnt an der Northshore und heißt irgendwas mit K. Tristan fragte: „Kalalau?“ Ich: „Genau!“. Er: „Das ist Kalalau, nur von der anderen Seite“.

Ne, oder? Also Universum du bist ja ein ausgeklügeltes Dingelchen. Zs Zs.

Ja, die beiden waren echt nett. Ich hatte mich sofort wohl und gut aufgehoben gefühlt, obwohl ich sie gar nicht kannte. Bis mir dann der Mund sperrangelweit offen stand, als wir am ersten Wasserfall ankamen und die beiden ebenso splitterfasernackt waren wie Henry. Jesus Christ.

Muss ich mich jetzt auch ausziehen? Für einen kurzen Moment zog ich es in Erwägung, schließlich geh ich ja auch in die Sauna und bin im Grunde nicht so „gschamig“, wie man das so liebevoll auf bayerisch sagt. Dennoch sagte ein Teil in mir ganz klar nein. 

Henry fragte mich, ob ich auch mit ins Wasser möchte. Ich war unschlüssig. Mein Unfalltrauma war einfach noch zu groß und ich hatte immer noch einen riesigen Respekt vor Wasserfällen. Er meinte auch, dass der Wasserfall sehr stark ist. Dann lieber nicht.

So beobachtete ich von der Ferne, wie alle drei nacheinander den Wasserfall zur Rückenmassage nutzten – verdammt, das will ich auch! Spontan krabbelte ich über die Felsen zum Wasserfall. Der Schwall war so stark, dass ich Mühe und Not hatte direkt hinzukommen.

Geschafft! War das cool! Das war ja wie die Massagendüsen in den Thermen. Nein, noch besser! Während ich nahezu angstfrei die kauaianische Deluxevariante einer Wasserfallmassage genoß, machte Tristan Bilder von mir und plötzlich fing ich an mir Posen für die Kamera zu überlegen. Ich.

Normalerweise steh ich lieber hinter der Kamera. Und er fotografierte mich beharrlich weiter. Ebenfalls als ich wieder aus den Fluss stieg und zu meinem Rucksack ging. Ich kam mir langsam vor wie bei den Paparazzi.

Wieso fotografiert der mich andauernd? War es mir unangenehm? „Ist es ok, wenn ich von dir Fotos mache?“ kam auch schon die Frage, als könnte er meine Gedanken lesen. „Ja, ja, ist schon ok“, gab ich zur Antwort. In dem Moment, als ich es aussprach realisierte ich, dass es mir wirklich nichts ausmachte.

Krass. Bisher hatte ich mich nur bei einer Person vor der Kamera wohlgefühlt und das war Katharina Kraus von seelenportraits.com, die meine Bilder für die Website machte. Dass mir das bei einem Mann auch so gehen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Dieser Tag schien voll mit Überraschungen zu sein …

Irgendwann liefen wir weiter und Henry hielt mir eine weißgelbliche Blüte hin. „Die kannst du essen“ sagte er.  „Erst den Stil abbeißen, dann aussaugen und dann kannst du den Rest essen.“ Es war eine Gingerflower. Boah, war das lecker und echt scharf, wie Ingwer. Jetzt bekam ich sogar noch eine tollen Unterricht über essbare Pflanzen.

In dem Moment musste ich an meine Ernährungsberaterausbildung und die Kochwoche im wunderschönen TamanGa in der Südsteiermark denken. Der Koch dort kannte sich ebenfalls bestens aus mit allen möglichen Kräutern und essbaren Pflanzen. Ich fand das damals schon total interessant und wollte mehr darüber lernen. Gewünscht. Geliefert. Und das fast auf den Tag genau ein Jahr später.

Universum du bist schon manchmal ein verrücktes Huhn.

Schon hielt mir Henry den nächsten Gaumenschmaus vor mein Gesicht. „Öffnen und aussaugen.“ Lecker! Fühlte sich auf der Zunge an wie Maracuja, schmeckte aber anders und ich fragte was es ist. Tristan sagte grinsend: „Das ist Passionfruit, also Marajuca.“ Na, toll Doris, die denken ja, dass du völlig bekloppt bist. Aber in Deutschland sehen die wirklich anders aus!

Wow, der nächste Platz war einfach nur noch traumhaft. So unfassbar schön! Er lag wieder direkt neben einem kleinen Wasserfall. Im Nachhinein wird mir bewusst, wie grotesk das ganze eigentlich ist. Letztes Jahr hatte ich mein schrecklichstes Erlebnis an einem Wasserfall und an diesem Tag zogen wir von einem zum Nächsten. Von Wasserfall zu Wasserfall und immer mehr die Angst zu verlieren und zu heilen. Mir war an dem Tag gar nicht klar, wie sehr.

Ich hatte das tiefe Bedürfnis mich einfach auf den flachen warmen Felsen zu legen und fühlte wie mein ganzes System herunterfuhr. Ich war komplett im Hier und Jetzt und mein Geist war völlig still. Ich genoss in vollen Zügen diesen Moment und bekam überhaupt nicht mit, dass in der Zeit Tristan schon wieder Fotos von mir machte. Obwohl eine Sache fühlte ich. Mir wahr, als würde er energetisch für einen Moment über mir liegen. Spooky.

Ich genoss einfach da zu liegen und nichts zu denken und einfach nur zu sein. Irgendwann rief Henry aus dem Wasser Tristan etwas zu, ob er ihm etwas bringen könnte. Tristan sagte ganz trocken: „Nein“.

Keine Ahnung warum, aber ich musste so sehr lachen und er auch. Ich habe mich überhaupt nicht mehr einbekommen und er genauso wenig. Kennst du diese Momente wo du dich einfach nur wegschmeißt vor lauter Lachen und du weißt gar nicht warum? Und, dass es auch sowas von egal ist, weil es einfach so lustig ist.

In dem Moment realisierte ich plötzlich, dass er mit seinem Kopf genau an meinem gespiegelt von mir lag. Ich war so versunken in mir, dass ich das vorher gar nicht gemerkt hatte.

Was für ein toller Moment. Lachen konnte ich mit ihm also auch noch. 

Kurz darauf haben wir ein kleines Picknick gemacht und sie hatten tatsächlich Mandelmus dabei. Mandelmus! Ich liebe Mandelmus! Ich erfuhr, dass Tristan eine Glutenunverträglichkeit hat und sich fast vegan ernährt. Na, zum Glück waren meine mitgebrachten Kräcker glutenfrei …

– to be continued –

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