Secret Beach – Part Two

– Ende August 2019 –

Tristan hatte mir am Abend noch geschrieben. Und lass ihn uns ab jetzt Na Pali Kai nennen. Denn das stand ja auf dem Boot am Kalalau Trail. Sie wollten mich am Vormittag abholen. Irgendwie machte es mir total Spaß auf Englisch zu schreiben, was für mich völliges Neuland auf diese Art und Weise war – und ich hoffte, dass alles grammatikalisch und von der Rechtschreibung korrekt war.

Ja, da war er wieder mein innerer Perfektionist. Wahrscheinlich wäre es ihm reichlich egal gewesen. Aber mir nicht. Verdammt, da war es wieder. Dieses „gefallen wollen Dings“. Das hatten wir doch abgelegt, Doris!

Anscheinend noch nicht ganz, denn er hatte es auf MASSIVSTE Weise reaktiviert. Ich war zwar voller Euphorie, habe aber auch gemerkt, dass ich nicht mehr in meiner Mitte war. Als hätte er mich (oder ich mich selbst) komplett aus dieser Mitte katapultiert. Batz!

Mir dämmerte langsam was nun anstand: Das härteste Training aller Zeiten – wieder voll und ganz zu mir zurück zu finden. In MEINE Mitte. Hätte ich damals schon geahnt wie lange dieses Einheit werden würde. Oh, Mann!

Dennoch war ich schwer beeindruckt von seiner Zuverlässigkeit. Noch. Er hielt mich immer wieder auf dem Laufenden, wann sie losfahren und wo sie sind.

Ein weiterer Gast hier in dem Haus meinte, dass Kanadier wohl sehr zuverlässig wären. Aha! Eine interessante Information, die ich vorher nicht kannte. Ich war ja noch nie dort und geschweige denn, dass ich mich groß darüber informiert hätte.

Aber umso besser. Ich mag Zuverlässigkeit. Auch wenn der ALOHA-Spirit mich viel cooler hat werden lassen, was meine deutsche Pünktlichkeit angeht – und manchmal habe ich sogar etwas versemmelt.

Das mag ich an Hawai’i, diese lockere Art. Trotzdem schätze ich Verbindlichkeit sehr, was für mich auch bedeutet, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Voll und ganz.

Alleine dieses Wort „Verantwortung“ ist schon der Hammer, was da alles drinsteckt. Wir haben das Wort bei unserer Mental Coach Ausbildung genauer unter die Lupe genommen, wie viele andere Wörter auch. Ja, Sprache ist so ein unglaubliches mächtiges Tool.

VerANTWORTung. VERAntwortung (Vera = Wahrheit), VerantWORTung, VerantwORTung, VerantwORTUNG.

Nach dieser Ausbildung wusste ich die deutsche Sprache wieder sehr zu schätzen, vor allem die Weisheit die hinter den Worten lag.

Lass uns zurück nach Kaua’i gehen und zu seinen Nachrichten.

In der Ersten stand, dass er den Tag magisch fand. MAGISCH. Eines meiner Lieblingswörter. Und ich glaube ich habe meinen Ex damit in den Wahnsinn getrieben, so dass er das Wort irgendwann nicht mehr hören konnte.

Aber es ist doch alles so magisch!

Außerdem standen da noch so viele andere schöne Worte, z.B. dass ich „beautiful on all levels“ bin. Puh. Aber ich hab doch Falten und bin lange nicht mehr so gut durchtrainiert wie vor dem Unfall.

Merkst du was? Mein System suchte nach Argumenten diesen Satz zu widerlegen. Ja, ich fand es sehr schmeichelhaft. Aber dieses „on all levels“ stellte ich durch und durch in Frage. Okay, eine weitere Trainingseinheit.

Junge, junge, du gibst mir ganz schön viele Hausaufgaben mit auf den Weg. Wer bist du?

Und er hatte sich noch am Abend und am Morgen nach meinem Knie erkundigt, dem es erstaunlich gut ging. Ich hatte keinerlei Schmerzen, obwohl wir den ganzen Tag unterwegs waren. Das ging nicht mit rechten Dingen zu …

Endlich waren sie da und ich bin runter zur Hofeinfahrt. Zuerst sah ich Ben. Komisch, warum sehe ich dich wieder zuerst? Gestern auch schon. Hm.

Ich fragte ihn, wo Na Pali Kai war. Er war im Garten. Aha, der Garten schien interessanter zu sein als ich.

Plötzlich bekam ich Angst. Wie wohl der Moment sein würde, wenn wir uns wieder gegenüberstehen. Vielleicht denkt er sich ja „Oh mein Gott, die hat ja Falten.“

Nein, es war ganz anders. Es war total schön.

Nahm ich da Aufregung war? War ich das? Oder er? Oder beide?

Oh, nein, Doris.

Ich war nach Kaua’i gekommen, um meinen Ex-Mann zu verarbeiten und loszulassen. Doris, bitte nicht vom Regen in die Traufe. Bitte nicht. Die letzten Monate waren echt schlimm genug.

Doch so bin ich. Ohne Netz und doppelten Boden. Einfach rein ins Leben oder in einen Fluss. Auch wenn ich mir dabei meine Kniescheibe zertrümmere.

Mich immer wieder in etwas reinzustürzen, weil für mich genau das Leben bedeutet. Alles andere wäre gedeckelt. Nur halbe Sachen. Nein, ich will es ganz.

Meine Freundin Lilly sagte einmal, dass sie mich dafür bewundere. Auch diese ganze Palette an Emotionen, die ich vereine. Sie meinte, sie wäre auch gerne manchmal so. Und ich wäre gerne manchmal so wie sie. Lilly sollte in dieser Geschichte auch noch eine ganz besondere Rolle spielen.

Ich weiß nicht wie viel Liebeskummer ich in meinem Leben schon hatte und trotzdem hatte es mich nie davon abgehalten mich wieder voller Vertrauen in neue Beziehungen zu geben. Wenn Menschen zu mir sagten, dass sie lieber alleine bleiben würden, weil sie nicht mehr verletzt werden wollen, dann konnte ich das nie verstehen. Ich dachte mir: „Hey, weißt du wie schön das ist?“

Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, dass ich mich bald in diese Menschen hineinversetzen kann. Es ging in dem Moment einfach zu tief rein. Ein einziger Tag in Kalalau.

Doch am zweiten Tag fuhren wir nicht Richtung Süden, sondern in den Norden. Im Auto haben sie mir verraten wohin: Zum Secret Beach. Zum geheimem Strand. Genau an den Strand, an dem ich das letzte Mal im Oktober das Jahr zuvor war.

Der letzte glücklichste Tag vor meinem Unfall. Das gibt es doch nicht. Sie hatten ja keine Ahnung …

Ich kann dir sagen, nicht nur Kalalau ist magisch, Secret Beach ist es mindestens genauso.
Mir schien, als würde sich langsam alles wie ein Puzzle zusammen setzen. Als hätte Kaua’i das schon von langer Hand geplant. Und all diese Teile setzten sich Stück für Stück mehr und mehr zusammen. Auch wenn ich das Gesamtwerk noch nicht erkennen konnte. Alleine der Gedanke daran, macht mir schon Angst.

Auf was hatte mich da nur eingelassen, als ich in diesen Fluß sprang? Mir ist beim Scheiben, als würde sich das ganze Universum drehen. Und du willst nicht wissen, welche Songs mein iPod ausspuckt, während ich hier Absatz für Absatz schreibe. Gerade ist es von AC/DC „Are you ready.“ Manchmal können Synchronizitäten ganz schön erschreckend sein. War ich damals READY für diesen Impact?

Zurück an den Secret Beach bzw. zur Autofahrt. Ben fuhr und Na Pali Kai saß vor mir auf dem Beifahrersitz. Hm, er hätte sich auch nach hinten setzen können. Tat er aber nicht.

In dem Moment war mir das gar nicht so bewusst. Er schien sehr auf sich bedacht zu sein. Als wäre da kein Raum, um auch an jemand anderen zu denken. Das war gestern noch anders. Die Energie veränderte sich.

Meine Energie hatte sich verändert. Ich war nicht mehr in meiner Mitte und in meiner vollen Kraft. Ich richtete nun meine Aufmerksamkeit auf ihn. Verdammt.

Schon am Morgen als ich aufwachte war mein Herzchakra total überhitzt. Dieses Gefühl kannte in dem Ausmaß überhaupt nicht. In mir war soviel Unruhe wie noch nie in meinem ganzen Leben. Gerade durch Yoga und Meditation wurde ich in den letzten Jahren immer tiefentspannter und kam bei MIR an. Was war das?

Mir war, als wäre über Nacht etwas passiert. Etwas was ich nicht zuordnen konnte.

Jetzt denkst du dir vielleicht: Mensch, Doris, du hast dich halt einfach bis über beide Ohren verknallt. Mag sein. Aber das war nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Da lief im Hintergrund noch viel mehr ab. Die ganzen kuriosen Zusammenhänge zeigten sich erst viele Monate später.

Und ganz ehrlich: Ich hasse verliebt sein, weil es mich so sehr aus meiner Mitte bringt. Früher mochte ich das, jetzt nicht mehr. Es kostet mir zu viel Energie.

Ich mag auch nicht den aufwühlenden Neuanfang in einer Beziehung. Ich mag viel lieber den Part, wenn es vertrauter wird. Voller Ruhe und Stille. Mit dem anderen. Wenn du du sein kannst. Das mag ich.

Als wir den kleinen Trail Richtung Strand liefen hatte ich ein Deja-Vu Erlebnis nach dem anderen. Ich erinnerte mich noch sehr gut, als ich letztes Jahr hier herunterlief. Wie ich an jeder Ecke anhielt, um Videoaufnahmen zu machen und zu fotografieren.

Ich liebe es u.a. Aufnahmen zu machen, wenn die Sonne durch die Bäume scheint. So hatte ich mich vor zehn Monaten auf dem Weg nach unten nach rechts gedreht, um so ein Foto zu machen, wie die Sonne durch die Blätter schien. Merke dir diesen Teil der Geschichte unbedingt!

Als wir unten ankamen wollten die beiden zu einem Wasserfall laufen, der sich linker Hand vom Strand befand. Der Weg dorthin führte über Lavafelsen und ich hatte ja keine Ahnung wie weit das war. Doch ich wollte es versuchen.

So balancierte ich barfuss über die Felsen und war noch mehr erstaunt, was ich alles wieder machen konnte. Danke, mein liebes Knie!

Irgendwann stand mir Na Pali Kai direkt gegenüber und nahm mich in den Arm. Ich konnte nicht anders, ich musste ihn küssen.

Und es war gut, dass er mich auf dem Lavafelsen festhielt, denn wenn er das nicht getan hätte, hätte es mir die Füße weggezogen. Alter Falter.

Ich weiß nicht warum, aber ich fragte ihn, wie er es finden würde, wenn ich ihn besuchen kommen würde. Er sagte, dass das „amazing“ wäre. Echt, jetzt? Oder ist das nur so ein oberflächliches „alles-ist-so-amazing-Ding“?

Wir setzten uns auf einen Felsen und Na Pali Kai fragte mich, ob ich ihm den Rücken eincremen könnte. Es saß direkt vor mir und ich weiß nicht warum, aber als ich damit fertig war habe ihn einfach von hinten in den Arm genommen und meinen Kopf in seinen Nacken gelegt.

Es fühlte sich für mich so vertraut an. Er reagierte sofort und lehnte seinen Kopf nach hinten an meinen. Das war für mich der schönste Moment mit ihm auf Kaua’i.

Ja, er reagierte sehr sensibel auf jede meiner Gesten und erwiderte sie. Er schien sehr feinfühlig zu sein.

Ben ließ uns diesen Moment und wanderte nach vorne Richtung Meer. Plötzlich wollte ich irgendwie nicht, dass Ben alleine ist. Ich fühlte mich sehr zwiegespalten. Keine Ahnung, wie er sich fühlte. Hoffentlich gut.

Ich dachte mir, hey, wenn die beiden weit voneinander entfernt wohnen und sich womöglich nicht oft sahen – und dann komme auch noch ich daher, an den einzigen zwei Tagen, die sie zusammen haben …

Deshalb entschied ich, dass ich umdrehe und wieder zum Strand gehe. So konnten die beiden ihr Jungs-Ding machen und Zeit miteinander verbringen.

Ob mir das leicht fiel? Nein. Ich hätte am liebsten jede Sekunde mit Na Pali Kai verbracht. Aber wenn ich in den letzten Jahren etwas gelernt habe, dass Freunde über alles gehen. Partner, oder was auch immer, kommen und gehen. Freunde bleiben.

Bevor ich zurücklief machten wir noch Bilder voneinander. Ich wollte unbedingt ein Bild für einen Post haben und bat Na Pali Kai, ob er mich fotografieren könnte. Ich hatte in dem Moment die Idee etwas über „Freiheit“ zu schreiben und krabbelte ganz nach vorne über die Felsen Richtung Meer.

Als ich ganz nah am Wasser stand breitete ich meine Arme aus und ließ so einen Schrei los, wie schon lange nicht mehr. Wow, war das befreiend. Wie sagte mein Knie so schön beim letzten Chrystal Healing: „Lass mich frei!“

Ja, ich lass dich frei. Immer wieder frei. Mich und alle anderen. Ich glaube, das ist das größte Geschenk, was wir uns gegenseitig machen können.

Irgendwann standen wir nebeneinander und fotografierten in verschiedene Richtungen. Plötzlich kam mir der Impuls, Na Pali Kai von der Seite zu fotografieren.

In dem Moment, als ich mich nach rechts drehte und abdrücken wollte, war er schneller. Er hatte im selben Moment wohl die gleiche Idee. So fotografierten wir uns gegenseitig, wie wir fotografieren. Ich musste so lachen! Dabei ist noch ein sensationelles Foto entstanden. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal auf einem Foto so gelacht habe.

So zogen die beiden weiter und ich zurück Richtung Strand. Die Sonne brannte und der einzige Schattenplatz war in einer Höhle, in der ich mich niederließ.

Hinter mir war ein Schriftzug im Sand mit drei Buchstaben: JOY. Freude. Ja, es war wieder Zeit für Freude. Einfach zu machen und nicht darüber nachzudenken, ob das jetzt richtig oder falsch war.

Auch wenn ich wusste, dass sein Flieger heute Abend ging, freute ich mich über die Zeit, die wir noch miteinander hatten und war dankbar dafür.

Als sie zurück kamen machten wir ein kleines Picknick und nach einiger Zeit ließ uns Ben wieder alleine. Ich fragte Na Pali Kai, ob das wirklich okay für Ben war. Er sagte: „Klar, er ist mein bester Freund.“

Kennst du diese Momente, wo du einfach nichts sprechen willst. Ich meine, ich wusste von ihm fast gar nichts. Außer, was er studierte und noch lernen wollte und, dass er laut Instagram tolle Bilder machte und poetische Texte schreiben konnte. Ich hätte ihn so vieles fragen können. Du weißt schon diese üblichen Fragen: Was isst du gerne? Was ist deine Lieblingsfarbe? Willst du mich heiraten? Spaß beiseite ;-)

Die einzige Frage, die mir einfiel war, welche Musik er mochte. Und wir tauschten uns aus, wann wir Geburtstag haben. Er sagte: „Du bist Wassermann.“ Ich: „Fast. Ist noch Fische.“ Ich habe an einem Grenztag geboren. Aber alleine, dass er das wusste. Wow. 

Eine Frage stellte ich ihm noch: „Was ist deine Vision?“

Er sagte: „Wir alle haben Visionen“ und ging nicht weiter darauf ein. Okay. Dann bist du wohl nicht der, der meine Vision teilt. Die, die Ende 2015 zu mir kam. Die, die so groß ist, dass ich bis heute keine Ahnung haben, wie ich das jemals hinbekommen soll.

Ansonsten haben wir nicht viel geredet. Es fühlte sich so überflüssig an. Ich wollte einfach nur fühlen, da sein und den Moment genießen, als wäre es der Letzte.

Ich musste mal für kleine Mädchen und als ich zurück kam war er schon auf dem Weg Richtung Ben, der mit dem Wellen sprang. Okay, das fühlte sich komisch an. Vor allem hatte er einfach meinen Rucksack mit der Kamera liegen lassen. Das fand ich gar nicht gut.

Irgendwann bin auch Richtung Wasser und er winkte mir zu, dass ich ins Wasser kommen sollte. Och nö, die Strömung war mir echt zu gefährlich. Aber er blieb hartnäckig.

Gott sei Dank. Denn so überwand ich mich und wir sprangen zu Dritt mit den Wellen. Was für ein Spaß! Alleine hätte ich mich das bei der Strömung nie getraut.

Wir kraulten ein Stück und plötzlich zog Na Pali Kai voll an. Wollte er mich abhängen? Na, so ganz egofrei schien er doch nicht zu sein ;-) – ich blieb schmunzelnd dahinter B-)

Auf einmal sah ich, dass die Wellen immer näher an unsere Sachen herankamen, die am Strand lagen und stieg aus dem Wasser, um sie zu retten.

Plötzlich sah ich, dass die Wellen immer näher an unsere Sachen herankamen, die am Strand lagen und stieg aus dem Wasser, um sie zu retten.

Irgendwie schienen wir beide nicht so ganz aufmerksam zu sein. Er mit meinem Rucksack, ich mit seiner Brille. Zum Glück gab es Ben, der die Lage im Griff hatte :-D

Ben wirkte auf mich nicht nur sehr geerdet und klar, sondern er inspirierte mich mit einem neuen Begriff. Wir unterhielten uns über vegane Ernährungsweise und all die Dogmen, die damit verbunden sind. Bitte versteh mich nicht falsch. Ich ernähre mich fast ausschließlich so. Jedoch mag ich nicht, welches Label der Begriff hat. Denn es geht für mich nicht darum irgend einem Hype zu folgen oder in eine Schublade gepackt zu werden. Sondern zu erfühlen, was mir Energie gibt.

Ben sagte dann, er sei „freegan“. Das fand ich ziemlich cool und den Begriff musste ich gleich in meine nächsten Ernährungsseminare nehmen. Ich hoffe, er hatte nicht Patent darauf angemeldet. ;-)

Achtung jetzt kommt der beste Part. Doppelgrins.

Wir liefen zu einem kleinen Miniwasserfall unter einem Felsvorsprung, um uns abzuduschen.

What a feeling! Die beste Naturdusche aller Zeiten!

Ich weiß nicht warum, aber mir kam spontan die Idee, Nacktbilder unter diesem Wasserfall zu machen.

Völlig verrückt, ich weiß. So fragte ich Kaua’i, ob ich das darf und Kaua’i sagte: „Du darfst alles.“ Mir war, als meinte sie in Bezug auf ihn. Alles zu leben und alles zu sein, was wir sein und tun wollten.

Und JA, ich spreche mit einer Insel :-D

So standen wir tatsächlich unter diesem Wasserfall und Ben machte Bilder von uns.

Weißt du, ich habe in diesem Moment überhaupt nicht darüber nachgedacht, was die Leute sagen könnten, die vor uns am Strand lagen. Ich hatte sie ehrlich gesagt überhaupt nicht wahrgenommen.

Mir war auch nicht klar, welche Bilder daraus entstehen würden.

Du würdest sie wahrscheinlich jetzt gerne sehen. Hab ich mir schon fast gedacht ;-) – fett sorry, Alter. Ist privat :-)

Na, wer weiß, vielleicht landen sie irgendwann in einer Ausstellung. So wie das Foto in dem Film „So was wie Liebe“, auf dem Ashton Kutcher und Amanda Peet sich nackt vor einem riesigen Vollmondhintergrund umarmen.

Ja, es sind mit Abstand die schönsten Bilder, die ich je mit jemand zusammen gemacht habe.

Nach der abgefahrensten Fotosession meines ganzes Lebens war es Zeit diesen Strand zu verlassen, denn seine Maschine ging bald.

Ich war traurig. Jedoch konnte ich die Zeit nicht aufhalten.

So liefen wir den kleinen Trail zurück nach oben Richtung Auto. Plötzlich drehte sich Na Pali Kai zur rechten Seite und machte ein Foto: Die Sonne, wie sie durch die Bäume schien. Fast an der gleichen Stelle, wie ich zehn Monate zuvor.

Ne, oder?

Als mir Wochen später Facebook genau diese Erinnerung präsentierte, traute ich meinen Augen nicht: Ich hatte mich von all den Bildern am Secret Beach genau für dieses im Jahr 2018 entschieden. Warum auch immer.

Auch warum ich das Jahr zuvor genau an diesem Strand das Buch über Weizen gelesen hatte und was es mit unserem Gehirn machte.

Er hatte eine Glutenunverträglichkeit. Wobei laut Studien nicht das Gluten das Problem sein soll, sondern ein Stoff der nennt sich ATI, Amylase-Trypsin-Inhibitoren.

Kurzer Ernährungs-Klugscheißermodus wieder OFF :-)

Ja, der Abschied nahte …

Und er war für mich nicht besonders angenehm. Er war gefühlt mit seinen Gedanken schon wieder fast zu Hause und meinte, dass er nicht weiß, ob er sich melden kann, ob er gut angekommen ist, denn er würde sehr müde sein :-(

Zu meinen letzten Worten musste ich mich echt überwinden und sagte: „Ich hoffe, dass wir uns wiedersehen.“ Wieso sagte ich so etwas, obwohl ich schon gemerkt hatte, dass es im Grunde überflüssig ist?

Weil ich echt sein will und nichts mehr zurückhalten möchte.

Er sagte: „Wir sehen uns bald wieder.“

Aha. Da schien er mehr zu wissen, als ich.

Eine letzte Umarmung, ein letzter Kuss. Und es fühlte sich für mich gar nicht gut an. Er ging auf Distanz.

Genauso wie die Umarmung mit Ben, die gefühlt KEINE war. Als wollte er mich gar nicht wirklich umarmen.

Komisch, Ben sah ich an den beiden Tagen immer zuerst und dann verabschiedete ich mich von ihm zuletzt. Welche Rolle spielte er? Das mag komisch klingen, aber als wir am Secret Beach in der Höhle waren und Ben wegging, fragte ich mich für einen kurzen Moment, ob ich einen Fehler gemacht hatte. Keine Ahnung warum.

Als sie weg waren wollte ich mir gleich auf meinem Zimmer die Bilder vom Mini-Wasserfall ansehen.

Oh. Oooooooh. Shit. Die sehen ja Hammer aus!

Im Grunde war das alles schon sehr skurril. Mein schlimmstes Erlebnis hatte ich an einem Wasserfall auf Kaua’i. Dann kommt jemand, der mir alle meine Ängste vor Wasserfällen nimmt und ich habe obendrein die tollsten Fotos, wo ich direkt mit ihm unter einem Wasserfall stehe. Was bedeutete das alles?

Vielleicht hatte es auch überhaupt keine Bedeutung.

Ich begann aufzuschreiben, was mir diese Begegnung sagen sollte. Und was Kaua’i dazu sagte.

Es war ein Gefühl, als wäre das eine sehr lange Angelegenheit und, dass es sich sehr lange hinziehen würde. Ich sagte: „Hey Kaua’i, du weißt schon wie alt ich bin.“

Da sprach die Angst in mir. In der geistigen Welt ist wahrscheinlich ein Jahr eine Sekunde oder so.

Und es kam noch eine Message durch mich hindurch. Die kam immer wieder: Liebe ihn. So wie er ist. Liebe ihn. Und der Begriff: Freie Liebe.

Ich verstand das alles nicht. Es war für mich nicht greifbar. Es war alles so schwammig. Auf was hatte ich mich da nur eingelassen? Welche Reise sollte das nun wieder werden?

Zum Glück ahnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, was noch alles auf mich zukommen würde.

Und trotzdem bin ich da irgendwie durch. Immer weiter durch. Meine Seele hatte das ganze Programm gewählt. Ohne Netz und doppelten Boden.

Freie Liebe. Jesus Christ.