Salt Spring Island – Teil 5

– September 2019 –

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich dir von dieser Woche noch erzählen darf. Es sind so viele Dinge passiert. Die richtige Reihenfolge habe ich auch nicht mehr parat, aber ich glaube, um Chronologie geht es nicht.

Okay, Finger, tippt einfach weiter und wir lassen uns überraschen, wie es weiter geht.

Er wollte, dass ich ihm zeige, wie man sich noch mit der Faszienrolle rollen kann. Wow, er hatte auch so ein Ding. Cool. Auch wenn seines echt anders aussah, dafür kannte er meine Variante nicht.

Du magst mich für verrückt halten, aber ich hatte fast die ganze Blackroll-Collection für meine Kaua’i-Reise eingepackt, die dann in Kanada endete – und nein, auch hierfür bekomme ich keine Provision ;-). Ich liebe diese Teile und habe zumindest den Doppelball immer dabei.

Es war lustig im zuzusehen, wie er alles nacheinander durchprobierte und er ließ sich dabei reichlich Zeit. Mir schien, als wäre er wirklich sehr auf sich bezogen. Er nahm gerne. Und ich gab gerne.

So saß er irgendwann vor mir und ich scannte seinen Rücken ab, um den richtigen Triggerpunkt zu finden, denn er hatte immer wieder Rückenschmerzen.

Als ich einen Punkt gefunden hatte, sagte er, dass es ich anfühlte, als ob die andere Seite sich nach oben hebt. Er kann sowas fühlen?

So fühlte ich mich weiter mit meinen Händen in seine Strukturen hinein und plötzlich kam ein Bild. Ich fragte ihn, ob das mit ihm in Resonanz ging. Er sagte nein. Hm. Ok. 

Ich kann mich noch gut an einen Moment erinnern, als meine Intuition sagte: „Hör auf damit“. Sie meinte damit „das Geben“.

Denn es kam nichts zurück. Die Balance kippte. 

Vielleicht ein Frauenthema? Dieses „sich-für-jemand-anders-aufopfern-Ding“. Bringt uns das weiter? Ich glaube nicht. Ich glaube wir sind viel kraftvoller, wenn wir ein paar Gänge zurückschalten und mal die Männer machen lassen. 

Doch so ganz konnte ich es wohl nicht abstellen.

Was mich an einen anderen Moment erinnert. Im Grunde ein schöner Moment.

Wir waren wandern und plötzlich machten wir unter einem Baum Yoga. Jeder für sich. Ich war so sehr bei mir, dass ich ihn für einen Moment komplett vergaß. 

Danach ging ich zu ihm rüber und unterstütze ihn ein wenig in seinen Yogapositionen. Feierabend habe ich als Yogalehrerin wohl nie ;-)

Auch hier nahm er gerne.

Auf einmal sah ich ihn: Den Regenbogen. Wow. Wie lange der wohl schon da war?

Ich ging ganz nah ran und war echt tief berührt. Da war er wieder, der Regenbogen. 

Er sagte, dass an diesem Ort immer solche Dinge passieren. Was ich gar nicht mitbekommen hatte war, dass er einige Fotos von mir machte, als ich vor dem Regenbogen stand. 

Seine Verbindung zu Regenbögen schien auch auch eine ganz Besondere zu sein. Auch wenn sie anders war, als meine.

War sie das?

Wenn du jetzt wüsstest, was in der meiner Grabrede steht, die einmal meine Tochter für mich hält. Ich habe sie noch nie jemanden zum Lesen gegeben, aber ich kann dir jetzt schon sagen, dass darin ein Regenbogen vorkommt.

Ja, der Regenbogen.

Als ich wieder in Deutschland war, hatte ich wie eine Fehlschaltung in meinem Kopf. Alles was mit Regenbögen zu tun hatte, verband ich plötzlich mit ihm. Meine Freundin Jacky sagte: Hey, warum tust du das? Hör auf damit! Ebenso mit Kaua’i. Kaua’i war deine Insel, schon bevor du ihn getroffen hast! Auch der Regenbogen. DU warst für mich schon immer der Regenbogen!“

Ihre Worte gaben mir sehr zu denken. Sie machten mich auch traurig, weil ich so wenig bei MIR bleiben konnte und es mir so schwer fiel, mich daran zu erinnern, wie es vorher war. Ich musste härtere Maßnahmen für mich selbst ergreifen, um das alles endlich zu vergessen.

Zurück zu diesem magischen Regenbogen auf Salt Spring Island.

Mir wurde langsam kalt und ich versuchte mich durch Bewegung warm zu halten, denn er war mit Fotografieren beschäftigt. Auch wenn ich das gut von mir kannte, dass ich dann um ich herum alles vergesse, fand ich es in dem Moment ziemlich blöd, da mir immer kälter wurde und ich wollte gesund bleiben wollte.

„Mir ist kalt.“ Keine Reaktion. Okay, nochmal: „Mir ist kaaaahaaaalt“.

Er reagierte nicht.

So entschied ich mich, gut für mich selbst zu sorgen und zum Auto zurück zu joggen, um mich dabei aufzuwärmen.

Auf einmal war er neben mir und wir joggten gemeinsam zurück. Ganz schön zügig. Sofern es mein Knie zuließ. Und alleine das war schon wieder erstaunlich. Es hielt und ich konnte richtig lange joggen. 

Am liebsten hätte ich ihn gefragt, ob er mein neuer Training-Buddy sein will. 

Das fühlte sich so unfassbar gut an. Einfach laufen. 

Okay, es war jetzt kein 4:30er Schnitt, aber es fühlte einfach so verdammt gut an!

Er meinte, dass er mein Knie komplett vergessen hätte. Hm. Du hast auch nicht gehört, als ich sagte, dass mir kalt ist. Bei ihm musste ich anscheinend besonders gut auf mich selbst achten, damit ich mich nicht verliere.

Zurück am Auto hatte ich den mega Lachflash. Ich habe mich überhaupt nicht mehr eingekriegt. Wir beide nicht, denn er musste auch lachen. Wir scheinen uns mit dem Lachen immer gegenseitig anzustecken, so wie am Kalalau Trail. Oder besser gesagt ich ihn ;-)

Dummerweise ist mir auf Deutsch ein Satz herausgerutscht und ich sagte: „Scheiße, ist das geil!“

Natürlich musst er es gleich nachplappern – und zurück im Haus dem Vater der Familie erzählen, was ich ihm auf Deutsch beigebracht hatte.

Na toll, wie steh ich denn jetzt da? ;-)

Der Vater beobachtete uns einmal, als wir draußen Yoga machten. Besser gesagt Na Pali Kai machte Yoga nach Handy-Video-Anleitung, als ich vom Schwimmen kam. Ja, das war auch so sensationell, denn die Schwimmhalle war gleich in unmittelbarer Nähe.

Ich konnte dort Schwimmen und Laufen. Fehlte für mein ehemaliges Triathlonherz nur noch das Radfahren. Und dreimal darfst du raten, was er auch hatte: Ein Rennrad. Na, klar.

Spontan holte ich also meine Yogamatte und machte mit. Auch wenn die Stunde auf Englisch war, fand ich das total cool, das hatte mir auf Kaua’i schon soviel Spaß gemacht: Yoga auf Englisch.

Am nächsten Tag sagte der Vater, der Familie, dass er uns draußen beim Yoga beobachtet hätte und wir „dedicated“ wären. „You both are dedicated.“ Oder so. Hm. Was meinte er damit?

Die Übersetzung des Wortes machte keinen Sinn. Außer man sieht es super romantisch. So fragte ich Na Pali Kai, was er wohl damit meinte. Er sagte: „Vielleicht wegen Yoga.“

Irgendwie wurde ich in der Woche das Gefühl nicht los, dass wir ganz schön viel zusammen machen konnten. Klar, als ehemalige Psychologie-Studentin war mir klar, wie sehr wir darauf programmiert sind.

Auch, wie schnell man Menschen damit manipulieren kann, wenn du ihnen erzählst, dass du das auch alles toll findest.

Doch in diesem Fall wusste ich am Kalalau Trail rein gar nichts von ihm.

Ist schon irgendwie cool, auf jemanden so zu treffen. Quasi mit den nackten Tatsachen konfrontiert zu werden ;-)

Ungeschminkt, unvoreingenommen, ohne die ganzen Dinge, durch die wir Menschen vielleicht schnell in eine Schublade stecken. Und glaube mir, dein Unterbewusstsein macht das ganz automatisch. Es entscheidet innerhalb kürzester Zeit, ob dir jemand sympathisch ist oder nicht.

Weißt du, ich wollte einfach ich sein. Und doch hatte ich das Gefühl, wenn ich wirklich mein ganzes Wesen volle Breitseite heraus gelassen hätte, dass ich ihn damit gnadenlos überrollt hätte. 

Mein Ex-Mann sagte einmal: „Wie kann man am Morgen nur so gut drauf sein?“. Für Morgenmuffel kann ich glaube ich ganz schon anstrengend sein – es gibt quasi häufig den Modus „ON“ oder „OFF“, an den Nuancen dazwischen arbeite ich noch :-D

Ja, normalerweise bin ich voller Tatendrang und meistens ziemlich albern, wenn ich mir nicht gerade die Kniescheibe auf Hawai’i zertrümmere oder Liebeskummer habe.

Ich kann mich noch gut erinnern, als Na Pali Kai sagte, dass er sich in dieser Woche so schwach fühlte, wie schon lange nicht mehr.

Autsch. Das saß. Ich wollte nicht, dass er sich meinetwegen schwach fühlte …

 

–> The Beginning:

Alle Blogartikel zu Hawaii und meinem lebensverändernden Unfall dort

–> So ging es weiter:

Canada – wie die magische Reise weiterging

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