Quer durch Deutschland

– Juni 2019 – 

1111.

Ständig sah ich diese Zahlenkombination. Auf Autokennzeichen. Als Uhrzeit. Als numerologischen Zahlenpost auf Instagram. 

Was bedeutete das? Für mich bedeutete die EINS Neubeginn. Zumindest hatte ich das irgendwo gelesen. 

Weißt du, ich glaube ich bin ein ziemlicher Zahlenfreak und vielleicht gerade deshalb spricht das Universum irgendwie durch Zahlen mit mir. Es sucht sich immer den Weg, den ich am besten verstehe. Oder was glaubst du?

Die 1111 sollte mir noch öfters begegnen. Vor allem zu einem Zeitpunkt in der Zukunft, wo ich die Zahl am liebsten verflucht hätte, weil ich es nicht wahrhaben wollte.

Aber bis dahin sollte noch einiges in meinem Leben passieren.

Erst einmal freute ich mich riesig auf meine kleine Deutschlandtour, die ich mir während meiner Sofazeit in meinem Kopf ausgedacht und dann als Route in mein Notizbuch gezeichnet hatte.

Es ist schon verrückt, wie die Dinge dann plötzlich Wirklichkeit werden. Ich liebe sowas ja. Ideen haben, aufschreiben oder aufmalen und dann irgendwann mittendrin sein. 

Voll cool!

Und manchmal geht nicht gleich alles so in Erfüllung, manche Teile kommen später oder in anderer Form. Ich hatte z.B. noch ein mehr deutsche Orte in meiner Zeichnung …

Lass uns nun zusammen losfahren. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht. On the road again! Was für ein Gefühl.

Freiheit. Leichtigkeit. Abenteuerlust. Obwohl das größte Abenteuer noch auf mich warten sollte. 

Diese erste Reise war wie ein kleines Warm-up.

Spannend war, dass ich auf diesem Trip nur Single-Frau besuchte. Was ich nun auch war. Im Grunde schon einige Monate zuvor, denn wir schliefen getrennt und waren im Grunde wie gute Freunde, die zusammen in einer Wohngemeinschaft lebten.

So ging es los nach Villingen-Schwennigen zu meiner Freundin Valentina und mit ihr, bei bestem Sonnenscheinwetter, an den See.

Ich hatte Valentina vor einigen Jahren bei der Ausbildung zu Trance Healing und Higher Self Healing in der Schweiz kennengelernt.

Das ist auch so eine Manifestation-Geschichte: Ich hatte ein bisschen bedenken, weil meine gebuchte Unterkunft ganz schön weit weg vom Seminarort lag. So wünsche ich mir jemanden, der mir den Weg zeigen konnte.

So schickt mir das Universum Valentina. Sie kannte sich super aus. Denn sie war bereits das Jahr zuvor bei dem Seminar und kannte den Weg. Und sie hatte direkt das Zimmer neben mir gebucht. Sensationell.

Nicht nur das. Sie war bereits durch und durch Veganerin, d.h. pflanzlich-vollwertig. Ich mag den Begriff vegan nicht so gern. Der klingt manchmal wie ein extremistisches Schimpfwort. Pflanzlich-vollwertig. Das klingt für mich toll. Am besten noch gluten- und zuckerfrei. Das tut mir am besten.

Heute. Jetzt. Damals schaffte ich es einfach noch nicht auf Milchprodukte zu verzichte. Vor allem auf Frischkäse und Parmesan. 

Ich weiß nicht, was es war, denn Valentina hatte mit mir kein Ernährungs-Coaching gemacht. Es war alleine ihre Energie, die bei mir den Stein ins Rollen brachte. Denn sie brachte mich nicht nur jeden Tag mit meiner mangelnden Orientierung behütet und beschützt an den Zielort, sondern wenige Wochen später konnte ich plötzlich mühelos auf Milchprodukte verzichten. Das war schon irgendwie ganz schön magisch.

Es zeigte mir, wie sehr wir uns gegenseitig beeinflussen können. Zumindest in dem Fall mich. Zum Positiven. Und das sollte noch weitergehen. Denn Valentina liebte es, kalt zu duschen. Ich praktiziere das vor meinem Knieunfall sehr gerne. Jedoch danach ging es gar nicht mehr. 

Nachdem ich im Winter nur gefroren hatte. Naja, keine Bewegung. Kreislauf total im Keller. Und erst einmal nicht duschen konnte, weil ich mit dem Bein nicht über die Erhöhung in der Dusche kam. War das göttlichste was ich mir selbst schenke konnte eine warme mummelige Dusche. 

Und jedesmal wenn ich in alle Programme verfalle und im Superpursiutmode dusche oder Treppen laufe, erinnere ich mich daran, wie es war. Das setzt in mir dann soviel Demut frei, dass ich es nur noch genießen möchte. 

Und falls du auch manchmal in Lichtgeschwindigkeit durch deine Tage rauschst, dann erinnere dich, was es für ein Geschenk ist, laufen zu können. Duschen zu können. Und was für eine Balance-Meisterleistung dein Körper vollbringt, wenn du Treppen nach oben und unten steigst. Ohne Festhalten. Und sogar noch Dinge mit dir rumträgst. Es ist wirklich eine Meisterleistung!

Ich genoss die Zeit mit Valentina so sehr und ihre wirklich delikate Küche. Sie hat mich in den all den Jahren zu so vielen leckeren Dingen und Rezepten inspiriert und sendet mir heute noch immer wieder tolle Dinge in mein Postfach. Musik. Poesie. Texte. Danke, Kathrin, dass es dich in meinem Leben gibt!

Nach intensiven Gesprächen, Zeit in der Natur und dem absoluten Highlight – wir waren nämlich noch zusammen beim SEOM-Konzert, weil es „zufällig“ auf dem Weg lag – war es an der Zeit, weiterzuziehen.

In die Pfalz, um eine weitere, für ich sehr taffe Singlefrau mit ihren goldigen Hunden zu besuchen. Sie lebte in einem tollen Bungalow am Waldesrand mit einem wunderschönen Garten und genoss es sehr und er Natur zu sein. Sie inspirierte mich nicht nur vor vielen Jahren zum mentalen Training, sondern ebenso meinem Ex-Mann ein kleines Abschiedsgeschenk zu machen.

Denn sie hatte einen ziemlich coolen Radio, der aussah wie ein VW-Bus. Erst wollte ich ihm auch so ein Ding schenken, entdeckte aber mit ihr an einer Tankstelle ein 3D-VW-Bus-Puzzle. Jedoch passte die Farbe noch nicht ganz. Als ich wieder zu Hause war, hatte ich ihn gefunden. Einen richtig coolen Männerdesign-VW-Bus als Puzzle. Für 18,48 Euro. Diese Zahl begegnete mir auch immer wider.

Nachdem ich mein Sparbuch für Kaua’i geplündert hatte, befanden sich auf dem Ausdruck als Restbetrag genau noch … na rate mal: 18,48 Euro. Und nein, ich habe mir das nicht so ausgerechnet und mir dann den Betrag auszahlen lassen ;-) 

Jetzt denkst du dir vielleicht, warum ein VW-Bus? Weil es immer der Traum meines Ex-Mannes war, so einen Bus zu haben. Er wollte so gerne die nordischen Ländern in Europa damit bereisen und Emma dazu mitnehmen. Aber es tat es nicht. 

Wenn er gesagt hätte: „Hey, Baby, lass uns losziehen mit so einem Ding“, wäre ich sofort dabei gewesen. Ich fand das schon immer cool, wenn ich es auf Bildern sah. 

Dieser VW-Bus in meinem Kopf sollte mir immer wieder begegnen. Auf Kaua’i hatte ich sogar einmal bei einem Gewinnspiel mitgemacht, wo man so einen ergattern konnte. Wie gerne hätte ich ihm einfach die Schlüssel in die Hand gedrückt und gesagt: Da, und jetzt fahr los und mach dein Europatour mit Emma :-)

Und rate mal, wer so einen ähnlichen Bus hatte? Die nächste abgefahrene Frau, die ich auf dieser Deutschlandreise besuchte: Petra.

Sie kannte ich am Längsten. Wir hatten uns in München an der Uni in meiner ersten Philosophie-Vorlesung kenngelernt und das Coole war, dass sie nicht nur einen faible für Kant und Co. hatte, sondern gerade mit Triathlon anfing. So tummelten wir uns nicht nur neugierig und begeistert von all den Weisheitslehre im Audimax, sondern auch in der Olympiahalle zum Schwimmtraining der Universität.

Ja, ich liebte mein Studentenleben in München. Ich liebte es mit der U-Bahn in die Uni zu fahren und München zu entdecken. Ich liebte es frei zu sein und zu entscheiden, was ich lerne wollte. Klar, gab es Vorgaben, aber selbst das, war für mich so unglaublich interessant. Okay, bis auf Logik, da bin ich ausgestiegen ;-)

Und mit Yoga und Meditation stellte ich sogar irgendwann den lieben Descartes in Frage. Was schrieb ich mir damals groß auf die Fahne: „Ich denke, also bin ich“. „Cogito ergo sum.“ Was liebte ich es, alles zu zerdenken und noch tiefer zu graben. Dinge, alleine durch das Denken lösen zu wollen.

HA! Da hat sich meine Seele wahrscheinlich schon im Studium einen Ast abgelacht und mir dann mit der ersten „Auflösungsmeditation“ eine Dimension gezeigt, die fernab jedes Denkens lag. 

Im Grunde könnte ich fast sagen: Ich denke, also bin ich NICHT. Dann läuft ein Programm in mir ab. Doch ich bin nicht dieses Programm. 

Wir sind der Ursprung alleins Seins. Und das geht für mich komplett ohne Denken. Sobald sich der Denker einschaltet (oder ich ihn einschalten lasse), bin ich raus aus dem Zustand.

Wie ist das bei dir?

Wie sagte einmal einer meiner Ausbilder für Meditation, als ich ihn auf Descartes ansprach: „Ja, Descartes ist da tatsächlich an einem bestimmten Punkt nicht weitergegangen.“

Du bist trotzdem toll Descartes. Und Kant, du auch. Und Sokrates, du erst Recht. Du warst, bist und bleibst mein Lieblingsphilosoph. Ja, „ich weiß, dass ich nichts weiß“. Das wurde mir mit jeder Ausbildung mehr und mehr bewusst.

Und: „Erkenne dich selbst“. Ja, liebes Orakel von Delphi, wie schlau warst du damals schon. Mahalo.

Lass uns nun weiter nach Rostock reisen. Und ans Meer :-)

Ich muss zugeben, diese Strecke verlangte meinem Knie einiges ab.

Und JA, ich gebe zu, mein Physio hatte mich nach dem Trip ganz schön zusammen geschissen, wie unvernünftig ich wäre. Mein Knie war total geschwollen und tat echt weh. Trotz der Kompressionsstrumpfhose, die mir Petra mitgegeben hatte. Er ahnte ja noch nicht, dass mir noch etwas ganz Unvernünftigeres bevor stand: Der lange Flug von Deutschland nach Kaua’i. 

Zum Glück bin ich heil bei Petra angekommen und das Wetter segnete uns jeden Tag mit schönsten Sonnenschein. Wir genossen die Ostsee und den feinen Sandstrand. Auch wenn das Wasser a… kalt war, ich liebte es! Endlich wieder am Meer sein.

Wir schlemmten uns im Erdbeerland durch Erdbeereis und ließen es uns gechillt am Ufer der Warnow mit alkoholfreien Cocktails gut gehen. Zumindest für mich alkoholfrei, weil ich den nicht wirklich vertrage.

Petra sollte ich noch ein weiteres Mal besuchen, wo das Wetter für mich alles andere als angenehm  war. Der eisige Nordwind Deutschlands pfiff mir eisig-schneidend um meine südländisch geprägte und somit sehr kälteempfindliche Nase. Brrr. 

Doch bis dahin sollten noch einige Vollmonde ins Land gehen.

Warum sagen wir eigentlich Vollmond? Im Grunde ist der Mond doch immer voll. Es ist nur unsere Perspektive auf ihn.

Ups, da war er wieder. Mein Klugscheißermodus. B-)

Dem Klugscheißer in mir wurde ganz anders, als es wieder zurück in unser gemeinsames Noch-Apartment ging. Als ich mit meinem Auto die grünen Felder und Hügel meines Noch-Heimatortes sah und dem Ortsschild immer näher kam.

Mir hatte es regelrecht die Luft abgeschnürt. Das Beklemmungsgefühl war kaum auszuhalten. Ab liebsten wäre ich wieder umgedreht und hätte weiter Freundinnen besucht.

Nun wurde es wirklich ernst …

(Und während ich hier den Beitrag beendet habe und auf die Uhr blicke, ist es 1:11 pm … verrückt.)

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–> Hast du Lust, mit mir einen kleinen MindStretch zu machen? Hier findest du meine neue Meditation. Vielleicht fände sie Descartes auch ganz gut ;-)

(sie ist derzeit kostenfrei)