Salt Spring Island – Teil 2

„Du hast die Petersilie getötet!“ Melodramatisch blickte mich Na Pali Kai durch seine Brille an.

Ja, ich hatte tatsächlich die Petersilie getötet.

Aber nun ganz von vorne.

Nach einem Wochenende voller schöner Momente wollten wir zusammen kochen. Besser gesagt, er fragte mich, was ich zu Abend essen werde und ich sagte: „Quinoa“. Er sagte: „ Das passt ja hervorragend zu meinen Bohnen“.

Echt? Ok. Hatte ich zwar noch nie zusammen gegessen, aber klingt nach reichlich Proteine. Her damit!

So standen wir vor dem Herd.

Er hatte schon ein paar Gewürze bereit gestellt, durch die ich mich schnüffelte. Ich mache das immer so, um dann zu entscheiden was gut zusammen passen könnte.

Nein, ich wollte mir an dieser stelle nicht meine Ernährungsberaterin raushängen lassen. Echt nicht. Wirklich nicht. 

Er stand neben dem Herd, blickte auf die Gewürze und sagte schulterzuckend: „Ich bin Junggeselle“. Hm. war das ein versteckter Hinweis, mir klar zu machen, dass er Single ist und Singe bleiben will?

Das habe ich schon mitbekommen. Bin ja nicht blöd. 

Oder wollte er sich rechtfertigen wegen der Gewürze? Ich hätte ja einfach mal fragen können. Aber ich tat es nicht. Die Sache mit dem Zurückhalten. Blöde Sache. Ich wünschte ich könnte so viele Dinge anders machen. Aber gemacht ist gemacht, gesagt ist gesagt und nicht gesagt ist auch nicht gesagt.

Was ich definitiv nicht rückgängig machen wollte war dieses Gemeinsam-Kochen-Dings. Wie sehr hatte ich das vermisst: Zusammen kochen. Durch meine Ernährungsumstellung blieb nicht mehr viel, was mein Ex-Mann und ich zusammen essen konnten. So machte jeder sein eigenes Ding.

Das ging mir echt ab. 

Plötzlich war es so einfach. Ich musste Na Pali Kai weder davon überzeugen noch mich rechtfertigen, warum ich etwas esse oder nicht. Wenn ich in sein Kühlschrankfach blickte hätte das genauso gut meines sein können. 

Als ich schnell in mein Zimmer huschte, um eine Packung Hanfsamen für den Salat zu holen, sagte er, als ich wieder zurück war: „Steht schon auf dem Tisch“.

Ein Traum.

Ebenso der Moment, als ich das Gemüse schnitt. Ich bin zwar Ernährungscoach, aber kein Talent im Mini-Kleinschneiden. Dafür bin ich ehrlich gesagt viel zu faul. Ich nehme manchmal nicht einmal ein Brett, weil ich keine Lust habe es wieder abzuspülen. 

Und dreimal darfst du raten wer das auch so sieht. Passend dazu habe ich einen neuen Begriff auf englisch gelernt: „I don’t wanna make dishes.“ Ja, genau, so seh ich das auch. 

So schnippelte ich – einigermaßen klein – diese tollen Schätze mit all den wundervollen Farben. Worüber ich mich jedesmal wie ein Kind freue, weil es so schön aussieht.

Und noch mehr freute ich mich, weil ich mich überhaupt nicht gehetzt fühlte. Als würde ich alleine in der Küche stehen. Es machte mir überhaupt nichts aus, dass er neben mir stand und mir zu sah. Normalerweise mag ich das nicht so gerne, weil ich mich oft beobachtet fühle. In diesem Fall war es anders, ich war einfach bei mir. In mir. In meiner, manchmal auch tollpatschigen, Langsamkeit. Ich glaube DAS war der schönste Moment der ganzen Woche.

Denn ich glaube, das ist das größte Geschenk, da wir jemanden machen können. Jemanden Raum zu geben, um wir selbst zu sein. Du du und ich ich.

Leider hatte ich es wohl bei ihm nicht geschafft. Er hatte einmal draußen eine Sprachaufzeichnung gemacht und ich bin auch im Garten gewesen. Mit extra viel Abstand, damit er sich nicht beobachtet fühlte. Und trotzdem meinte er später, dass es ihn verunsichert hätte. Das tat mir sehr leid.

Du fragst dich bestimmt schon die ganze Zeit, wann ich endlich mit der Petersilien-Sache herausrücke.

Jetzt :-)

Während wir den Salat, das Gemüse und die Bohnen mit Quinoa würzten, wollte ich, dass jedes Gericht eine andere Gewürzmischung bekam. Ich hatte am Vortag noch Petersilie gekauft und ihm voller Stolz von meiner Ausbildung erklärt, wie empfindlich Petersilie ist. Dass man sie in KEINEN FALL mit zu scharfen Gewürzen überdecken sollte. Sonst killed man sie.

Dummerweise war der Pfeffer leer und es gab nur noch Cayenne Pfeffer. 

Du ahnst es schon …

Ich hatte wirklich ganz, ganz, ganz wenig davon genommen.

So würzte ich ein Gericht mit nur Gemüse und er das andere mit Gemüse, Bohnen und Quinoa. Seines sollte etwas schärfer werden.

Als wir beim Essen saßen und er einen Bissen von meiner Gemüsekreation nahm, sah er mich entsetzt an: „Das ist ja schärfer als meins!“

Ich konnte nicht anders, ich musste innerlich so über mich selbst lachen. Über den Klugscheißer in mir, der voll gegen die Wand gefahren war. Und über seine goldige Reaktion: „Du hast die Petersilie getötet!“

Ja, das hatte ich. Und ich hatte nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Ich musste nur über mich selbst lachen und tue es immer noch, wenn ich daran zurück denke.

–> The Beginning:

Alle Blogartikel zu Hawaii und meinem lebensverändernden Unfall dort

–> So ging es weiter:

Canada – wie die magische Reise weiterging