Put down your suitcase

– September 2019 –

Letzter Tag in BC. Unfassbar. Wo sind die drei Wochen geblieben? 

Die Nacht war extrem kurz und es war noch dunkel, als ich mit dem Auto Richtung Fähre fuhr.

Und es war schon wieder passiert – ich hatte mich verfahren. Ahhhh!!! 

Doch ich blieb irgendwie ganz cool. Was erstaunlich wahr. Drei Wochen Orientierungs-Vertrauens-Hardcore-Training du fruchtest ja! DANKE :-)

Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern, wie ich auf die richtige Straße  kam und plötzlich die richtigen Schilder vor mir waren, die mir den Weg zeigten zur BC Ferry „Tsawwassen-Swartz Bay“.

Du willst nicht wissen wie lange ich brauchte das Wort „Tsawwassen“ auszusprechen. Dafür gibt es nämlich verschiedene Möglichkeiten. Ich mag die Variante „Tuawassen“. Das klingt schön. So indianisch.

Ich mag Indianer vor allem meine Kindheitsliebe „Winnetou“.

Dazu gibt es auch eine verrückte Geschichte …

Ich wollte Winnetou unbedingt ein Bild schicken, wo ich ihn gemalt hatte. Ich konnte gerade meinen Namen schreiben und hatte jeden Tag unendlich viele Bilder gemalt. 

So half mir meine Mutter das Bild per Post an ihn zu versenden. Auf den Umschlag schrieben wir:

„An

Winnetou

Häuptling der Apachen

Nordamerika.“

Natürlich war ihr klar, dass es Winnetou nicht gab, aber sie spielte einfach mit. Danke, Mama!

Weißt du was das Verrückte war? Der Umschlag ging tatsächlich bis nach Nordamerika :-)

Da ich meinen Namen und den Absender, mit ihrer Hilfe, über das Bild geschrieben hatte, stand auf dem Umschlag kein Absender.

Dennoch kam er Brief irgendwann zurück. Gestempelt in Nordamerika.

Ein netter Postbeamter hatte den Brief geöffnet und mir die Fan-Adresse von Pierre Brice in den Umschlag gelegt. Total goldig, oder?

Lass uns zurück nach Kanada gehen und ein letztes Mal dort mit der Autofähre fahren. Wovor ich die Wochen zuvor noch soviel Angst hatte. Mittlerweile liebte ich dieses Verkehrsmittel und vermisste es in dem Moment schon.

Wer weiß, wann ich den Weg wieder zurücknehme.

Am besten schnurstracks nach Victoria.

Auf der Fähre wollte ich für mich sein und blieb auf dem Autodeck, um den traumhaften Sonnenaufgang mit meiner Kamera festzuhalten. Jedes Bild war für mich magischer, als das andere.

Gegenüber war ein Mann mit seinem Hund. Es war so schön, die beiden zu beobachten. 

Doch auf einmal überkam mich große Traurigkeit und ich wusste, dass ich zurück ins Auto musste, um etwas aufzuschreiben.

In diesem  Moment ist folgendes Gedicht entstanden.

 

„LOSlassen Reloaded

Es ist so ein unfassbar schönes Gefühl.

Auch wenn ich weine.

Doch da ist kein Schmerz.

Da ist keine Enge.

Da ist nicht mal Traurigkeit.

Da ist soviel unfassbare Dankbarkeit.

Die mich nicht wirklich fassen lässt,
womit ich das alles verdient habe.

Ich bin so unfassbar dankbar,
dass mich dieses Gefühl einfach überwältigt.

So ein tiefes Glücksgefühl darüber
was ich alles durchlebt habe.

Und das alles wollte ich so.
Das alles habe ich erschaffen.

Um es am Ende wieder loslassen.

Die Form und all die Farben.

Das Bild, das ich immer noch vor mir sehe,
bereits beginnend seine Leuchtkraft zu verlieren. 

Es beginnt sich aufzulösen.

Mit jedem Atemzug mehr und mehr
löst es sich auf
und fließt durch meine Tränen
hindurch zurück an den Ursprung allen Seins.

Gefüllt mit neuen kraftvollen InFORMationen.
Sanft und stetig hinüber gleitend
in die unendliche Schatzkiste des Universums.

Für noch mehr funkelnden
und glitzernden Sternenstaub.

In einer zeitlosen Galaxie.

Bis die nächste Welle kommt,
die mich mitreist,
um darin immer besser zu werden.“

 

In dem Moment, als ich das Gedicht zu Ende geschrieben hatte passierte etwas Magisches. Mein ganzer Körper füllte sich Dankbarkeit. Als würde er danke sagen, dass ich diese Reise gemacht hatte – und, dass ich wieder geschrieben hatte.

Und mein Kniegelenk? Es machte weiter auf. Und nicht nur das …

Meine Zufalls-Playlists spielte von der Band „Boy“ den Song „July“. 

Ich musste so sehr weinen und muss es immer wieder, wenn ich dieses Lied höre.

Die Sängerin sang: 

„Take off your shoes now

You’ve come a long way

You walked all these miles

And now you’re in the right place

And you realize

All the falls and flights

All the sleepless nights

All the smiles and sighs

They brought you here

They only brought you home

Put down this suitcase

This weapon of yours

The struggle is over

You don’t need it no more

And you understand

This never ending dance

This fight, a fading sense

Now it all makes sense

It brought you here

It only brought you

Only brought you

Only brought you

Only brought you home“

Irgend etwas in mir wusste in dem Moment, dass ich angekommen war. Ich war genau dort, wo ich sein sollte.

In British Columbia. Verdammte Axt.

Was wäre gewesen, wenn ich einfach geblieben wäre?

–> The Beginning:

Alle Blogartikel zu Hawaii und meinem lebensverändernden Unfall dort

–> So ging es weiter:

Canada – wie die magische Reise weiterging

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