Magical Kalalau Trail – Teil 5

Nach dem Essen sind wir zum nächsten Wasserfall gelaufen und der war noch viel cooler! Man konnte sich dahinter stellen und das wollte ich natürlich auch ausprobieren! Die Strömung war so stark, dass ich Mühe und Not hatte hinzukommen.

Tristan und Ben waren schon direkt dort und Tristan reichte mir seine Hand, um mich an den Wasserfall heranzuziehen. Komisch, dieses „mir-von-ihm-helfen-zu-lassen-Ding, machte mir irgendwie gar nichts mehr aus. 

Schwupp und schon war ich hinter dem Wasserfall. Kihihi. Das war lustig. Vor allem sich dann von der Strömung ein Stück weit nach vorne treiben zu lassen. Vor und wieder zurück. Vor und wieder zurück. Mein Spieltrieb war geweckt! Und ich ahnte ja nicht, dass Tristan schon wieder heimlich von mir Bilder machte, zumindest so, dass ich es nicht mitbekam.

Brrr, war mir kalt und so kletterte ich auf den Felsen links daneben und ließ mich von den Sonnenstrahlen wieder aufwärmen.

Tristan saß irgendwann neben mir und fragte mich, ob ich ihm den Rücken eincremen könnte, was ich natürlich machte. So setzte ich mich hinter ihn und cremte die viel dick aufgetragene Sonnencreme sorgfältig ein. Nein, das habe ich nicht Absicht gemacht, ich hatte ja keine Ahnung, dass die so ergiebig ist!

Ich weiß nicht mehr wie, aber plötzlich saßen wir uns gegenüber und unterhielten uns über sein Studium. Er studierte Medizin. Oh nein, ein Schulmediziner. Er ergänzte gleich, dass er das nur studiert, weil er möchte, dass sich in dem Bereich etwas verändert, denn im Grunde interessierte er sich für alternative Heilmethoden, Kräuter und so – und wollte noch eine Yogalehrerausbildung machen. Oh!

Ich sagte ihm, dass ich Yogalehrerin bin und er fragte mich, welche Richtung. Ich sagte Vinyasa und Yin, aber dass ich weniger die „Flow-Tante“ bin, sondern die Menschen lieber jede Position mehr fühlen lassen. Er sah das genauso.

Ich kann dir nicht sagen, was in diesem Moment passiert ist, als ich ihm gegenüber saß und wir redeten. Als hätte ich irgendwas gesehen. Erkannt. Mich erinnert? Oh mein Gott …

Mir wurde ebenso schlagartig klar, dass Aussehen so etwas von zweitrangig war, wenn es um Energie und Resonanz geht.

Ja, Tristans Energie dockte in diesem Moment genau an mein System an und ich wusste von einem Moment auf den anderen etwas … ja, was wusste ich?

Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung. Was war das nur? Was wusste ich?

Wenn ich während des Schreibens auf mein Handy blicke mit den Screenshots der Zitate mich auf Instagram, die mich die Tage vorher fast angesprungen hatten, dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Einen Tag vorher hatte ich einen Screenshot gemacht von folgenden Worten:

„Souls recognize each other by vibes, not by appearances.“

Mein letzter Post auf Instagram war mit einem Bild auf dem zwei Baumstämme zu sehen waren, im Hintergrund das Meer. Auf dem rechten war ein Schild „Forever“ mit einem Herz. In dem Moment dachte ich an meine Ex-Mann und schrieb unter den Text:

„Every you. Every me. Every path is sacred.“ 

Ich konnte ihn plötzlich gehen lassen. Sein lassen. Ich war am Tag zuvor wie bei mir angekommen.

Das nächste Bild auf meinen Handy war das Meer. Ich hatte das Foto genau um 3:33 gemacht. Was die 333 bedeutet, sollte ich noch erfahren.

Lass uns wieder an den Trail gehen.

Ab diesem Moment glaubte auch ich nicht mehr, dass er auf Männer stand. Konnte ich meinem Gefühl trauen? Oder war es nur Wunschdenken? Mein Ex-Mann sagte so oft, wenn ich etwas in ihm wahrnahm, dass es nicht stimmte und mein Gefühl eben falsch wäre. Das hat mich immer wieder verunsichert. Vor allem mir selbst zu vertrauen.

Bald zogen wir wieder los und mussten uns langsam auf den Rückweg machen, denn das Boot holte uns bald ab.

Da war sie wieder meine Angst. Bitte nicht rennen, ich kann mit meinem Knie nicht so schnell.

Tristan und Ben wollten sich unbedingt noch einmal an einem der Wasserfälle eine Rückenmassage gönnen und ließen sich dafür reichlich Zeit.  Ich kann dir nicht sagen was es war in dem Moment, aber irgendwie beschlich mich das Gefühl, dass Tristan zu 100% darauf bedacht war, dass es ihm gut ging.

Was im Grunde nicht schlecht ist. Wir können nur für andere da sein, wenn es uns selbst gut geht und wir in unserer Kraft und Energie sind. Dennoch war da irgendetwas was nicht das Bild passte.

Halte mich für verrückt, aber ich habe sehr feine Antennen dafür, wenn sich irgend etwas nicht stimmig anfühlt. Dennoch schob ich den Gedanken wieder weg.

Gott sein Dank war meine Angst wegen des Rückwegs völlig unbegründet. Denn alles war perfekt entspannt. Ich entschied mich sogar auch barfuss zu laufen.

Mitten durch den Schlamm. Das machte Spaß! Hihi. Ich meine andere zahlen ein Heiden Geld für Schlammpackungen an einem Wellness-Wochenende. Hier gab es alles gratis aus der Natur.

Weißt du, manchmal frage ich mich sowieso warum wir die Dinge manchmal so kompliziert machen, wenn sie doch viel einfacher gehen. Warum irgendwelche Dinge künstlicher produziert werden, wenn es doch alles in seiner Urform schon gibt. Nur weil es irgendwie schicker oder stylischer ist? 

Und die größte Frage ist, die mich schon seit Jahren beschäftigt: Warum glauben wir, dass wir es besser machen könnten, als die Natur, in der alles seit Jahrmillionen perfekt angeordnet ist. Alles greift ineinander und ist aufeinander abgestimmt. 

Da können wir nur scheitern. Wo wir in dieser Geschichte nur einen Wimpelschlag ausmachen und mit jedem Eingriff die Dinge nur schlimmer machen zu scheinen. Ich wünschte, das würde aufhören …

So stapften wir durch den Schlamm, stiegen über Äste und kletterten erneut über Felsen. Mit jedem Schritt wurde ich immer mutiger und brauchte fast keine Hilfe mehr. 

Was für eine heilende Wanderung.

Irgendwie waren Tristan und ich schon wieder alleine unterwegs. Wo waren die anderen nur geblieben?

Ich weiß auch nicht warum, aber ich erzählte Tristan in der Kurzusammenfassung mein letztes Jahr und auch das Ende meiner Ehe. Das Komische war, dass ich gar nicht mehr weinen musste. Der Schmerz war auf einmal weg.

Er wollte mich trotzdem in den Arm nehmen, aber das wollte ich in dem Moment gar nicht, weil ich das Gefühl hatte, dass ich gar keinen Trost mehr brauchte. Wow.

Ich fragte ihn, ob er vielleicht mit Zweitnamen Kai heißt. Ja. Kai. Dieser Kai, der seit 2016 immer wieder energetisch in mein Leben purzelt und ich bis heute nicht weiß, wer dieser Kai ist. Mal ist der da, mal wieder weg.

In einer Lomi-Session mit Katharina von Touch Kaua’i kam heraus, dass u.a. auch ich Kai bin. Kai heißt auf hawaiiansich auch „Meer“ und Doris unter anderem „die aus der See kommende“.  Was Sinn macht, weil ich mich mit dem Meer so sehr verbunden fühle. Vor allem mit dem pazifischen Ozean.

Irgendwas war da noch. Erst die Tage zuvor kam ein Lied auf meinem iPod von Mr. Big „To be with you“. Wir war, als hätte mir jemand dieses Lied geschickt. Es kam auch sofort ein Bild von einem Mann, der total lieb war, aber kleiner und älter aussah als Tristan.

Ein weiteres Lied, dass schon im Winter gehört hatte und mir dachte: „Wieso hatte ich das Gefühl, dass mir jemand diesen Song schickt? Mein Ex und ich waren einkaufen und es lief im Supermarkt von Ed Sheeran „Perfect“. Klingt total verrückt, ich weiß. Oh Gott, ich bin verrückt. Ziemlich. Das ist mein Schatten ;-)

Und nun zur Aufklärung: Nein, sein Zweitname war nicht Kai. Wäre ja auch zu einfach gewesen.

Ich erzählte weiter von meiner Zeit auf dem Sofa, wie sehr mir sportliche Bewegung gefehlt hatte und wie schrecklich es für mich war, dass ich die ersten Wochen, als ich wieder auf Kaua’i war, die Insel gar nicht fühlen konnte, weil ich so in meinem Schmerz gefangen war.

Er erzählte mir, dass es ihm im Dezember letzten Jahres auch nicht so gut ging, als er hier war. Seine Freundin hatte sich von ihm getrennt.

Moooooment! Freundin? Hatte er gerade Freundin gesagt? Das bedeutet ja, dass …

Okay, Doris, hör auf zu grinsen. Sofort!

Irgendwann waren die anderen plötzlich wieder da und dann war ich mit Ben alleine unterwegs. Auch so ein lieber und netter Mensch.

Er holte schnell die Taschen und Beutel fürs Boot, damit ich mit meinem Knie nicht noch hin- und her rennen musste. 

Der Tag verging wirklich wie im Flug und plötzlich waren wir alle wieder am Strand angekommen, um zum Boot zu schwimmen.

Ei ei, dieser Wellengang. Er war noch schlimmer geworden. Es war unfassbar. Jede Welle schleuderte mich zurück an den Strand. Verdammt. Alle anderen taten sich da leichter als ich. Jetzt stell dich doch nicht so an!

Gott sei Dank hatte Marcus wieder meinen Rucksack genommen und mir dann geholfen wieder ans Boot zu gelangen. Puh! Was für ein Akt!

Aber das beste kam ja noch. Der finale Schlussakt des Tages. Bitte um einen kleinen Tusch. Danke ;-)

Ja, so saßen wir da alle wieder auf dem Schnellboot und fuhren zurück. Diese Rückfahrt werde ich mein Leben lang nie vergessen. Das hätte sich Hollywood nicht besser ausdenken können.

Aber ganz von vorne.

Kennst du dieses Gefühl wenn dich jemand anzieht wie in Magnet? Ich kannte das bisher nur bedingt. Aber ich konnte nicht anders, als mir irgendwann zu wünschen, dass er bitte irgendwas macht. Keine Ahnung was.

Plötzlich fragte er mich, ob ich auf seine Seite wollte, damit ich die gigantische Na-Pali-Coast-Bergkulisse auf der anderen Seite sehen konnte. Wir saßen auf den Sitzen Rücken an Rücken mit einer Abtrennung dazwischen.

Na klar, will ich zu dir rüber! Und so krabbelte ich auf die andere Seite.

Äh, Moment mal, so war das aber nicht gedacht. Denn Tristan stieg auf meine Seite. Was ja irgendwie logisch war, damit die Gewichtsverteilung in Balance blieb.

Blöd.

Und dann passierte das Unfassbare: Delphine! Und gleich so viele auf einmal! Wow, das war so der Hammer! Ich liebe Delphine!

Als wir uns dann alle wieder von dem Wahnsinnserlebnis erholt hatten und erneut auf unseren Sitzen saßen, war Tristan genau mit dem Rücken zu mir. Besser gesagt saßen wir seitlich, damit wir uns sehen konnten. 

Er nahm einfach meine Hand, die auf der erhöhten Sitzabtrennung lag. Einfach so. Und ich legte meine auf seine. Glaube ich zumindest. Das ging alles so schnell.

Und dann kam das Beste: Durch den Musiklautsprecher sang Israel Kamakawiwoʻole „Somewhere over the rainbow“ – eines meiner Lieblingslieder. Von Regenbögen könnte ich dir Geschichten erzählen … du kannst sie alle in meinem Blog nachlesen ;-)

Und da war er auch schon. Der Regenbogen. Er spiegelte sich in den Wellen, die das Boot schlug.

Gefolgt von allen möglichen Lovesongs. Wir beide musste nur noch grinsen, weil jede Liedzeile genau auf den Moment passte.

Und mir war auch total egal, als irgendwann meine geliebte Hawaiimütze durch den Wind wegflog. Die Mütze, die ich mir im Jahre 2004, als ich das erste Mal auf Hawaii war, in Kona auf Big Island beim Ironman gekauft hatte. Vielleicht brauchte ich sie jetzt nicht mehr.

Moment! Hatte er mich eben tatsächlich geküsst? Einfach so?

Was bei dem Wellengang echt eine Kunst war. 

Okay, ganz langsam Doris. Was passierte hier gerade? Puh, war das aufregend. 

Darf ich ehrlich zu dir sein? Ich bin ein ziemlicher Kussfreak und ich glaube, was das angeht sehr anspruchsvoll. Es ist mir einfach sehr wichtig. Und das fühlte sich so unfassbar gut an.

Auch wenn ich ein schlechtes Gewissen Ben gegenüber hatte, der da ganz alleine saß. Aber Tristan meinte, das wäre schon in Ordnung. Hoffentlich.

Junge, junge. Kaua’i, Kaua’i. Na Pali Coast, Na Pali Coast.

Doch jede schöne Fahrt hat irgendwann ihr Ende. Und so waren wir leider wieder ratzfatz am Hafen angekommen, an dem ich am Morgen nichts ahnend, was alles auf mich zukommen würde in dieses Boot stieg.

Als wir wieder vor den Autos standen, also Tristan in meinem Armen und ich in seinen, verriet er mir seinen Nachnamen und fragte mich, nach meinem. Auch, ob ich auf Social Media wäre. So gab ich ihm meinen Instagram- und Facebookaccount und natürlich meine Nummer, weil wir uns Morgen noch einmal sehen wollten, bevor er am Abend wieder zurück nach BC flog.

Er wollte mit Henry und Ben noch einmal Wandern gehen. Keine Ahnung, ob ich das mit meinem Knie konnte. Wir werden sehen. Vielleicht bekommen wir noch einmal einen gemeinsamen Tag geschenkt.

Ehrlich gesagt habe ich in dem Moment auch gar nicht darüber nachgedacht, was das jetzt für mich war. Ich wollte mit ihm einfach jede Minute genießen, so als wäre es unsere Letzte.

Noch eine letzte Umarmung. Ein letzter Kuss. Und als ich über seine Schulter Richtung Meer sah, traute ich meinen Augen nicht.

Ich bat ihn mit mir wieder die paar Schritte zum Hafen zu laufen und ein Foto von einem Boot im Wasser zu machen.

Auf dem Boot stand: Na Pali Kai.

Der erste Gedanke der mir kam war: Das ist also „nur“ der Na Pali Kai.

Dann gab es da draußen vielleicht doch noch diesen Kai!?!

Die Auflösung sollte ich erst viele Wochen später in Deutschland bekommen. Genau in dem Moment, als ich zu meinem Ex-Partner fuhr, um mit ihm über unsere Scheidung zu sprechen …

 

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