#4 Kanada: Auf dem Herzensweg

Das Wander-Gefühl war soooo fantastisch! Endlich wieder so richtig die Berge hoch und den Atem beschleunigen und sich verausgaben.

Es war im Grunde von 0 auf 100, da ich auf Kaua’i mit meinem Knie noch nicht wanders konnte.

So war ich umso glücklicher! Zum Glück hatte ich warme Sachen dabei. Warum auch immer, denn auf Kaua’i hatte ich definitiv keine langen Sachen gebraucht ;-)

Das Packen vor Kaua’i in Deutschland war schon verrückt. Ich hatte genaue Anweisung von den Spirits bekommen, was ich einpacken soll und was da bleibt. Voll crazy. 

Sag mal Kaua’i hast du dir das schon vorher alles so ausgedacht? Du wirst mir immer unheimlicher.

Und trotzdem vertrau ich dir. Du wirst schon wissen, was du tust. Du bist schließlich Kaua’i. 

Natürlich hatte ich mich wieder einmal verlaufen. Eigentlich wollte ich mir die Shannon Falls ansehen. Und dann habe ich gesehen, dass der Weg noch weiterführte. Mein Erkundungsdrang war einfach zu stark.

Plötzlich stand ich vor einer unendlichen Treppe nach oben. Wo es da wohl hinging? So lief ich Stufe um Stufe den Berg hoch.

Hatte jedoch nicht bedacht, dass es auch irgendwann dunkel wird. Also musste ich leider wieder umdrehen.

Was meinem „Ich-muss-das-aber-jetzt-zu-Ende-bringen-Antreiber“ gar nicht gefiel …

Als ich zurücklief stand ich plötzlich vor einem kleinen Campingplatz. Hm, komisch. Du warst vorher noch nicht da Campingplatz!

So bin ich wieder zurück und wieder vor und wieder zurück und wieder vor. Und es wurde immer später und später. Verdammt. Das kann doch nicht so schwer sein.

Es nützte nichts, ich musste um Hilfe fragen. Und da kam mir auch schon ein netter Kalifornier entgegen, der mir den Weg zum Auto zeigte. Thank God.

Die ellenlange Treppenaufgang führte übrigens zum Stawamus Chief.

Witzigerweise hatte mein Host genau diesen Trail empfohlen, den ich unbedingt machen wollte. Und plötzlich stand ich davor, ohne zu wissen, dass es das ist.

Erinnerte mich an den Kalalau Trail auf Kaua’i. Ich will irgendwo hin und dann bin ich plötzlich da – ohne zu wissen, dass es das ist. Sensationell :-)

Danke, Universum.

Selbstverständlich konnte ich dieses „Nicht-zu-Ende-bringen“ nicht auf mir sitzen lassen und musste am nächsten Tag noch einmal hin. Mit Erfolg :-)

Als ich oben angekommen war, war ich einfach nur selig. Und HUNGRIG. 

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Whistler. Ich hatte mir ein tolles Studio gegönnt, so richtig schick. Und das Beste war: Ich hatte den Außenpool komplett für mich alleine. War das genial! Die Luft, die Bergkulisse und eine Bahn nach der anderen zu ziehen. Ein Traum.

Auf dem Weg dorthin musste ich unbedingt noch bei den Brandywine Falls Halt machen. Wenn Napali Kai den mir schon „highly recommended“ – vor allem das Erlebnis zum Wasserfall nach unten wandern – dann ist ja wohl klar, dass ich das mache. Schließlich kann ich nicht meinem selbstpersönlichen Reisplaner widersprechen. Er wird schon wissen, was er mir empfiehlt.

So bin ich losgezogen Richtung Wasserfall-von-unten-anschauen und war total stolz auf mich, dass jegliche Beschreibung mit dem übereinstimmte, was ich sah. 

Vorerst. 

Jedoch hielt diese Glückssträhne nicht dauerhaft an. Ich wollte mir schon fast selbst einen Orden überreichen – für herausragende Orientierungsleistungen. Bis ich dann vor einem Schild stand mit der Aufschrift: „Area Closed. No Access.“ mit der Androhung einer Geldstrafe. Äh. Okay. Dann lieber nicht. 

Ade Orden. Wäre ja auch zu schön gewesen. So ein Mist.

Als ich dann schweren Herzens zurück lief passierte das Unfassbare: Der Weg war voll mit Herzen in Form Steinen!

Ich traute meinen Augen nicht und konnte gar nicht aufhören ein Foto nach dem anderen zu machen, weil es mir so unwirklich vorkam. An jeder Ecke sah ich sie. Irgendwann hatte ich es aufgegeben Bilder zu machen, denn der Herzensweg riss nicht ab.

Das Scheitern war dann gar nicht mehr so schlimm, wenn man mit so tollen Überraschungen belohnt wird :-)

Nichts desto trotz liebe Brandywine Falls, wir beide haben da noch eine Rechnung offen. Beim nächsten Mal kommst du mir nicht so leicht davon! 

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–> The Beginning:

Hier findest du alle Blogartikel zu Hawaii und meinem Unfall dort

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–> Hier zu Canada und wie die magische Reise weiterging