Mein 2. ICH auf Vancouver Island

– Oktober 2019 –

Da saß ich wieder in Deutschland. Neben Lilly auf dem Sofa in ihrer wunderschönen 2-Zimmer-Wohnung. Sie hatte die Wohnung mit soviel Liebe eingerichtet und ich genoß jede Ecke.

Ich weiß noch, wie wir bei der IKEA waren und die Schlange an der Kasse so unendlich lange war, dass wir spontan ins Restaurant gegangen sind und den Wagen haben stehen lassen. Wir hatten eine wundervolle Zeit mit leckeren Essen und danach war die Schlange weg. Ja, man kann es sich im Leben auch einfach machen :-)

Generell glaube ich fest daran, dass die Dinge einfach gehen. Wenn wir es uns nur erlauben. Und ja, ich lebe in dieser Welt und ja, ich weiß, wie unnötig kompliziert alles sein kann.

Ich frage dich: Warum?

Was mich an eine meiner ehemaligen Arbeitsstellen erinnert: Es gab für die Wochenplanung fünf verschiedene Dateien. Mir war das viel zu umständlich. So kreierte ich eine Übersicht in einer Datei, in der alles stand. Ich zeigte sie meiner Chefin und sie fand es gut. 

Ja, die Dinge einfacher machen. Es geht, wenn wir nur wollen.

Lass uns wieder zurück in Lillys traumhafte Wohnung gehen mit all dem schönem Schnickschnack aus der IKEA. Und nein, ich werde nicht von IKEA gesponsert ;-)

Ich zeigte ihr ein paar Bilder aus Kanada und sie sagte etwas, was mich total überraschte: „Also ganz ehrlich, mit deiner Liebe für Kaua’i konnte ich nie großartig etwas anfangen, aber als du nach Kanada bist … die Bilder waren echt toll! Dort würde ich dich sogar besuchen kommen.“

Ja, meine Reise nach Kanada machte irgendwas mit dem Menschen. Ich bekam einige Nachrichten über die sozialen Medien und über Whats App. Menschen schrieben mir, wie toll sie es fanden, dass ich nun in Kanada war.

Einige meinten, dass sie schon sooo lange dorthin wollten oder schon dort waren – oder sogar nach Kanada auswandern würden.

Auswandern. Nach Kanada. 

Lass uns zurück zu Lilly gehen, die ich schon seit meinem 16. Lebensjahr kenne. 27 Jahre.

Ja, Lilly ist meine längste Freundin und sie war immer für mich da. Auch als ich sie mit 17 total verheult angerufen hatte, weil mein damaliger Freund mit mir Schluss gemacht hatte. Ich war verzweifelt.

Mit wehenden Fahnen kam sie auf ihrem Pferd angaloppiert, besser gesagt mit den Zug angerauscht, denn Autofahren durften wir damals noch nicht.

Und sie hat mich gerettet. Und mich ins Kino geschleppt. In einen Film: „Das Geisterhaus“. 

Also, falls du Liebeskummer hast, kann der Film sehr hilfreich sein. Es merkt nämlich keiner, ob du jetzt wegen dem Film heulst oder wegen eines Typen. 

Lilly kennt sie alle. Und mich in ziemlich vielen Facetten.

Und tatsächlich waren wir schon zusammen reiten. Auf Island. Ihr Pferd wollte nicht so recht in die Gänge kommen und meines konnte ich kaum halten, weil es so ein Wildfang war. Der Reitlehrer sagte: „Your horse has a lot of energy.“ Das passte ja wieder wie die Faust auf’s Auge.

Lilly sagte immer, dass ich der D-Zug bin und sie der Bummelzug ist. Weil ich immer durch mein Leben gerauscht bin, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch mittlerweile haben wir ein wenig Rollen getauscht :-)

Lilly verglich uns oft mit den beiden Protagonistinnen aus dem Film „Freundinnen“ mit Bette Middler. Sie sagte, ich bin wie Bette Middler. Die, die gern auf der Bühne ist und im Mittelpunkt steht und sie, die sich lieber im Hintergrund aufhält.

Ja, wir waren sehr unterschiedlich in manchen Dingen und uns doch so ähnlich in manch anderen.

Sie sagte einmal, sie fühle sich von Luftballons umgeben, die sie festhalten müsse. Mich, ihre Schwester, ihre Mutter. Denn ihre Mama war mir sehr ähnlich. Sie ist nicht nur ihre Mom, sondern auch meine Reiki-Mom :-)

Reiki, was ist das denn nun wieder?

Okay, lass uns nicht die Faden verlieren, tue ich eh schon die ganze Zeit :-D

Als ich Lilly fragte, ob sie gerne auswandern würde, sagte sie definitiv NEIN: „Ich bin wie eine deutsche Eiche, die verpflanzt man nicht.“

Ein schönes Bild. Warum kann ich nicht so eine Eiche sein? Wahrscheinlich ist deshalb meine Balance so grottenschlecht. Wo ich mich seit Jahren versuche zu erden. Immer wieder. Und so tolle Menschen um mich herum habe, die mir dabei helfen.

Im Grunde würden Lilly und mein Ex-Mann super zusammen passen. Beide eher bodenständig und sie mag sogar seinen Sarkasmus. Ich überhaupt nicht. Hatte das den beiden auch schon einmal vorgeschlagen, aber es stieß nicht auf Resonanz ;-)

Das wär’s. Sie war nämlich auch meine Trauzeugin :-D – ja, ich habe ziemlich einen an der Klatsche, ich weiß :-)

Pass auf, jetzt kommt das Beste.

Ich erzählte ihr von dem magical Moment, als ich mit der Fähre von Salt Spring Island nach Crofton, Vancouver Island, fuhr. Der Moment, als die Vorderreifen, meines süßen kleinen Chevrolet-Spark-Flitzers, Vancouver Island berührten und just in dem Moment meine Zufalls-Playlist „Homeland“ aus dem Film „Spirit“ spielte. HOMELAND. Und dann auf dem Highway der Song „The Island awaits you“ aus dem Film „The Island“ kam. Was echt ein super spuky war.

Was war da auf Vancouver Island?


Auch der Moment in Victoria, als ich das Gefühl hatte, dass ich mich hier auskenne. Oder irgendwann in der Zukunft genau wüsste, wie ich fahren muss.

Außerdem sagte ich ihr, dass ich auf der Insel ständig ihr Geburtsdatum sah und nicht verstand, was das alles mit ihr zu tun hatte …

Sie blickte mich an und fragte: „Kannst du dich noch an das Plakat erinnern, dass ich dir zu deinem 18. Geburtstag gebastelt habe?“

Na klar! Das war eines der tollsten Geburtstagsgeschenke, die ich jemals bekommen hatte! Ich wollte immer Regisseurin werden und sie kreierte ein riesengroßes Filmplakat mit einer Geschichte über zwei Frauen.

Der Film hieß: „Mein 2. ICH.“

Ich sehe das Plakat noch genau vor mir. Es hing sehr lange an der Tür in meinem Zimmer im Haus meiner Eltern.

Sie fragte weiter: „Du weißt schon noch, wo die eine Frau wohnte?“

Öh. Ähm. Ooops. Äheem. Nö …?

Okay, jetzt wird es definitiv spuky.

Sie sagte: „Vancouver Island“.

Woooooow.

Alter Falter.

„Du hast mich manipuliert!“, schoss es aus mir heraus. „Ich wollte gar nicht dahin. Du wolltest dahin und hast mein Unterbewusstsein mit deinem Plakat schon vor 25 Jahren darauf programmiert!“

Sie guckte mich nur an.

Ich nahm einen tiefen Atemzug und fragte mein System, ob das stimmte. Nein, es stimmte nicht. Ich wollte dort hin.

Ja, ich wollte auch in die Berge. Aber final zog es mich nach Vancouver Island. Ich kann dir das auch nicht erklären.

Ich bin das erste Mal in meinem Leben wirklich der Nase nach. Ich hatte keinen Plan, wann ich an welchem Ort sein werde. Das hatte sich alles erst nach und nach ergeben.

Ich konnte so sehr vertrauen, als ich in British Columbia war. Auf Kaua’i kann ich das sowieso – und ich wünschte, ich könnte dieses Vertrauen auch in Deutschland haben.

Es ist, als wäre ich auf Kaua’i in meiner ursprünglichen Essenz und in Kanada in meiner Zukunftsversion.

Dazwischen lag Deutschland.

Was ist deine ursprüngliche Essenz, liebe Leserin, lieber Leser?

Man sagt, wir sind alle in unserer Essenz Liebe. Kannst du es fühlen?