Salt Spring Island – Teil 4

Aber er wollte nicht. Ehrlich gesagt wusste ich überhaupt nicht, was er wollte. Und vor allem fragte ich mich jeden Tag, was ich dort eigentlich tue.

Erst dachte ich, dass ich nur ein paar Tage bleibe. Ich weiß bis heute nicht, warum ich länger blieb. Eine ganze Woche.

„Vielleicht, weil du etwas lernen willst“, sagte Na Pali Kai, als wir uns gegenübersaßen. Ganz ehrlich? In dem Moment hätte ich ihn am liebsten gepackt und geschüttelt. Das mit „Ahimsa“ (Gewaltloskeit auf Sanskrit) hatte in dem Moment nicht so wirklich gut funktioniert.

Seine Klugscheißersprüche konnte er sich sonst wohin stecken. Das wusste ich schon selbst.

Nur was?

Am liebsten hätte ich gekontert: „Vielleicht willst DU ja etwas lernen. Pfff.“

Ah! Hallo Ego, da bist du ja wieder! Hatte dich schon vermisst :-)

Lass uns weiter in diese Woche hineingehen. Vielleicht finden wir es ja gemeinsam heraus, was der wirkliche Grund war, warum ich dort war.

Weißt du, was einer der absolut abgefahrensten und verrücktesten Momente war? Und in dem Moment wo ich darüber schreibe, wird mir ganz übel. Übel im positivem Sinn.

Darf ich dir das wirklich Verrücktes erzählen? Also gut. Auch auf die Gefahr hin, dass du mich bald für total abfahren hältst – was du wahrscheinlich sowieso schon tust. Ich habe quasi nichts zu verlieren ;-)

Okay, ich habe eine ziemlich schlechte Angewohnheit. Manchmal oder öfter spreche ich in Gedanken mit Menschen. Keine Ahnung warum ich das tue. Ich weiß ja nicht einmal, ob der Mensch (oder die Seele?) überhaupt mit mir sprechen will.

Jedenfalls sprach ich in B.C. immer mal wieder mit Na Pali Kai. Auf Englisch natürlich. Und wenn mir ein Wort nicht einfiel, hatte ich gleich einen Grund neue Wörter zu lernen :-)

In dem Moment, als ich auf Salt Spring Island war und über die Insel fuhr sprach ich in Gedanken auf einmal Deutsch mit ihm. So, als würde er jedes Wort verstehen.

Ja, echt, ohne Scheiß. Das ist doch total schräg, oder? Vielleicht bin ja wirklich verrückt und sollte mich einfach selbst einweisen lassen. Hallo, Herr Doktor, ich nehme Sachen war, die nicht der Realität entsprechen. Könnten Sie mich bitte wieder auf den Boden der Tatsachen herunterholen?

Das erinnert mich an einen anderen Moment, als wir wandern waren und danach im Auto gegessen haben. Er hatte ein kleines, aber so leckeres, Lunchpaket zusammen gestellt.

Abgesehen von den ganzen Rehen überall, die wahnsinnig nah an uns herankamen, was der Hammer war, konnte ich endlich mal ein paar Sachen von ihm erfahren.

Zum Beispiel, dass er es hasst, wenn jemand sagt: „Willkommen zurück in der Realität“.

JAAAA! ICH AUCH! :-D

Ich mache mal kurz den Klugscheißermodus an, okay?

Experten behaupten nämlich es gelangen jede Sekunde ca. 11.000.000 Reize/Informationen/Bits in unser Gehirn. Es könne aber tatsächlich nur 100 Bits verarbeiten.

Es gibt auch andere Zahlen. Lass uns mal nicht so pingelig sein. Der Anteil, der in unser Bewusstsein geht, ist erschreckend gering.

Abgesehen davon, wie sehr unser limbisches System, unsere Erfahrungen/Prägungen und unsere Emotionen uns beeinflussen, sind wir sowas von weit entfernt jemals realistisch oder gar objektiv sein zu können.

Denn jeder lebt in seiner eigenen Realität. Auch wenn ich hier jetzt schreibe, wirst du dir deine eigene Wahrheit aus meinen Worten herauspicken. Ich kann das gar nicht beeinflussen.

Das da ist meine absolute Lieblingspostkarte. Sie war und ist noch immer dabei auf meinen Reisen:

„TRÄUMER haben vielleicht keinen PLAN. Aber REALISTEN haben keine VISIONEN.“

Ja, kein Realist der Welt hat das Unmögliche möglich gemacht.“

Keiner.

Dann bleibe ich lieber unrealistisch.

Na Pali Kai vielleicht auch. Keine Ahnung. Ich habe ihm keinen Vortrag über mentales Training gehalten. Ich habe ihm lieber zugehört und konnte so oft innerlich nur nicken.

Und er bei mir, als ich sagte, dass das Konzept „Rente“ sowieso nur eine Illusion ist. Ich meine, hallo, das was ich tue, will ich bis zu meinem letzten Atemzug tun. Und nicht vorher schon damit aufhören. Das wäre ja Selbstbestrafung.

Als wir im Auto saßen, erzählte ich ein wenig von meinem Vater und den ganzen „Leistungsthemen“. Er meinte, er hätte da ähnliche Erfahrungen.

Wow, das Gesetz der Resonanz hatte echt voll zugeschlagen. Vielleicht konnten wir uns in der Woche ja etwas geben, was uns auf unserem weiteren Weg weiterhelfen sollte. Hm.

Zurück zur deutschen Sprache, denn ein bisschen Deutsch konnte er noch von der Uni. Er sagte oft auf Deutsch: „Das ist gut“. Und ich musste so lachen, weil es so goldig klang. 

Einmal waren wir Eis essen. Da gab es sogar veganes Eis. Und das war soooooo lecker!!!

Er machte Bilder von mir, wie ich in diesem Traum aus Schokolade versank. Ich hoffe, er hat das Bild gelöscht, denn man sah darauf graue Haare – HILFE! :-)

Im Anschluss machten wir ein Selfie von uns. Ich glaube, das war mein Lieblingsbild, weil wir darauf so ausgelassen aussahen.

Ich fragte ihn, was er noch so auf Deutsch weiß. Er sagte auf deutsch: „Ich bin 23.“ Ich erwiderte: „Und ich bin 24.“ Er musste lachen. Anscheinend hatte er genau verstanden, was ich sagte.

Hm. Wollte ich wirklich noch einmal 24 sein?

Nein. Ich bin froh, dass ich die bin, die ich jetzt bin. Und das ist eine gute Erkenntnis. Und wenn Alter wirklich nur eine Zahl ist, wie er so schön am Kalalau Trail sagte, dann ist es egal, ob ich 24 oder 44 bin.

Oder?

–> The Beginning:

Alle Blogartikel zu Hawaii und meinem lebensverändernden Unfall dort

–> So ging es weiter:

Canada – wie die magische Reise weiterging

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