Einfach nur glücklich

– Oktober 2018 –

Ich kam aus dem Grinsen gar nicht mehr raus. Drei Wochen lagen vor mir. Drei Wochen.

Ehrlich gesagt kann ich nicht verstehen wie Menschen nur für wenige Tage nach Kaua’i kommen. Die Insel ist zwar nicht groß, aber es gibt soviel zu sehen und zu erleben. Und ich hoffe, dass ich noch so viele Male dort sein kann, um jedes Fleckchen dieser Zauberinsel zu entdecken.

Doch jede Entdeckerin braucht erst einmal den nötigen Kraftstoff. Und so zog ich los mit der Machete in den Dschungel bzw. in den Supermarkt, um mir leckere Sachen zu kaufen.

Es sollte das letzte Mal auf beiden Beinen sein. In dem Moment war mir nicht bewusst, dass ich das nächste Mal im Rollstuhl sitzen werde.

Ich genoss jede Sekunde. Frühstückend auf der Wiese im Garten mit einem Lächeln im Gesicht. Die Sonne schien und es war angenehm warm. Ich atmete Kaua’i ein und aus. Und schickte meiner Freundin Carmen ein Foto, von meiner orangefarbenen Kaffeetasse mit den orangefarbenen Karotten auf dem Teller daneben. Sie liebt die Farbe Orange. Was für ein schönes Foto.

Wie so viele schöne Bilder, die ich alleine schon im Garten fand. Ich konnte gar nicht aufhören zu fotografieren und zu filmen.

Ja, ich wollte einen Trailer machen. Für meinen neuen Podcast. Er sollte „Dein eigener Weg heißen“. Dafür filmte ich in den folgenden Tagen die verschiedensten  Untergründe, über die ich barfuss lief. Wie ich einen Fuß vor den anderen setzte. Es machte soviel Spaß!

Ich hätte die drei Wochen auch gut die meiste Zeit im Garten verbringen können. Dennoch riss ich mich irgendwann von meinem Lieblingsplatz in der Hängeschaukel los und fuhr zu den Wailua Falls.

Immer noch übervorsichtig, aber ich war jedes Mal stolz, wenn ich mich wieder ein Stückchen weiter hinausgewagt hatte. Als in einem Flyer laß, dass die Falls für die Eingangsszene für die Serie „Fantasy Island“ gefilmt wurden, fiel es mir Schuppen von den Augen. Ich liebte die Serie als Jugendliche und schaute sie jeden Nachmittag nach der Schule. 

Fantasy Island war eine magische Insel, auf die Menschen mit ihren verschiedensten Geschichten und Themen kamen, um sie bearbeiten, zu heilen und zu transformieren.

Fantasy Island. Verrückt.

Und ja, Phaaaantasiiiieeeee (und ich schreibe es bewusst mit „P“ :-). Davon habe ich reichlich ;-)

Am nächsten Tag telefonierte ich mit einer Bekannten, die zufälligerweise für ein paar Tage mit ihrem Partner auf Kaua’i war. Wir wollten uns treffen, aber irgendwie ließ es ihr straffer Zeitplan nicht zu. Dafür gab sie mir einen tollen Tipp, den ich sofort in die Tat umsetzte.

Sie erzählte mir von einem geheimen Strand, den „Secret Beach“, der etwas ablegen war. Mit einem kurzen Trail. Das klang toll. Das wollte ich machen!

Es war so wundervoll, ich musste mich gar nicht groß planen. Kaua’i zeigte mir den Weg. Ich musste nur mit dem Flow gehen und mich immer mehr darauf einlassen. Auch wenn mein inneren Kritiker mir permanent ins Ohr flüsterte, dass ich gefälligst etwas für mein Website tun und meine Hörbücher fertig hören sollte. Es war eine Gradwanderung. Und ich fühlte sehr gut, dass mir dieser ständige Druck, den ich mir selbst auferlegte, gar nicht gut tat. 

Zum Glück ging diesmal das Navi und es führte mich zum abgelegenen Parkplatz, von dem aus man nur zu Fuß weitergehen konnte, um den „Secret Beach“ zu erreichen.

Schon beim Hinunterlaufen entdeckte ich so viele schöne Dinge zum Filmen und zum Fotografieren. Und ja, einige der Aufnahmen kamen später in einen Trailer – jedoch für einen ganz anderen Podcast.

Der Ausblick von oben war traumhaft, ebenso die Sonne, die durch die Bäume schien. Es war noch früh am Tag und sie kam von rechts. Da ich meist zwei Bilder machte, eines mit dem Handy eines mit meiner großen Kamera, für eine bessere Qualität, musste ich dieses Bild beim Herunterlaufen gleich zweimal fotografieren. Die Sonne, wie sie von rechts durch die Bäume schien.

Warum auch immer ich ausgerechnet an dieser Stelle dieses Foto machte. Ich weiß es nicht.

Zehn Monate später sollte jemand, den ich am Tag zuvor kennengelernt hatte, genau an dieser Stelle die gleiche Idee haben. Nicht beim Herunterlaufen, sondern beim Hochlaufen. Er fotografierte spontan die Sonne von rechts, wie sie durch die Bäume schien. Und ich stand mit offenen Mund daneben.

Doch bis dahin sollte sich mein ganzes Leben auf den Kopf stellen. Immer und immer wieder.

Als ich endlich unten angekommen war suchte ich mir weitere Motive und bat eine Frau von mir eine Aufnahme zu machen, wo ich direkt am Wasser stehe und dann vom Meer zurück laufe. Sie war total total nett und machte es gerne. 

Auch diese Videoaufnahme sollte später noch eine große Bedeutung für mich haben …

Irgendwann hatte ich mich genug kreativ ausgetobt und ließ mir die Sonne abwechselnd auf den Rücken und den Bauch scheinen. Nein, ins Wasser traute ich mich nur bedingt, die Wellen waren mir einfach zu stark. Zumindest an diesem Tag.

Hast du schon einmal versucht dich in das Meer hinein zu fühlen? Wow. Ich kann dir sagen, das hat mich an dem Tag echt weggehauen. Diese unbändige Kraft und Energie. 

Links vom Meer war wie ein kleiner Pool und über die schwarzen Lavafelsen kam immer wieder abrupt ein Wasserfall. Es machte soviel Spaß einfach nur zuzusehen. Das Pärchen neben mir genoss das Spektakel ebenso.

Ich hätte dort stundenlang sitzen und mich über jeden Wasserschwall freuen können, wie ein Kind. Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Ja, sowas macht mich einfach glücklich. Ebenso wie meterhohen Wellen und Brandung. Jede Welle sieht so anders aus und jedesmal wenn sie bricht löst das in mir so ein Glücksgefühl aus, ich kann dir das gar nicht beschreiben. Ja, ich freue mich über Wellen und mir wird dabei nie langweilig.

Langweilig war dagegen das Buch, das ich dabei hatte. Ich konnte mich nicht wirklich darauf einlassen. Da war es schon wieder. Wie beim letzten Mal. Kaua’i war einfach interessanter als jedes Buch ;-)

Und wenn ich dir jetzt sage, dass es in diesem Buch darum ging, was Weizen mit unserem Gehirn macht und ich keine Ahnung hatte, dass ich wieder an diesen Strand kommen werde, mit jemanden, den genau dieses Thema betrifft. Der derselbe jemand, der an der gleichen Stelle die Sonne durch die Bäume fotografiert hat.

Manchmal ist es vielleicht gut keine Ahnung zu haben.

Nicht zu wissen, dass mein Leben komplett anders sein wird. Dass ich nicht mehr die Gleiche sein werde.

Klar, wir verändern uns ständig. Und ich liebe Veränderung. Doch manchmal wünschte ich mir, ich wäre wieder genau die, die Doris an diesem einem Tag im Oktober 2018 am „Secret Beach“.

Zurück im Haus freute ich mich schon auf mein Zimmer in der oberen Etage. Nur noch wenige Tage …

Neugierig ging ich die Holztreppe nach oben und wagte einen Blick in das riesige Wohnzimmer. Wow, war das schön. Alles war offen und weit. Ich fühlte mich sofort wohl dort.

Es war das einzige und letzte Mal, dass ich auf dieser Reise die Treppen nach oben gehen konnte. Das Zimmer habe nicht mehr von innen gesehen.

–> The Beginning:

Alle Blogartikel zu Hawaii und meinem lebensverändernden Unfall dort

–> So ging es weiter:

Canada – wie die magische Reise weiterging